Podcast-Gast · Folge 8
Uwe Jännert
Uwe Jännert verbindet Bilanzlektüre und Hauptversammlungen bei deutschen Nebenwerten mit Momentum und Charttechnik. Sein Ziel sind solide 10 Prozent im Jahr ohne tiefe Rückschläge, spätestens bei minus 20 Prozent verkauft er.
Über Uwe Jännert
Uwe Jännert kaufte seine erste Aktie 1988 mit 14 Jahren von seinem Konfirmationsgeld: ein Papier der Düsseldorfer Privatbank Trinkaus & Burkhardt. Über eine Bankausbildung kam er Mitte der 90er Jahre in die Wertpapierberatung. Heute managt er seit 2017 das wikifolio „BaumbergMomentum*“ mit Fokus auf deutsche Nebenwerte (MDAX, SDAX).
So investiert Uwe Jännert
Aus dem Gespräch in Folge 8 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Er handelt deutsche Aktien, vor allem aus MDAX, SDAX und Prime Standard, ab und zu auch DAX-Werte. Deutschland ist sein Kernland, Europa kommt dazu. Außerdem nutzt er Sondersituationen wie Übernahmen, Beherrschungsverträge und Squeeze-outs.
„Meine Kernkompetenz ist eben MDAX, SDAX oder Prime Standard. Das sind die Sachen, wo ich mich am besten auskenne“
▶ Folge 8 · 1:23:03
Haltedauer
Er ist kein Daytrader. Ein kurzfristiger Trade dauert bei ihm eine Woche, sonst will er langfristige Trends erkennen und laufen lassen. Statt Gewinne mitzunehmen, zieht er lieber den Stopp nach.
„weil ich kein Day Trader bin, sondern bei mir ein kurzfristiger Trade ist eine Woche und das ist schon wirklich sehr kurzfristig.“
▶ Folge 8 · 1:30:36
Auswahl und Einstieg
Auslöser sind Zahlenmeldungen sowie Insiderkäufe oder -verkäufe ab etwa 100.000 Euro. Dann prüft er Geschäftsbericht, Cashflow, Konferenznotizen und Chart und wartet auf einen weiteren Katalysator. Den Einstiegskurs sucht er an Trendlinien und Böden im Wochenchart.
„wenn jemand es für 100.000 Euro kauft oder verkauft, schaue ich es mir auch näher an.“
▶ Folge 8 · 1:18:12
Portfolio und Positionsgröße
Eine neue Position ist in der Regel höchstens 5 Prozent groß, bei Sondersituationen auch 6 oder 7 Prozent. Ist er sich nicht ganz sicher oder gibt der Markt nicht mehr her, beginnt er mit 2 bis 3 Prozent.
„in der Regel kaufe ich eine Positionsgröße von maximal 5%. Kann auch manchmal 6 oder 7 sein bei Sondersituationen“
▶ Folge 8 · 1:26:18
Risiko und Verkauf
Spätestens bei minus 20 Prozent verkauft er, meist früher. Die eigentlichen Stopps setzt er nach Unterstützungen und Widerständen im Wochen- und Tageschart und zieht sie fast täglich nach. Sie gelten nur zwischen 9 und 17.30 Uhr, abends entscheidet er selbst.
„Und deshalb verkaufe ich in der Regel immer wenn ich bei minus 20 Prozent bin“
▶ Folge 8 · 38:17
Fehler und was daraus wurde
Vor etwa 20 Jahren verlor er mit einem Ölfuture sein gesamtes Geld. Er erkannte, dass er kein Futures-Händler ist, sparte neu an und baute wieder klein auf. Im wikifolio bereut er, Gold und Optionsscheine für fallende Kurse nicht freigeschaltet zu haben.
„Ich war nämlich auch einmal pleite, wo ich mit einem Ölfuture gezockt habe. war dann praktisch das gesamte Geld weg“
▶ Folge 8 · 1:54:09
Umgang mit Verlusten
Hoffnung ist für ihn kein Grund, eine Position zu halten. Die Seitwärtsphase nach 2021 nennt er seine miesesten vier Jahre im Trading. Geholfen haben Spaziergänge am Rhein, Sauna und Gespräche im engen Kreis darüber, was an seinem Setup falsch war.
„Spätestens, wenn die Hoffnung das einzige ist, das du setzen kannst, musst du leider verkaufen, so brutal es ist.“
▶ Folge 8 · 38:48
Arbeitsweise und Werkzeuge
Er sieht sich rund 50 Unternehmen pro Woche an und liest etwa 150 Geschäftsberichte im Jahr. Sein Tagesgeschäft erledigt er an einem Laptop mit einem Bildschirm. Er führt ein Trading-Tagebuch und stellt zum Jahresende eine private Bilanz wie ein Geschäftsbericht auf.
„Ich schaue mir in der Regel 50 Unternehmen die Woche an.“
▶ Folge 8 · 1:16:55
Hauptversammlungen als Recherche
Bei größeren Positionen geht er mit mindestens zehn vorbereiteten Fragen zur Hauptversammlung und meldet sich sofort am Rednerpult. Am wichtigsten ist ihm die Fünf-Jahresplanung und ob der Vorstand frühere Planungen eingehalten hat.
„Wenn ich selber eine größere Position habe, ich meistens mindestens 10 Fragen schon ausgearbeitet und gehe sofort zum Rednerpult“
▶ Folge 8 · 54:39
Gegenargumente aus dem engen Kreis
Jede neue Idee bespricht er mit zwei oder drei Vertrauten und sucht dabei gezielt Einwände. Stimmen alle zu, wird er misstrauisch. Kann er eine Gegenfrage nicht beantworten, überlegt er den Verkauf.
„Mir macht nichts mehr Sorgen, als wenn mir jeder sagt, das ist eine gute Idee“
▶ Folge 8 · 1:45:33
Geräuschlos rein und raus
Im wikifolio meidet er zu kleine Werte, damit Zu- und Abflüsse den Kurs nicht bewegen. Ist ein Titel zu eng gehandelt, kauft er lieber eine kleinere Position oder lässt die Chance aus.
„dass du praktisch geräuschlos kaufen und verkaufen kannst, ohne dass der Markt etwas mitbekommt.“
▶ Folge 8 · 1:23:36
Buchtipps von Uwe Jännert
Buchtipps aller Gäste →Kommentare
Mehr Erfahrungen →Danke das ich bei Dir zu Gast sein durfte lg uwe
37 Jahre Markterfahrung sind heute Gold wert. Besonders die ehrlichen Einblicke in die Zeit als ‚Hebelkönig‘ und die daraus gelernten Lektionen sind extrem lehrreich. Danke für dieses bodenständige Interview!
Das war eine sehr spannende und inhaltlich hochwertige Folge. Es hat Spaß gemacht zuzuhören.
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