Podcast-Gast · Folge 24
Michael Kranich
Michael Kranich führt vier wikifolios strikt nach einem selbst gebauten Excel-System, das Aktien einmal pro Woche nach relativer Stärke bewertet. Eine Börsenampel aus vier Indikatoren entscheidet nur, was mit dem freien Cash passiert.
Über Michael Kranich
Michael Kranich ist gelernter Bankkaufmann und startete mitten in der Finanzkrise 2009 in die Praxis. Sein Handwerkszeug baut er sich selbst in Excel. Seit 2015 handelt er strikt nach seinem eigenen Ampel-System, das mit vier robusten Indikatoren arbeitet: Trendmessung auf einen globalen Weltindex und den S&P 500, Länderbenchmarks, der Gebert-Indikator und die Energiepreis- und Makrodaten von Uwe Lang. Der Wendepunkt kam über einen Bekannten, der ihm den TSI-Brief mit dem Konzept der relativen Stärke zeigte. Ab da wollte er ein klar strukturiertes System. Vorher hatte er mit Faktor-Zertifikaten auf den DAX mit zehn-, zwanzig- und dreißigfachem Hebel deutlich Lehrgeld bezahlt. Sein Credo heute: Man muss nicht dauernd im Markt sein, sondern genau an den richtigen Tagen.
So investiert Michael Kranich
Aus dem Gespräch in Folge 24 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Er handelt Aktien aus den USA, Europa und Deutschland. Je ein wikifolio deckt den S&P 500, den Stoxx 600 und den deutschen Prime Standard mit rund 300 Werten ab. Im vierten arbeitet er mit Knock-out-Zertifikaten auf Werte aus DAX, MDAX und SDAX.
„Ich damit Hebel agiere hier mit Knockout-Zertifikaten, wo ich dann nur auf die Werte von DAX, MDAX und SDAX gehe“
▶ Folge 24 · 6:43
Auswahl und Einstieg
Das System scannt jeden Einzelwert auf relative Stärke, gemessen am eigenen Kursverlauf, an der Benchmark und in Landeswährung. Gekauft wird der Wert mit Kaufsignal ganz oben, wenn Cash da ist und die Ampel grün oder gelb steht. Liegen zwei Werte eng beieinander, prüft er die Schlagzeilen auf finanznachrichten.de und lässt Übernahmekandidaten aus.
„Beim Kauf gehe ich tatsächlich vollkommen stur vor und habe nur ein Signal“
▶ Folge 24 · 34:27
Portfolio und Positionsgröße
Jede neue Position startet sofort mit fünf Prozent. Im US-wikifolio lagen im März über 70 Titel, danach behielt er nur die 20 stärksten. Nachgekauft wird erst, wenn wieder fünf Prozent Cash frei sind.
„Deshalb habe ich dann nur noch die Aktien drinnen behalten oder die 20 Aktien drinnen behalten, die die die größte Stärke hatten“
▶ Folge 24 · 21:05
Risiko und Verkauf
Er verkauft nur, wenn eine Aktie selbst Schwäche zeigt, und zwar in vier Stufen. Steht die Ampel auf Rot, kauft er einen Short-ETF auf den Index, höchstens in Höhe der Aktienquote.
„Ich verkaufe nur, weil eine Aktie eine Schwäche bildet in sich selbst, aber nicht, weil eine andere gerade attraktiver erscheint“
▶ Folge 24 · 34:27
Fehler und was daraus wurde
Während der Krim-Krise zeigte seine Ampel Grün, er verkaufte trotzdem alles und ging short. Nach mehrmaligem Hin und Her beschloss er, nur noch nach System zu handeln und Zweifel per Backtest zu klären. Vorher hatte er mit Hebelzertifikaten auf den DAX einen fünfstelligen Betrag verloren.
„hab dann auch alles verkauft im Wiki Folio, bin auf Short gegangen, zwei Wochen später ging es dann wieder leicht bergauf“
▶ Folge 24 · 3:35
Umgang mit Verlusten
Im Corona-Crash fuhr er ohne Absicherung weiter, obwohl er kurz davor war, zu verkaufen. Er hielt am System fest, weil es genau solche Emotionen ausblenden soll.
„Ich habe dem System vertraut, und es war ja dann im Nachhinein doch ganz gut aufgrund dieser fast V-förmigen Erholung“
▶ Folge 24 · 21:05
Arbeitsweise und Werkzeuge
Einmal pro Woche zieht ein Excel-Makro die Kurse aus dem Internet und wertet sie in rund zwei Minuten aus. Dazu schreibt er pro wikifolio eine kurze Zusammenfassung. Jede neue Idee prüft er per Backtest in Excel, meist mit Daten ab 2000, die längste Reihe reicht bis 1976.
„Die Auswertung mache ich einmal in der Woche, die Makros durchlaufen zu lassen, dauert zwei Minuten ungefähr“
▶ Folge 24 · 58:14
Die Börsenampel steuert nur das Cash
Die Ampel kombiniert den Trend eines Weltindex, den Trend der Länderindizes, den Gebert-Indikator und Inflationsindikatoren nach Uwe Lang. Ab zwei grünen Signalen fließt freies Cash in einen S&P-500-ETF, bei einem bleibt es liegen, erst wenn alle vier rot sind, sichert er ab.
„Wenn von diesen vier Indikatoren zwei Indikatoren mindestens oder mehr grün anzeigen, dann ist für mich die Gesamt-Ampel grün“
▶ Folge 24 · 15:09
Börsenbrief nachgebaut statt abonniert
Sein Ansatz stammt aus dem TSI-Börsenbrief des Aktionär. Er baute dessen Ampel und Kaufzeitpunkte in Excel nach, kündigte das Abo und entwickelt das System seitdem selbst weiter.
„nach einer Woche, sage ich, Arbeit, Backtesting, immer wieder hatte ich dann sowohl deren Ampel als auch den Aktienkäufe- und Verkäufe-Zeitpunkte ermitteln können“
▶ Folge 24 · 1:06:05
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Mehr Erfahrungen →Interessantes Interview. Systemtreue, Gelassenheit und Hinterfragen wird belohnt. Technisch stelle ich mir das schwierig vor, der zeitliche Einsatz war sicher auch enorm. Sehr viel Disziplin, Hut ab.
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