Warum 90 % der Trader scheitern: Michael Pisnyachevskiy
Vom unwissentlichen ersten Short über RSI, Elliott Waves und Krypto-Arbitrage bis zu der einen Frage, die Michael Pisnyachevskiy sich heute vor jedem Trade stellt.
Michael Pisnyachevskiy war ungefähr in der 7. Klasse Gymnasium, als er bei einem CFD-Broker zum ersten Mal auf den Sell-Button klickte, ohne zu wissen, dass er damit leerverkauft. Die Position rutschte ins Plus, er schloss sie und erfuhr erst später, was ein Short ist. Dieser erste kleine Trade ist für ihn vielleicht der Grund, warum er danach jahrelang short biased war, beim DAX zwei Jahre lang konsequent bearish.
Danach arbeitete er sich durch RSI, Value Investing, Trend Following, einen selbstgebauten Trading-Roboter und Elliott Waves und nimmt seine Fehlschläge genauso genau auseinander wie seine Ansätze. Heute kombiniert Michael Pisnyachevskiy fundamentale Aktienauswahl mit Elliott Waves als Werkzeug für den Einstieg. Getradet wird nur, wenn er einen konkreten Case hat, warum er mit dem Trade Geld verdienen sollte.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Sein Regelwerk, 8 Punkte: Einstieg 1 · Psychologie 1 · Ausstieg 1 · Auswahl 3 · Risiko 2
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SkeptischEinstiegKein Oszillator im Trend RSI war seine erste Strategie, weil die Regeln so einfach klangen: unter einem Wert kaufen, über einem Wert verkaufen. In der Praxis funktionierte das aber nicht zuverlässig.
Zitat & Begründung
„die RSI Strategie, das war die erste, wo ich dann verstanden habe, hin und wieder funktioniert das dann doch nicht“ ▶ 22:53
- Die Regeln wirkten verlockend einfach: unter einem Wert ein Signal zum Einstieg, über einem Wert eines zum Ausstieg.
- Er sieht den RSI als Oszillator, der in einem Trend relativ wertlos ist.
- Die Strategie war ihm im Rückblick viel zu simpel.
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RätPsychologieIn Zyklen von 100 Trades denken100 Trades je ZyklusKlare Aussage Trading ist Statistik, keine Gewissheit: Alles richtig zu machen garantiert kein Ergebnis. Wichtig ist, dass die Strategie in Summe positiv ist, nicht jeder einzelne Trade.
Zitat & Begründung
„es ist alles Statistik. Also es kann sein, dass du alles richtig machst und es trotzdem nicht funktioniert“ ▶ 23:29
- Einzelne Verlusttrades trotz richtiger Umsetzung muss man akzeptieren, sagt er.
- Es zählt, dass die Strategie in Summe positiv ist.
- Er rechnet in Zyklen von etwa 100 Trades und nimmt den Profit, den ein Zyklus bringt.
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RätAusstiegGewinne nicht vor dem Ziel schließenWochenbericht des Brokers Sein Broker schickte ihm wöchentlich eine Zusammenfassung seiner Trading-Woche. Erst als er sie genauer las, erkannte er das eigentliche Problem: Stop-Losses saß er konsequent aus, Gewinne nahm er viel zu früh mit.
Zitat & Begründung
„in einer verlustposition sitze ich teilweise in paar stunden und in der profit position sitze ich ein paar minuten“ ▶ 39:36
- Die wöchentliche Zusammenfassung seines Brokers zeigte ihm seine eigene Statistik.
- Verlustpositionen hielt er stundenlang, Gewinne nahm er nach Minuten mit.
- Sein Stop-Loss blieb stehen, das Problem lag beim zu frühen Ausstieg aus Gewinnen.
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RätAuswahlBewertung nie als nackte Zahl Peter Lynchs Buch über das Price-to-Earnings-Ratio führte ihn zu einem teuren Fehlschluss: Er kaufte chinesische Aktien mit sehr niedrigem P/E-Ratio, ohne zu verstehen, dass diese Bewertung dort einfach normal war.
Zitat & Begründung
„die bleiben auch bei zwei weil das einfach deren bewertung ist“ ▶ 33:10
- Nach dem Buch von Peter Lynch filterte er nach niedrigem P/E-Ratio und landete bei chinesischen Aktien.
- Ein P/E-Ratio von 2 war dort die übliche Bewertung und kein Zeichen für steigende Kurse.
- Später lernte er, dass Unternehmenszahlen in China weniger streng kontrolliert werden.
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RätAuswahlPrüfen, ob der Markt die These abbildet Seine Lehre aus dem DAX-Short: erst im Detail prüfen, ob der gehandelte Markt die These überhaupt abbildet. Die DAX-Konzerne verdienen großteils international, der MDAX lief so, wie er es erwartet hatte.
Zitat & Begründung
„muss sich im Detail mit den Sachen beschäftigen und man muss auch verstehen, warum man überhaupt an der Stelle Geld verdienen muss“ ▶ 35:26
- Die großen DAX-Konzerne verdienen ihre Gewinne großteils international.
- Der MDAX bildet die deutsche Wirtschaft besser ab und lief so, wie er es erwartet hatte.
