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Begriff · Investment

Was ist ein ETF?

ETF: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.

Kurz erklärt

Ein ETF ist ein börsengehandelter Investmentfonds, der meist einen Index wie den MSCI World oder den DAX nachbildet. Mit einem einzigen Kauf erhält man Anteile an vielen Unternehmen auf einmal. ETFs sind in der Regel deutlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds und lassen sich wie eine Aktie jederzeit während der Börsenzeiten kaufen und verkaufen.

Definition von ETF

Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Investmentfonds, der an der Börse gehandelt wird. Die meisten ETFs sind passiv: Sie versuchen nicht, den Markt zu schlagen, sondern bilden einen Index möglichst genau nach, etwa den MSCI World, den S&P 500 oder den DAX. Deshalb werden sie oft auch Indexfonds genannt.

Der Vorteil liegt in der breiten Streuung zu geringen Kosten. Ein ETF auf den MSCI World enthält weit über 1.000 Unternehmen aus Industrieländern. Die laufenden Kosten (TER, Total Expense Ratio) liegen bei großen Welt-ETFs meist zwischen 0,1 und 0,3 Prozent pro Jahr, bei aktiv gemanagten Aktienfonds oft bei 1,5 Prozent und mehr.

Rechtlich ist ein ETF wie andere Investmentfonds ein Sondervermögen. Geht die Fondsgesellschaft pleite, bleibt das Geld der Anleger davon getrennt. Das Marktrisiko bleibt aber: Fällt der Index, fällt auch der ETF.

Wie ist ein ETF aufgebaut und was kostet er?

Ein ETF bildet seinen Index auf zwei Arten nach. Bei der physischen Replikation kauft der Fonds die Aktien des Index tatsächlich, entweder alle oder eine repräsentative Auswahl (Sampling). Bei der synthetischen Replikation hält der Fonds einen anderen Wertpapierkorb und tauscht dessen Wertentwicklung über einen Swap mit einer Bank gegen die Indexrendite.

Damit der Börsenkurs nahe am Wert der enthaltenen Aktien bleibt, gibt es Market Maker und sogenannte Authorized Participants. Weicht der Kurs vom Nettoinventarwert ab, können sie neue Anteile schaffen oder zurückgeben und so die Lücke schließen.

Die laufenden Kosten wirken klein, summieren sich aber über lange Zeiträume. Ein Beispiel mit 10.000 Euro Einmalanlage und angenommenen 6 Prozent Wertentwicklung pro Jahr vor Kosten:

Anlagebetrag10.000 €
Angenommene Wertentwicklung vor Kosten6 % pro Jahr
Anlagedauer20 Jahre
Endwert bei 0,2 % Kosten (ETF)rund 30.900 €
Endwert bei 1,5 % Kosten (aktiver Fonds)rund 24.100 €
Unterschiedrund 6.800 €

Vereinfacht gerechnet mit 5,8 und 4,5 Prozent Wertentwicklung pro Jahr nach Kosten. Die Annahme ist ein Rechenbeispiel und keine Prognose. Einen weiteren Unterschied macht die Verwendung der Dividenden: Ausschüttende ETFs zahlen sie aus, thesaurierende legen sie automatisch wieder an.

ETF in der Praxis

Für viele Privatanleger ist ein breiter ETF der einfachste Weg, mit dem Markt zu gehen, statt einzelne Aktien auszuwählen. Oft geschieht das per Sparplan mit einem festen Betrag jeden Monat.

Worauf erfahrene Anleger bei ETFs achten:

  • Breite Streuung: Ein Welt-ETF verteilt das Geld auf viele Länder, Branchen und Unternehmen. Das senkt das Risiko einzelner Pleiten, schützt aber nicht vor Kursrückgängen des ganzen Marktes.
  • Kosten: Neben der TER zählen der Spread beim Kauf und die Ordergebühren. Bei ETFs auf denselben Index sind die Kosten oft der wichtigste Unterschied.
  • Klumpenrisiko in großen Indizes: Große Indizes sind nach Börsenwert gewichtet. Im MSCI World machen US-Aktien rund 70 Prozent aus, im S&P 500 entfiel auf die zehn größten Werte zuletzt mehr als ein Drittel. Wer einen Welt-ETF kauft, hängt deshalb stark von wenigen großen Technologiekonzernen ab.
  • Themen-ETFs: ETFs auf enge Trends sind deutlich weniger gestreut und schwanken oft ähnlich stark wie Einzelaktien.
  • Replikation und Ausschüttung: physisch oder synthetisch, ausschüttend oder thesaurierend. Das beeinflusst Kosten, Steuern und das Risiko gegenüber dem Swap-Partner.

