[Bulle & Mensch]

Begriff · Trading

Was ist die Charttechnik?

Charttechnik: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.

Kurz erklärt

Die Charttechnik ist eine Analysemethode, die aus dem bisherigen Kursverlauf und dem Handelsvolumen Rückschlüsse auf mögliche künftige Kursbewegungen zieht. Sie arbeitet mit Trends, Unterstützungen, Widerständen, Formationen und Indikatoren. Anders als die Fundamentalanalyse fragt sie nicht, was ein Unternehmen wert ist, sondern wie sich Angebot und Nachfrage im Chart zeigen. Viele nutzen sie vor allem für das Timing.

Definition von Charttechnik

Die Charttechnik, auch technische Analyse genannt, untersucht Kursverläufe, um wahrscheinliche Bewegungen sowie sinnvolle Einstiege und Ausstiege zu finden. Grundlage ist allein das, was am Markt tatsächlich passiert: Kurse, Handelsvolumen und Zeit. Unternehmenszahlen, Bewertungen oder Nachrichten spielen dabei keine direkte Rolle.

Dahinter stehen drei Grundannahmen: Im Preis sind alle bekannten Informationen enthalten, Kurse bewegen sich in Trends, und Muster im Verhalten der Marktteilnehmer wiederholen sich. Wer diese Annahmen nicht teilt, kann mit Charttechnik wenig anfangen.

Charttechnik ist keine Glaskugel. Sie liefert Wahrscheinlichkeiten und Orientierungspunkte, etwa wo ein Stopp sinnvoll liegt, aber keine sicheren Prognosen. Wie gut sie über längere Zeit funktioniert, ist in der Forschung umstritten. Viele Profis kombinieren sie deshalb mit Fundamentalanalyse und Risikomanagement.

Wie erkennt man Trend, Unterstützung und Widerstand?

Im Zentrum der Charttechnik steht der Trend. Ein Aufwärtstrend besteht aus steigenden Hochs und steigenden Tiefs, ein Abwärtstrend aus fallenden Hochs und fallenden Tiefs. Dazwischen liegen Seitwärtsphasen, in denen sich der Kurs in einer Spanne bewegt.

Die wichtigsten Werkzeuge:

  • Unterstützung: ein Kursbereich, an dem der Kurs mehrfach nach oben gedreht hat, weil dort offenbar viele kaufen.
  • Widerstand: ein Kursbereich, an dem der Kurs mehrfach nach unten gedreht hat, weil dort offenbar viele verkaufen.
  • Trendlinien: Linien entlang der Tiefs im Aufwärtstrend oder entlang der Hochs im Abwärtstrend.
  • Formationen: wiederkehrende Muster wie Dreiecke, Flaggen oder Schulter-Kopf-Schulter.
  • Indikatoren: aus Kurs und Volumen berechnete Hilfsgrößen, etwa gleitende Durchschnitte wie die 200-Tage-Linie oder der Relative Strength Index (RSI).

Ein vereinfachtes Beispiel für eine Aktie in einer Seitwärtsphase:

Unterstützung90 €
Widerstand110 €
Aktueller Kurs95 €
Trendseitwärts
Volumen beim letzten Test der Unterstützungüberdurchschnittlich hoch
Charttechnische LageKurs nahe Unterstützung, Stopp knapp unter 90 €

Steigt der Kurs später über 110 Euro, spricht man von einem Ausbruch. Der alte Widerstand wird dann oft zur neuen Unterstützung. Ein Ausbruch mit steigendem Volumen gilt als aussagekräftiger als einer mit geringem Volumen.

Charttechnik in der Praxis

In der Praxis wird Charttechnik vor allem für das Timing genutzt: Wann steige ich ein, wo liegt mein Ausstieg? Auch Anleger, die ihre Aktien nach Unternehmenszahlen auswählen, schauen oft auf den Chart, bevor sie kaufen.

Typische Einsatzbereiche:

  • Einstieg: Kauf an einer Unterstützung oder nach einem Ausbruch über einen Widerstand.
  • Stop-Loss: Der Stopp liegt meist knapp unter einer Unterstützung oder unter dem letzten Tief, nicht an einer runden Zahl.
  • Positionsgröße: Der Abstand zwischen Einstieg und charttechnischem Stopp bestimmt, wie viele Stücke gekauft werden.
  • Trendfolge: Solange Hochs und Tiefs steigen, bleibt die Position bestehen.
  • Marktphase: Der Chart des Gesamtmarkts zeigt, ob gerade Rückenwind oder Gegenwind herrscht.

