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Begriff · Investment

Was ist ein Wikifolio?

Wikifolio: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.

Kurz erklärt

Ein Wikifolio ist ein öffentlich einsehbares Musterdepot auf der gleichnamigen österreichischen Social-Trading-Plattform, das ein Trader nach eigener Strategie führt. Anleger investieren nicht direkt in das Depot, sondern über ein börsengehandeltes Endlos-Indexzertifikat, das dessen Wertentwicklung abbildet. Dafür fallen laufende Gebühren an, zudem tragen Anleger das Emittentenrisiko.

Wikifolio: Definition und Erklärung

Ein Wikifolio ist ein Musterdepot, das ein privater oder professioneller Trader auf der Plattform wikifolio.com öffentlich führt. Die Plattform stammt aus Wien und ging 2012 an den Start. Sie gilt als bekanntestes Angebot für Social Trading im deutschsprachigen Raum: Jeder Kauf und Verkauf, die aktuelle Zusammensetzung und die gesamte Wertentwicklung sind für alle Nutzer nahezu in Echtzeit einsehbar.

Aus dem Musterdepot wird ein Anlageprodukt, sobald zu einem Wikifolio ein Endlos-Indexzertifikat ausgegeben wird. Das Zertifikat bildet den Wert des Musterdepots eins zu eins als Index ab und ist über Banken und Broker handelbar. Anleger kaufen also nicht die Aktien im Depot, sondern eine Schuldverschreibung des Emittenten. Anders als bei einem Investmentfonds ist das Kapital kein Sondervermögen: Wird der Emittent zahlungsunfähig, droht im Extremfall ein Totalverlust, unabhängig davon, wie gut der Trader gearbeitet hat.

Für Anleger fallen neben den üblichen Handelskosten und dem Spread vor allem zwei Gebühren an: eine laufende Zertifikategebühr und eine Performancegebühr, die nur auf neue Höchststände erhoben wird. Ein Teil der Gebühren geht an den Trader. Die genaue Höhe kann sich ändern und steht im jeweiligen Produktinformationsblatt.

Wikifolio: so funktioniert es

Der Weg vom Musterdepot zum handelbaren Zertifikat läuft in mehreren Schritten:

Die Performancegebühr folgt dem Prinzip der Hochwassermarke (High Water Mark): Sie wird nur auf Wertzuwächse über den bisherigen Höchststand fällig. Ein vereinfachtes Beispiel mit Indexpunkten:

Bisheriger Höchststand120 Punkte
Rückgang auf (hier kauft ein neuer Anleger)105 Punkte
Erholung auf125 Punkte
Zuwachs seit dem Kauf20 Punkte
Gebührenpflichtiger Zuwachs5 Punkte (nur über 120)

Wer zu einem späteren Zeitpunkt einsteigt, zahlt also nicht erneut auf Gewinne, die nur einen früheren Verlust aufholen. Die Zertifikategebühr wird dagegen laufend und unabhängig von der Wertentwicklung berechnet.

Wikifolio in der Praxis

Für Trader ist ein Wikifolio ein öffentlicher Track Record. Jede Entscheidung ist dokumentiert, schönfärben lässt sich nichts. Das macht angreifbar, schafft aber Glaubwürdigkeit. Manche Trader nutzen das Wikifolio als Vorstufe zu einem eigenen Fonds, andere als Lösung für Freunde und Familie, die mitinvestieren wollen. Sobald fremdes Geld im Zertifikat steckt, verändert sich die Rolle: Aus dem Hobby wird eine Art Vermögensverwaltung, und die Ranglisten der Plattform und die Mittelzu- und -abflüsse erzeugen eigenen Druck.

Für Anleger zählen vor allem Transparenz und Kosten. Ein guter Track Record zeigt die Vergangenheit, garantiert aber keine künftige Rendite. Vor einer Investition prüfen erfahrene Anleger unter anderem:

Wikifolio bei [Bulle & Mensch]

Viele Gäste führen selbst Wikifolios und schätzen vor allem die Transparenz. Bernhard Mitterlehner beschreibt, dass jeder die Trades fast in Echtzeit sehen kann, und verfolgt selbst die Depots anderer Trader als Inspiration. Christian Jagd nennt die Plattform ein interessantes Spielfeld, um zu sehen, wie andere gerade aufgestellt sind, auch wenn Börse für ihn sonst etwas Geheimniskrämerisches hat. Für Philipp Haas war Wikifolio der Weg zu einem Track Record auf dem Weg zum eigenen Fonds, Christoph Gum nutzt das Wikifolio-Universum als Testfeld für neue KI-Agenten. Stefan Meißner hält Wikifolio für eine großartige Innovation mit Schwachpunkten.