Ein ETF nimmt die Auswahl der Aktien ab, nicht die Frage, wie viel Schwankung man aushält. In großen Krisen sind auch breite Indizes um 30 bis 50 Prozent gefallen.

ETF bei [Bulle & Mensch]

Für viele unserer Gäste ist der ETF die ehrliche Messlatte. David Pieper sagt: Wer keinen Marktvorteil hat, sollte nicht traden, sondern einen ETF kaufen. Bernhard Mitterlehner handelt mit seiner Trendstrategie inzwischen fast nur noch ETFs auf ganze Märkte, weil sie weniger Störfaktoren haben als Einzelaktien.

Andere sehen die Grenzen. Hendrik Leber vergleicht einen Index-ETF mit einer Wurst, in der gute und schlechte Firmen ohne Qualitätsfilter stecken. André Doerk hat eine Hassliebe zu ETFs: Sie bringen schnell Streuung, aber man kauft automatisch viele Aktien mit, die man gar nicht will, und ist immer bei den größten Titeln dabei. Und Marcel Urban, der beruflich ETFs gegeneinander handelt, erklärt, dass ein ETF nicht wie eine Aktie funktioniert, sondern über Market Maker nahe am Wert der enthaltenen Aktien gehalten wird.

Was meine Gäste über ETF sagen

Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.

Unterschiedliche Perspektiven

GastAnsatz
Dr. Dr. Rainer ZitelmannMit ETF-Sparplan reich werden nur über Jahrzehnte
Larissa KravitzOhne Zeit für Einzelaktien: breite ETFs
Mirco RecksiekAll-World-ETF als Kern, Satelliten für Risiko
Dr. Hendrik LeberIndex-ETF: alles drin, auch die schlechten Firmen
Christian JagdKein ETF-Gegner: günstig und sofort diversifiziert
André DoerkHassliebe: schnelle Streuung, aber viel Ballast
Marcel UrbanEin ETF funktioniert nicht wie eine Aktie
Paul PleusWenig Zeit? Dann lieber ein breit gestreuter ETF
David PieperOhne Marktvorteil: ETF statt Trading
Torsten MausETF ist long only: fällt der Markt, fällt der ETF
Bernhard MitterlehnerTrendfolge lieber mit ETFs als mit Einzelaktien
Thomas SparkojoteETFs für die Marktrendite, höchstens 20–25 %

Die Aussagen im Wortlaut

Mit ETF-Sparplan reich werden nur über Jahrzehnte

„Deswegen ist reich werden, höchstens dann auf sehr lange Zeit, über Jahrzehnte, wenn man dann mit hoher Spardisziplin zum Beispiel so einen ETF-Sparplan macht, dann geht es sicherlich irgendwie auch.“
Dr. Dr. Rainer Zitelmann Folge 33: Aus 0 Euro wurden 4 Millionen: Wie Rainer Zitelmann gegen den Rat der Bank Vermögen aufbaute 34:24 auf YouTube

Ohne Zeit für Einzelaktien: breite ETFs

„Ein gutes Einzelaktienportfolio ist schon ein bisschen ein Nebenjob zumindest. […] Aber ich glaube, wenn man sich nicht damit sehr intensiv beschäftigen will, ist es besser, man bleibt doch bei breiteren ETFs.“
Larissa Kravitz Folge 32: Kein ETF ist sicher: Warum Larissa Kravitz vor der stillen Marktverzerrung durch ETF-Sparpläne warnt 2:15:15 auf YouTube

All-World-ETF als Kern, Satelliten für Risiko

„Ich habe eine Satellitenstrategie. Also ich habe einen klaren Kern, der eigentlich ganz einfach wirklich nur aus dem Allworld ETF besteht, der den breiten Markt abdeckt. Und dann habe ich für mich Satellitenstrategien, wo ich dann nochmals Risiko etwas verschärfe.“
Mirco Recksiek Folge 29: Bitcoin auf 100 Millionen $? - Seine Prognose schockiert! 1:47:38 auf YouTube

Index-ETF: alles drin, auch die schlechten Firmen

„Und ich sage nur in so einem ETF, das ist wie bei einer Wurst, da ist alles drin. Da ist kein Qualitätsmerkmal drin. Da sind die guten und die schlechten Firmen drin.“
Dr. Hendrik Leber  Folge 28: Vom Warren-Buffett-Jünger zum KI-Investor 43:24 auf YouTube