- Ohne Verständnis, warum ein Trade Geld verdienen muss, bleibt für ihn nur Hoffnung.
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RätAuswahlDort suchen, wo keiner hinschautKlare Aussage Seine Regel für die Suche nach Ineffizienzen: „schaut nicht dorthin, wo alle hinschauen, sondern schaut euch die unpopulären Themen an“. Bei Bitcoin ist alles durchoptimiert, in unpopulären Instrumenten nicht.
Zitat & Begründung
„schaut nicht dorthin, wo alle hinschauen, sondern schaut euch die unpopulären Themen an“ ▶ 1:45:54
- Bei Bitcoin ist für ihn alles durchoptimiert.
- In unpopulären Instrumenten handeln oft primitive Roboter, deren Muster sich erkennen lassen.
- Dort sieht er Preisunterschiede von einigen Prozentpunkten.
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TabuRisikoKeine Arbitrage über getrennte Konten Ein Arbitrage-Trade zwischen Gold auf einer Krypto-Börse und einem CFD-Broker ging schief, nicht weil die Idee falsch war, sondern weil er das Geld nicht schnell genug zwischen den Plattformen verschieben konnte.
Zitat & Begründung
„dass ich einfach keine Zeit hatte das Geld richtig zu überweisen“ ▶ 1:52:44
- Der Goldpreis stieg über Nacht sprunghaft und ein Bein des Trades lief schnell ins Minus.
- Wird ein Bein liquidiert, bleibt das andere offen, weil er es manuell schließen muss.
- Den Ansatz verfolgt er nicht weiter, die Infrastruktur ist ihm zu komplex.
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RegelRisikoErst das Risiko, dann der ProfitKlare Aussage Sein Satz für den Bildschirm: „Follow the plan, control the risk.“ Sein Ausgangspunkt ist die Frage, was er bereit ist zu riskieren, und nicht der Profit.
Zitat & Begründung
„Es ist nie der Profit, den ich mir vorstelle, sondern es ist immer die Frage, was riskiere ich hier“ ▶ 2:06:56
- Ein Regelwerk nützt nichts, wenn man die Emotionen spielen lässt.
- Er will eiskalt und emotionslos nach dem gesetzten Plan handeln.
- Die Sicht vom Risiko her hilft ihm auch im Alltag, etwa bei der Wohnungssuche.
Meinungen von Michael Pisnyachevskiy aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Wie Michael Pisnyachevskiy sich vom Heiligen Gral verabschiedet hat
Am Anfang stand pures Trial and Error. Michael Pisnyachevskiy arbeitete sich durch RSI, Trendlinien und verschiedenste YouTube-Strategien, oft parallel auf Englisch und Russisch recherchiert, ohne roten Faden. Nach einem Umweg über Value Investing mit Peter Lynchs „One Up on Wall Street“ und einem enttäuschenden Ausflug in chinesische Aktien kehrte er zum Day Trading zurück, diesmal mit einer makroökonomischen These zum DAX im Rücken. Auch das führte nicht zum erhofften Ergebnis.
Den eigentlichen Wendepunkt beschreibt Michael Pisnyachevskiy im Zusammenhang mit einem Trader aus Schweden, der stark auf Breakout-Trading setzt und gerade an All-Time-Highs kauft. An einem konkreten Setup erkannte er, dass er die Strategie zwar für statistisch sinnvoll hielt, sich aber psychologisch nicht traute, sie umzusetzen. Danach beschäftigte er sich intensiv mit Trend Following, unter anderem anhand eines rund 800 Seiten starken Buchs zum Thema, testete moving-average-basierte Systeme und einen selbstgebauten Trading-Roboter, der Signale von TradingView an seinen Broker weiterleitete. Dabei lernte er auch eine typische Falle kennen, nämlich Backtests mit sogenannten Lagging Indicators, die im Rückblick viel zu gut aussehen.
Schließlich kaufte er seinen ersten Kurs überhaupt, zum Thema Elliott Waves, nachdem er ein oder eineinhalb Jahre zuvor auf TradingView noch eine Elliott-Wave-Prognose für den DAX bei 20.000 Punkten als Blödsinn kommentiert hatte. Parallel begann er, im Kryptomarkt gezielt nach Ineffizienzen bei wenig beachteten Instrumenten zu suchen, und stieß dabei auf Arbitrage zwischen verschiedenen Plattformen. Bei einem Gold-Future auf einer Kryptobörse sah er rund drei bis vier Prozent Abstand zum Gold-CFD seines Brokers, ging auf der einen Plattform long und auf der anderen short. Über Nacht schoss der Preis hoch, und die Short-Seite wurde liquidiert, bevor er Geld von einem Konto auf das andere überweisen konnte.
So funktioniert Michaels Elliott-Waves-Strategie
Der aktuelle Ansatz von Michael Pisnyachevskiy kombiniert fundamentale Aktienauswahl mit Elliott Waves als Timing-Werkzeug für den Einstieg. Zunächst sucht er fundamental starke Unternehmen, unter anderem über Kennzahlen wie das Price-to-Sales-Ratio im Verhältnis zur Wachstumsrate des Unternehmens. Erst danach setzt er die Elliott-Wave-Analyse ein, um zu bestimmen, in welcher Phase einer Bewegung sich der Kurs gerade befindet.