Mehrfach geht es um Verantwortung und Druck. Paul Pleus startete 2012 mit Wikifolio, damit Familie und Freunde investieren können, und spricht bei den heutigen Summen von einer Riesenverantwortung. Nico Schulze sieht sich als hobbymäßiger Asset Manager, dem die Anonymität der Anleger Druck nimmt. Stefan Meißner erlebte im Zollcrash 2025 die größten Abflüsse aus seinem Wikifolio und schließt daraus, dass viele, die schnell kommen, auch schnell panisch werden. Michael Kranich erhöhte die Gewichtung pro Aktie, um bei den Wikifolios vorne mitspielen zu können. Kritische Punkte nennen Uwe Jännert, der bereut, bei der Anlage Gold und Optionsscheine nicht freigeschaltet zu haben, und Larissa Kravitz, die ein eigenes Wikifolio erst ab einem Volumen von 20 bis 30 Millionen für wirtschaftlich sinnvoll hält und auf die Einschränkungen bei der Werbung verweist.

💬 Was unsere Gäste über Wikifolio sagen

Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.

Unterschiedliche Perspektiven

GastAnsatz
Larissa KravitzRechnet sich erst ab großem Volumen
Stefan MeißnerAbflüsse im Crash: schnelles Geld, schnelle Panik
Philipp HaasTrack Record als Weg zum eigenen Fonds
Michael KranichEigenes System für andere öffnen
Christoph GumWikifolio als Testlabor für KI-Strategien
Christian JagdDie Konkurrenz als Lernquelle
Paul PleusLösung für Familie und Freunde, große Verantwortung
Uwe JännertAnlageuniversum früh festlegen
Torsten MausTeam-Screening, aber alleinige Entscheidung
Nico SchulzeVom Musterdepot zum Hobby-Asset-Manager
Bernhard MitterlehnerVolle Transparenz, Inspiration statt Kopie

Die Aussagen im Wortlaut

Rechnet sich erst ab großem Volumen

„Ich weiß, es gibt einige Wikifolio-Trader, die gut unterwegs sind, die dann auch gut davon leben können, was man sich ausrechnen kann, einfach anhand des Volumens. […] Und Wikifolio hat ja das Thema, das rechtliche Thema, dass man das Wikifolio schwer oder nicht bewerben darf.“
Larissa Kravitz Folge 32: Kein ETF ist sicher: Warum Larissa Kravitz vor der stillen Marktverzerrung durch ETF-Sparpläne warnt ▶ 1:05:50 auf YouTube

Abflüsse im Crash: schnelles Geld, schnelle Panik

„Am Montagmorgen ging es nochmal richtig steil runter. Also nochmal 7, 8 Prozent. Und da, glaube ich, hatte ich die größten Abflüsse aus meinem Wikifolio, die ich hier hatte. Das hat mir gezeigt, dass doch viele, die schnell kommen, auch schnell panisch werden.“
Stefan Meißner Folge 27: Nie in Cash: Wie Stefan Meißner mit seinem Yield-Investing-System die Börse schlägt ▶ 1:14:08 auf YouTube

Track Record als Weg zum eigenen Fonds

„Man braucht einerseits einen Track Record. Deswegen habe ich da auch mit Wikifolio […] die Idee, einen Track Record aufzubauen. Auf der anderen Seite müssen Leute halt auch […] deinen Stil verstehen.“
Philipp Haas Folge 25: Warum dieser Fondsmanager auf Gehalt verzichtet und nur verdient, wenn seine Anleger verdienen ▶ 24:34 auf YouTube

Eigenes System für andere öffnen

„Ich habe mir dann irgendwann gedacht, naja, jetzt habe ich ja so ein System, warum können nicht andere davon profitieren bzw. warum kann ich mir nicht auch etwas einfacher machen?“
Michael Kranich Folge 24: So schlägt er mit Excel den Markt – dank diesem Ampel-System ▶ 1:14:13 auf YouTube