Kein ETF-Gegner: günstig und sofort diversifiziert

„Ich habe auch nichts gegen ETF, ich investiere selber in ETFs und einen Trend kurzfristig zu spielen oder überhaupt ist ein ETF eine schöne Sache, man hat günstige Spreads, man hat ein günstiges Produkt, man ist sofort diversifiziert.“
Christian Jagd  Folge 22: Ex-Xetra-Händler verrät: So handeln Profi-Trader wirklich 46:32 auf YouTube

Hassliebe: schnelle Streuung, aber viel Ballast

„Ich habe so eine gewisse Hassliebe zu ETFs […]. Mit einem Kauf hat man ein diversifiziertes Portfolio. Man kauft aber eben natürlich auch immer sehr viele Aktien, die man vielleicht gar nicht kaufen möchte, damit automatisch. Und außerdem ist man natürlich immer bei den ganz großen Titeln dabei.“
André Doerk Folge 17: Dividendenfabrik: 8 % Dividende in Märkten, die kaum ein Privatanleger kennt 20:57 auf YouTube

Ein ETF funktioniert nicht wie eine Aktie

„Wie funktioniert eine ETF? Was sind die unterliegenden Mechanismen, die so eine ETF bewegen? Wer investiert in eine ETF? […] Eine ETF funktioniert ja nicht wie eine Aktie an sich, sondern du hast dann quasi mehrere Mechanismen.“
Marcel Urban Folge 16: KI frisst deinen Edge: warum Alpha immer schneller stirbt 22:19 auf YouTube

Wenig Zeit? Dann lieber ein breit gestreuter ETF

„Jetzt im Nachhinein, wo ich mich […] hauptberuflich mit der Börse beschäftige, merke ich eben auch, dass das sehr naiv war, dass ich mit einer halben Stunde am Wochenende meine, irgendwie eine Outperformance hinzukriegen. Ich glaube, dann kann man jedem sagen, da ist es besser, wenn ich einen breitgestreuten ETF kaufe.“
Paul Pleus  Folge 12: +79,7% Rendite bei minimaler Vola: Das 40-Jahre-Börsensystem von Ex-Citibank-Direktor Paul Pleus 26:05 auf YouTube

Ohne Marktvorteil: ETF statt Trading

„Aber wenn ich keinen Marktvorteil habe, sollte ich nicht traden. Dann sollte ich ein ETF kaufen. […] Wenn ich keinen Marktvorteil habe, muss ich mit dem Markt gehen. Dann kaufe ich einen ETF.“
David Pieper Folge 10: Vom Bankanalysten zum Options-Stillhalter: Wie David Pieper mit technischer Analyse ein zweites Börseneinkommen aufbaut 1:50:39 auf YouTube

ETF ist long only: fällt der Markt, fällt der ETF

„Genauso verhält sich es auch mit ETFs. Ein ETF ist ja long only Produkt. Wenn ich einen DAX 40 ETF habe, habe ich die 40 größten Companies Deutschlands da hier in diesem ETF drin. Und wenn der Markt fällt, dann fällt auch mein ETF.“
Torsten Maus  Folge 5: Warum Torsten Maus 95 Prozent aller Kaufsignale konsequent ignoriert 25:42 auf YouTube

Trendfolge lieber mit ETFs als mit Einzelaktien

„Ich handle fast nur noch ETFs, ganze Märkte, weil die viel träger sich bewegen und viel besser vorherzusagen sind als Einzelaktien. Bei Einzelaktien gibt es News, irgendwelche Gerüchte. […] Und da gibt es für mich viel zu viele Störfaktoren.“
Bernhard Mitterlehner  Folge 3: Warum Verluste vermeiden wichtiger ist als Rendite maximieren: Die Momentum-Strategie von Bernhard Mitterlehner 18:43 auf YouTube

ETFs für die Marktrendite, höchstens 20–25 %

„ETFs ist für mich immer nur ein bestimmter kleiner Teil. Ich möchte nur so 20 bis 25 % in ETFs haben. […] Ist natürlich trotzdem beides Aktien als Assetklasse, aber ich differenziere das doch schon noch gern, weil das eine ist schon noch mehr diversifizierter, ich nehme die Marktrendite mit, beim anderen ist es halt ein aktiverer Ansatz, auch alleine mit der Aktienauswahl.“
Thomas Sparkojote  Folge 2: Wie Thomas Sparkojote sein Millionen-Depot mit Optionen zum Cashflow-Motor macht 15:09 auf YouTube
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