Die größte Schwäche der Charttechnik ist ihre Deutbarkeit. Zwei Menschen können im selben Chart unterschiedliche Linien ziehen, und Signale können sich widersprechen oder schlicht nicht eintreten. Erfahrene Marktteilnehmer nutzen Charttechnik deshalb mit festen Regeln und klarem Risikomanagement, nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage.

Charttechnik bei [Bulle & Mensch]

Bei [Bulle & Mensch] ist die Charttechnik eines der Themen, an denen sich die Gäste am deutlichsten scheiden. Für Wieland Arlt steckt jede Information im Preis. David Pieper liest im Chart das Angebots- und Nachfrageverhalten aller, die ihre Meinung mit Kapital unterlegen, und Rüdiger Born sieht darin die Stimmung der Marktteilnehmer. Uwe Jännert setzt seine Trading-Stopps anhand des Chartbilds.

Andere sind deutlich skeptischer. Torsten Maus hält reine Charttechnik für wenig aussagekräftig, solange man nicht auch das Volumen und den Gesamtmarkt betrachtet. Maximilian Robl widerspricht dem Bild vom heiligen Gral, das Privatanlegern oft verkauft wird, und Marcel Urban glaubt, dass mehr Menschen mit Chartanalyse Geld verlieren als verdienen. Einig sind sich fast alle: Charttechnik ist ein Werkzeug, keine Prognose.

Was meine Gäste über Charttechnik sagen

Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.

Unterschiedliche Perspektiven

GastAnsatz
Rüdiger BornDer Chart zeigt die Stimmung der Marktteilnehmer
Michael KranichWeg von Standard-Signalen wie der 200-Tage-Linie
Christian JagdGroße Chartsignale statt Indikator-Overkill
Max SchulzCharttechnik liefert das Timing
Marcel UrbanMehr Verlierer als Gewinner mit Chartanalyse
Gregor LabahnChart zeigt, wo Marktteilnehmer unter Druck geraten
Maximilian RoblKein heiliger Gral für Privatanleger
David PieperDer Chart zeigt Angebot und Nachfrage mit echtem Geld
Uwe JännertTrading-Stopps nach dem Chartbild
Wieland ArltGrundannahme: Alle Informationen stecken im Preis
Torsten MausReine Charttechnik reicht nicht, Volumen gehört dazu
Michael PisnyachevskiyRSI-Signale allein sind zu simpel

Die Aussagen im Wortlaut

Der Chart zeigt die Stimmung der Marktteilnehmer

„Das heißt, die technische Analyse ist für uns eigentlich nur das Sichtbarmachen der Laune der anderen Marktteilnehmer. […] Viele sagen, aber der Chart sagt doch nicht die Zukunft. Das stimmt. Der Chart sagt aber, in welcher Stimmung die Leute sind.“
Rüdiger Born Folge 34: Deine Charts lügen: Warum Rüdiger Born keine einzige schräge Trendlinie zeichnet 36:12 auf YouTube

Weg von Standard-Signalen wie der 200-Tage-Linie

„Wo ich angefangen hatte, war die 200-Tage-Linie für mich der Indikator damals gewesen. Heute bin ich da davon weit weg […], wobei sich natürlich die Finanzwelt jetzt auch auf diese Indikatoren, kann man schon sagen, eingeschossen hat an der Stelle. Deshalb weiche ich da davon eben dann wieder ab.“
Michael Kranich  Folge 24: So schlägt er mit Excel den Markt – dank diesem Ampel-System 1:17:52 auf YouTube

Große Chartsignale statt Indikator-Overkill

„Für mich sind diese ganz großen Chartsignale entscheidend. Ich arbeite da jetzt nicht übertrieben mit Oszillatoren oder lege noch dies oder das drunter, weil tatsächlich der reine Chart wird von den meisten Marktteilnehmer eben dann auch angeschaut und die Signale, die der sendet, wird dann eben auch von den meisten […] umgesetzt.“
Christian Jagd  Folge 22: Ex-Xetra-Händler verrät: So handeln Profi-Trader wirklich 43:30 auf YouTube

Charttechnik liefert das Timing

„Dann haben wir die technische Analyse, weil letztendlich das Fundament bringt uns nichts, wenn der Kurs nicht unsere Richtung läuft. Technische Analyse sorgt dafür, dass ich das richtige Timing finde.“
Max Schulz  Folge 18: Millionen mit Rohstoffen: Max Schulz' System mit nur einer Analyse pro Woche 1:22:25 auf YouTube

