Bernhard Mitterlehner ist Finanzmathematiker, selbsterklärter Excel-Nerd - und er hat sich selbst eingestanden, dass seine besten Börsenjahre vor allem Glück waren. Seit 2023 handelt er deshalb nur noch nach einer Momentum-Strategie, die er über 30 Jahre zurückgetestet hat, durch Dotcom-Crash und Finanzkrise. Der Kern seines Ansatzes ist kein Renditeversprechen, sondern eine Untergrenze.
Bernhard Mitterlehner hat Finanzmathematik an der TU Wien studiert und verwaltet über sein öffentliches wikifolio-Profil inzwischen mehr als 650.000 Euro. Was ihn besonders macht: Er rechnet jede Regel selbst in Excel nach und hält sich auch dann daran, wenn sein Bauchgefühl das Gegenteil sagt.
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Jetzt fragenKapitel
- 00:00:00Intro
- 00:04:18Erste Investments & Corona als Wendepunkt
- 00:08:11Bitcoin, Ehang & spekulative Frühphase
- 00:12:44Von Copy Trading zu wissenschaftlichem Momentum
- 00:16:35200-Tage-Linie & Entscheidung nur zum Monatswechsel
- 00:19:2830 Jahre Backtesting: Dotcom & Finanzkrise als Stresstest
- 00:23:43Warum Verluste vermeiden mehr bringt als Rendite maximieren
- 00:28:19Monatslogik vs. tägliches Reagieren (Crash 1987)
- 00:31:21Momentum-Kritik: Herdeneffekt & Marktmechanik
- 00:34:46Politik, Trump & Währungsrisiken
- 00:41:53Sentiment, Emotion & Marktpsychologie
- 00:45:50Saisonalitäten: Gold im Jänner, September-Effekt & Nasdaq im Sommer
- 00:48:23Mischstrategie: Momentum + Saisonalität
- 00:52:03Black-Swan-Vorbereitung: Taiwan, Liquidität & Covid-Learnings
- 00:56:32Wiedereinstieg nur über die 200-Tage-Linie
- 01:00:24Golden Harbor Strategie: Nasdaq, DAX, Europe 50/600
- 01:03:50MSCI World Momentum, Financials & Emerging Markets
- 01:07:30Gold, Silber, Bitcoin & Commodity Index
- 01:10:45Dual Momentum vs. relatives Ranking
- 01:13:44Umschichten in 5%-Schritten & Cash-Management
- 01:17:43Stop-Loss, Marktbeobachtung & Disziplin
- 01:20:13Marktbeobachtung als Training & mentale Entwicklung
- 01:37:48Benchmark: MSCI ACWI IMI & Ziel-Outperformance
- 01:50:10Trenddefinition & Volatilität in negativen Phasen
- 01:51:44Abschlusssatz: "Nie alles auf eine Karte setzen"
Aufnahmedatum: 26.02.2026
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Die wichtigsten Erkenntnisse
- Verluste vermeiden schlägt Rendite maximieren. Wer die großen Drawdowns umgeht, kann den Markt schlagen, ohne je eine Traumrendite gehabt zu haben - in seinen Backtests 10 bis 15 Prozent Maximum Drawdown statt 50 Prozent.
- Die 200-Tage-Linie ist das Signal, nicht das Bauchgefühl: der Durchschnitt der letzten 200 Handelstage, also rund zehn Monate. Fällt ein Markt darunter, wird verkauft; erst über der Linie darf wieder gekauft werden.
- Entschieden wird nur einmal im Monat, genau zum Monatswechsel. Seine Backtests sind da eindeutig - psychologisch hält er es selbst nicht immer durch und gibt das offen zu.
- ETFs statt Einzelaktien: ganze Märkte bewegen sich träger und sind statistisch besser greifbar; bei Einzelaktien stören News und vier Earning Seasons pro Jahr.
- Die 60/40-Messlatte: „wenn 60 % der Entscheidungen richtig sind und 40 % falsch, dann ist man schon bei den aller, allerbesten Leuten dabei.“
- Liquidität ist Grundsatz Nummer eins: kaufen nur, was sich innerhalb von fünf Minuten wieder verkaufen lässt - gelernt im März 2020, als ein Fondsverkauf drei bis vier Werktage brauchte.
- Saisonalität als zweiter, unsicherer Faktor: Gold läuft im Jänner und Februar gut, der September ist historisch der schwächste Monat.
- Outperformance entsteht dort, wo kaum jemand hinschaut: „Out-Performance kannst du erzielen, wenn du etwas machst, was sonst niemand macht.“
Wie Bernhard Mitterlehner seine Momentum-Strategie entwickelt hat
Den Anstoß gab ausgerechnet ein Finfluencer: Mario Lochner aus München stellte eine Momentum-Strategie des Amerikaners Mebane Faber vor. Bernhard Mitterlehner lud sich dessen Papers von 2012 herunter und war überrascht, wie zugänglich sie im Vergleich zum Uni-Stoff waren - "total simpel, total nachvollziehbar". Kurz darauf stieß er auf Gary Antonacci, dessen Bestseller "Dual Momentum Investing" und vor allem dessen Papers er als zweite Quelle nutzte. Aus beidem destillierte er seine eigene Strategie und testete sie an rund 30 Jahren Marktdaten zurück - inklusive Dotcom-Crash 2000 und Finanzkrise 2008.