Wikifolio als Testlabor für KI-Strategien

„Für uns ist das Wikifolio-Universum ein Test. Für kleine Produkte, wo kleines Geld drin ist, da testen wir auch gern. Wir testen neue Agenten […].“
Christoph Gum Folge 23: Ex-Private-Banker verrät: Das machen Reiche im Crash ▶ 1:36:44 auf YouTube

Die Konkurrenz als Lernquelle

„Wikifolio selbst ist ein unheimlich interessantes Spielfeld, weil man kann ja auch wunderbar gucken, wie managen denn die anderen das jetzt gerade. Oder ich bin jetzt in der Situation, wo ich vielleicht denke, okay, jetzt mache ich gerade keine so tolle Performance: Wo sind die anderen jetzt aufgestellt, was habe ich vielleicht übersehen?“
Christian Jagd Folge 22: Ex-Xetra-Händler verrät: So handeln Profi-Trader wirklich ▶ 1:57:02 auf YouTube

Lösung für Familie und Freunde, große Verantwortung

„Im August 2012 habe ich mein erstes Wikifolio aufgemacht. […] Weil ich kann nicht allen meinen Freunden oder Verwandten immer sagen, jetzt musst du einsteigen, jetzt musst du verkaufen. Das geht nicht. So dafür war Wikifolio eben die super Lösung. […] Das ist aber wie gesagt mit diesen Summen schon eine Riesenverantwortung.“
Paul Pleus Folge 12: +79,7% Rendite bei minimaler Vola: Das 40-Jahre-Börsensystem von Ex-Citibank-Direktor Paul Pleus ▶ 1:46:45 auf YouTube

Anlageuniversum früh festlegen

„Ich habe einen Fehler gemacht in meinem Wikifolio. Das ist wirklich eine Sache, die ich auch bereue, aber ich kann es jetzt nachträglich nicht mehr ändern. Ich hätte mir gerne noch Gold freischalten lassen und im Nachhinein auch Optionsscheine, damit ich dann mit fallenden Kursen mal etwas machen kann.“
Uwe Jännert Folge 8: Vom Hebelkönig zum defensiven Nebenwerte-Strategen: Wie Uwe Jännert 37 Jahre an der Börse überlebt hat ▶ 1:49:02 auf YouTube

Team-Screening, aber alleinige Entscheidung

„Ich habe die Hoheit über das Wikifolio, bin derjenige, der mit meinem Namen dahinter steht. […] Also ich als Manager des Wikifolios, ich treffe die Entscheidung, ob eine Aktie ins Trendsurfer-Wikifolio aufgenommen wird oder eben nicht. Aber das Screening ist ein Team.“
Torsten Maus Folge 5: Warum Torsten Maus 95 Prozent aller Kaufsignale konsequent ignoriert ▶ 1:36:41 auf YouTube

Vom Musterdepot zum Hobby-Asset-Manager

„In diesem Moment wird man halt, wenn dort anfangen Leute wirklich dieses Zertifikat zu kaufen, zu einem erst mal hobbymäßigen Asset Manager. […] Letzten Endes ist alles anonym, wer das kauft. […] Es kann mich auch keiner anrufen und sagen, was hast du nur gemacht? Du hast mein ganzes Geld versenkt.“
Nico Schulze Folge 4: Wie Nico Schulze nach 70 Prozent Depotverlust ein 4-Millionen-Euro-wikifolio aufgebaut hat ▶ 1:10:35 auf YouTube

Volle Transparenz, Inspiration statt Kopie

„Wikifolio ist wirklich insofern ganz toll, weil jeder, der sich einloggt, […] kann von allen fast real-time sehen, was sie machen. Das heißt, rein theoretisch kann man alles kopieren, wenn man sich die Zeit nimmt dafür. […] Man kann sich aber einfach nur Inspirationen holen.“
Bernhard Mitterlehner Folge 3: Warum Verluste vermeiden wichtiger ist als Rendite maximieren: Die Momentum-Strategie von Bernhard Mitterlehner ▶ 1:33:04 auf YouTube

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