Mehr Verlierer als Gewinner mit Chartanalyse

„Ich glaube, es gibt mehr Leute, die mit Chartanalyse Geld verlieren, als mit Chartanalyse Geld machen. Und die Statistiken sprechen da auch für sich.“
Marcel Urban Folge 16: KI frisst deinen Edge: warum Alpha immer schneller stirbt 1:47:59 auf YouTube

Chart zeigt, wo Marktteilnehmer unter Druck geraten

„[…] da guckst natürlich nicht auf irgendwelche gleitenden Durchschnitte, sondern du lernst eigentlich, über die technische Analyse zu verstehen, wo sind denn Marktteilnehmer und wo haben welche Marktteilnehmer ein Problem.“
Gregor Labahn Folge 13: Ich trade nur, wenn nichts von mir es will: Gregor Labahn über die 90-Prozent-Mindset-Regel im Trading (Ex-UBS, Ex-Berenberg) 1:08:27 auf YouTube

Kein heiliger Gral für Privatanleger

„Technische Analyse wird so als der heilige Gral bei den Privatanlegern gepitcht. Ist es aber nicht.“
Maximilian Robl Folge 11: Vom Demokonto zum institutionellen Trader: Warum an der Börse laut Maximilian Robl niemand über Nacht erfolgreich wird 27:12 auf YouTube

Der Chart zeigt Angebot und Nachfrage mit echtem Geld

„Technische Analyse bedeutet, ich nehme als Information den Preis selbst. Das heißt ich lese im Grunde genommen das Angebots- und Nachfrageverhalten aller Akteure, die nicht nur eine Meinung abgeben zu dem betreffenden Markt, sondern die das mit Kapital unterlegen.“
David Pieper Folge 10: Vom Bankanalysten zum Options-Stillhalter: Wie David Pieper mit technischer Analyse ein zweites Börseneinkommen aufbaut 15:41 auf YouTube

Trading-Stopps nach dem Chartbild

„In der Regel habe ich aufgrund der Markttechnik und der Charttechnik sogenannte Trading Stops drin. Die haben nichts mit den 20 Prozent zu tun, sondern da nehme ich dann eben auch wieder den Chart und das Chart-Bild und gucke wo ich das dann einsetze.“
Uwe Jännert  Folge 8: Vom Hebelkönig zum defensiven Nebenwerte-Strategen: Wie Uwe Jännert 37 Jahre an der Börse überlebt hat 1:39:12 auf YouTube

Grundannahme: Alle Informationen stecken im Preis

„Du guckst auf deinen Chart, du guckst auf dein Konto, sagst, ist mir völlig wurscht, warum es so ist. Weil ich sehe, was da ist. Das ist auch, wenn du technische Analyse genau betrachtest, die Grundannahme ist: Jede Information ist im Preis beinhaltet.“
Wieland Arlt Folge 7: Was dein Depot über dich verrät: Warum IFTA-Präsident Wieland Arlt Kontoauszügen nicht traut 27:00 auf YouTube

Reine Charttechnik reicht nicht, Volumen gehört dazu

„Ich sag mal so, reine Charttechnik bringt gar nichts. Wenn ich mir einen Chart anschaue, da weiß ich ungefähr, ist ein Aufwärts- oder ein Abwärts-Trend und daran sehe ich nichts. Ich sehe schon wesentlich mehr, wenn ich mir Volumen einblende in den Chart.“
Torsten Maus  Folge 5: Warum Torsten Maus 95 Prozent aller Kaufsignale konsequent ignoriert 1:04:05 auf YouTube

RSI-Signale allein sind zu simpel

„Zum Beispiel im Fall des RSI natürlich ist das viel zu banal, einfach zu sagen, wenn der über einen gewissen Wert geht, dass man dann sofort long oder short einsteigt. Hier wäre es wichtig zu verstehen, dass das ein Oszillator ist und in einem Trend der RSI natürlich relativ wertlos ist.“
Michael Pisnyachevskiy Folge 1: Michael Pisnyachevskiy: Wie die Suche nach dem Heiligen Gral im Trading zur Suche nach einem echten Edge wurde 24:12 auf YouTube
Kostenlose DossiersProfi-Wissen zum Download„So bauen Profis ihr Depot“, „Crash-Handbuch“, „Gier frisst Hirn“ und „Stop-Loss oder nicht?“: die Antworten vieler Profis zu einem Thema, als PDF. Alle Dossiers →

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