Der zweite Grund für seine Überzeugung ist ein struktureller: Value-Investing habe an Wirkung verloren, seit es zu viele anwenden. Momentum sei davon nicht betroffen - im Gegenteil, je mehr Menschen einem steigenden Kurs folgen, desto besser funktioniert das Signal. Dass er sich trotzdem nicht immer daran hält, gibt er unumwunden zu: Bei der koreanischen Börse stieg er einmal vorzeitig aus, weil er sie für überbewertet hielt, obwohl sein eigenes Momentum-Signal Halten sagte. Korea stieg weiter.
„Die Zahlen sind intelligenter als ich selbst."
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So funktioniert Bernhard Mitterlehners Momentum-Strategie
Im Zentrum steht die Golden-Harbor-Strategie mit rund 13 Anlageklassen: S&P 500 und Nasdaq, in Europa DAX, Stoxx Europe 50 und Stoxx Europe 600, dazu MSCI World Momentum, MSCI World Financials, Gold, Silber, ein Bitcoin-Anteil von 3 bis 4 Prozent, ein MSCI Japan (teils euro-gehedgt), der Goldman Sachs Commodity Index und Emerging Markets. Bewusst nicht dabei: der MSCI World - er ist ihm für Trend Investing zu träge.
Investiert wird nur in Anlageklassen mit positivem Momentum. Anders als bei Gary Antonaccis absolutem Momentum, das eine Anlageklasse nur gegen sich selbst prüft, nutzt Bernhard Mitterlehner überwiegend relatives Momentum: Er kauft nicht die eine stärkste Anlageklasse, sondern etwa das stärkste Drittel. Umgeschichtet wird in 5-Prozent-Schritten - verkauft er zum Beispiel den Nasdaq zum Jahreswechsel, wandern diese 5 Prozent in Gold, weil dort die Saisonalität passt. Bleibt nur eine einzige positive Anlageklasse übrig, investiert er gar nicht; bleiben zwei, gehen jeweils 20 bis 30 Prozent hinein und der Rest in Cash.
Benchmark ist der MSCI All Country World Index IMI, inklusive Schwellenländern und Small Caps - der Index, den er kaufen würde, wenn er sich überhaupt keine Gedanken machen wollte. Sein Ziel sind ein paar Prozentpunkte Outperformance pro Jahr, im besten Fall zehn, zufrieden wäre er mit fünf. Für gehebelte Varianten gilt bei ihm eine harte Grenze: nie mehr als dreifacher Hebel, und niemals gehebelt investieren, wenn der Trend nicht positiv ist.
Bernhard Mitterlehner als Investor: Selbstzweifel, Disziplin und Geduld
Trotz des mathematisch strengen Ansatzes beschreibt sich Bernhard Mitterlehner als jemanden, der sich permanent selbst überprüft: "Selbstzweifel ist wirklich gut", bescheiden bleiben und immer nach Leuten suchen, die besser sind als man selbst. Dazu kommen seine weiteren Lehren - Einzelaktien weitgehend lassen, weil der Aufwand es nicht wert ist; sich nicht auf Fleiß verlassen, weil harte Recherche an der Börse anders als im Beruf nicht automatisch zu Erfolg führt; und Geduld haben, weil man Erfolg nicht erzwingen, Misserfolg durch breites Streuen aber gut vermeiden kann.
Angst kennt er im Alltag kaum noch. Nervös wird er höchstens von einer offenen fachlichen Frage, die ihn nachts beschäftigt - dann steht er auf und rechnet neue Statistiken. Zwei Ausnahmen benennt er selbst: Im Frühjahr 2025 ging er aus US-Aktien, nicht weil die Zahlen es sagten, sondern weil er Angst hatte - was ihn vor dem Absturz rettete, ihn aber auch den Wiedereinstieg kostete. Und für den Fall, dass China Taiwan angreift, hat er einen fertigen Plan: innerhalb von zehn Minuten raus, und zwar aus allem, weil in einer Panik auch Gold verkauft wird. Sein Satz für den Bildschirmrand fällt entsprechend nüchtern aus: "nie alles auf eine Karte setzen".
Wer ist Bernhard Mitterlehner?
Bernhard Mitterlehner hat Finanzmathematik an der TU Wien studiert, mit Schwerpunkt Wahrscheinlichkeitsrechnung. Beruflich arbeitet er als Consultant für Rückstellungsberechnungen im Versicherungsbereich - das ist sein „Brotberuf“, während das Investieren ihm immer mehr Spaß macht.
Sein erstes Investment tätigte er, bevor er ganz 18 war; seine Mutter musste damals unterschreiben. Über Jahre agierte er wie ein „interessierter Amateur-Investor mit allen Vorteilen und Nachteilen“ - unterm Strich blieb ungefähr eine Sparbuch-Rendite. Mit dem Beginn der Covid-Pandemie 2020 stieg er intensiv ein: Bitcoin, die Lang & Schwarz Bank, der chinesische Flugtaxi-Hersteller Ehang. 2023 gestand er sich ein, dass seine Erfolge zum großen Teil auf Glück aufgebaut waren - und stellte auf einen rein wissenschaftlich begründeten Ansatz um.
Im Zentrum steht die Golden-Harbor-Strategie mit rund 13 Anlageklassen: S&P 500 und Nasdaq, in Europa DAX, Stoxx Europe 50 und Stoxx Europe 600, dazu MSCI World Momentum, MSCI World Financials, Gold, Silber, ein Bitcoin-Anteil von 3 bis 4 Prozent, ein MSCI Japan, der Goldman Sachs Commodity Index und Emerging Markets.
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