Dabei sucht er gezielt nach Impulswellen, also den Bewegungen, die einen neuen Trend einleiten. Lassen sich die Puzzlesteine im Chart so zusammensetzen, dass als nächste Bewegung ein Impuls zu erwarten ist, sucht er einen Einstieg, sonst lässt er die Aktie aus. Elliott Waves allein reichen ihm nicht aus, sie liefern oft zwei mögliche Szenarien, ein bullishes und ein bearishes. Erst die Kombination mit einem fundamental überzeugenden Unternehmen macht aus seiner Sicht ein Setup handelbar. Als nächste Kapitel nennt Michael Pisnyachevskiy Optionen und Rohstoff-Futures, Optionen ausdrücklich deshalb, weil sie nicht lineare Instrumente sind und sich damit Risk-Reward-Verhältnisse von 1 zu 10 konstruieren lassen, die mit normalen Aktien nicht erreichbar sind.
Michael Pisnyachevskiy als Trader zwischen Disziplin, Zweifel und Risikodenken
Was Michael Pisnyachevskiy im Gespräch besonders auszeichnet, ist seine Offenheit über eigene Fehlschläge, von der voreiligen China-Aktien-Wette bis zum gescheiterten Arbitrage-Trade. Statt sie zu beschönigen, leitet er daraus konkrete Lehren ab und betont immer wieder, dass Disziplin und ein klares Regelwerk für ihn wichtiger geworden sind als jede einzelne Strategie. Den größten Unterschied zu früher sieht er im Impuls, den er sich abtrainiert hat: „ich muss nicht sofort in den Chart springen und was testen, sondern zuerst überlege ich mir genau, habe ich jetzt einen konkreten Case, warum ich jetzt Geld verdienen muss. Und wenn ich diesen konkreten Case nicht habe, dann mache ich es nicht.“
Diese Denkweise überträgt Michael Pisnyachevskiy inzwischen auch auf Entscheidungen abseits der Märkte. Bei der Wahl seines Mietvertrags rechnete er das Risiko eines vorzeitigen Auszugs gegen die Kaution auf (eine Monatsmiete) und entschied sich bewusst für den 12-Monats-Vertrag. Am Ende des Gesprächs bleibt er ein Suchender. Für eine mögliche zweite Folge kündigt er an, dann über die Ansätze zu sprechen, die tatsächlich funktioniert haben.
Was das für dich heißt
Michael Pisnyachevskiy hat jahrelang nach der perfekten Strategie gesucht. Heute hilft ihm vor allem, was er sich abgewöhnt hat:
- Er handelt nur, wenn er vorher einen konkreten Grund für den Trade benennen kann. Könntest du vor deinem nächsten Trade in einem Satz sagen, warum du ihn machst?
- Er fängt beim Risiko an und fragt sich zuerst, wie viel er bei einem Trade zu riskieren bereit ist. Weißt du vor dem Einstieg, wie viel du bei diesem Trade verlieren darfst?
- Er hat die Auswertungen seines Brokers genau gelesen und dort gesehen, dass er Verluste aussaß und Gewinne zu früh mitnahm. Wann hast du zuletzt deine eigenen Trades ausgewertet und nicht nur auf den Kontostand geschaut?
Seine Positionen
Welche Anlagen Michael Pisnyachevskiy im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im Februar 2026).
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HältMSCI-World-ETFMarktrendite mitnehmen1:58:35 Zitat
„Also ich habe mich langsam angefreundet, auch einfach längerfristig zu investieren“
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HältFundamental starke EinzelaktienEinstieg über Elliott-Wellen1:33:27 Zitat
„Es gibt aber einige Positionen, die ich mit diesem Ansatz eröffnet habe, die gut funktionieren“
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MeidetBitcoinfür Ineffizienzen uninteressant1:41:33 Zitat
„dass man einfach dorthin schaut, wo die meisten nicht hinschauen, also Bitcoin bewusst ignoriert. Das ist für mich uninteressant.“
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MeidetChinesische Aktienseit dem KGV-Fehlkauf33:10 Zitat
„später habe ich auch gelernt, dass es in China nicht so strenge Kontrollen gibt“
Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Buchtipps von Michael Pisnyachevskiy
Buchtipps aller Gäste →Weitere Folgen
Alle Folgen ansehen →Michael Pisnyachevskiy begann mit dem Trading noch in der Schule, ungefähr in der siebten Klasse Gymnasium. Ursprünglich wollte er als Freelancer arbeiten, stellte aber fest, dass der Einstieg dort schwieriger war als gedacht, und stieß so auf das Trading.
Aus den Kommentaren
Mehr Erfahrungen →interessante Reise auf der Suche nach dem heiligen Gral, dies zeigt, dass es nicht so einfach ist 🙌
Begriffe aus dieser Folge
Profis antworten
Lies, was Michael Pisnyachevskiy dazu sagt, neben den Antworten der anderen Profis:
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