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Was sind Nebenwerte?
Nebenwerte: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Nebenwerte sind Aktien kleinerer und mittelgroßer börsennotierter Unternehmen, die nicht zu den großen Standardwerten eines Marktes gehören. Dazu zählen Small Caps und Mid Caps, in Deutschland etwa viele Werte aus MDAX und SDAX. Sie werden von weniger Analysten beobachtet und oft weniger gehandelt, was Chancen auf einen Informationsvorsprung, aber auch Liquiditätsrisiken mit sich bringt.
Nebenwerte: Definition und Erklärung
Nebenwerte sind Aktien, die nicht zu den großen Standardwerten, den sogenannten Blue Chips, gehören. Eine feste Grenze gibt es nicht. Üblich ist die Einteilung nach Börsenwert: Small Caps sind kleine Unternehmen, Mid Caps mittelgroße, noch kleinere Firmen heißen Micro Caps. Die Schwellen unterscheiden sich je nach Markt und Indexanbieter.
In Deutschland denkt man bei Nebenwerten meist an Werte aus MDAX und SDAX sowie an kleinere Aktien außerhalb der großen Indizes. Viele davon sind spezialisierte Mittelständler, nicht selten Marktführer in einer Nische.
Nebenwerte gelten als chancenreicher, aber schwankungsanfälliger als große Standardwerte. Kleine Unternehmen können schneller wachsen, hängen aber oft stärker von einzelnen Kunden, Produkten oder Finanzierungen ab.
Nebenwerte: Einteilung und Liquidität
Die gängige Einteilung erfolgt nach der Marktkapitalisierung, also Aktienkurs mal Anzahl der Aktien. Einheitliche Grenzen gibt es nicht, international gilt grob:
| Klasse | Börsenwert (grob) |
|---|---|
| Large Caps | über 10 Mrd. $ |
| Mid Caps | 2 bis 10 Mrd. $ |
| Small Caps | 300 Mio. bis 2 Mrd. $ |
| Micro Caps | unter 300 Mio. $ |
Für deutsche Nebenwerte liegen die Grenzen deutlich niedriger. Neben der Größe zählt die Liquidität: Wie viele Aktien werden täglich gehandelt? Bei wenig Umsatz ist die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs, der Spread, größer, und schon eine größere Order kann den Kurs bewegen.
Ein Beispiel, wie die Liquidität die Positionsgröße begrenzt:
| Tagesumsatz der Aktie | 200.000 € |
|---|---|
| Davon höchstens 10 % | 20.000 € pro Tag |
| Geplante Position | 100.000 € |
| Kaufdauer | 5 Handelstage |
Das ist ein Grund, warum große Fonds viele Nebenwerte meiden: Sie bekommen die Stücke nicht zusammen, ohne den Kurs zu treiben. Für Privatanleger kann daraus ein Informationsvorsprung entstehen, weil weniger Analysten diese Firmen beobachten.
Nebenwerte in der Praxis
Wer in Nebenwerte investiert, braucht mehr eigene Recherche als bei großen Standardwerten. Es gibt weniger Analystenstudien, dafür oft direkten Zugang zum Management, etwa auf Hauptversammlungen und Kapitalmarktkonferenzen.
Worauf es in der Praxis ankommt:
- Liquidität prüfen: Tagesumsatz und Spread zeigen, wie leicht man ein- und wieder aussteigen kann,
- mit Limit-Orders handeln, damit ein dünnes Orderbuch den Kurs nicht verzerrt,
- Bilanz und Verschuldung genau ansehen, denn kleine Firmen haben in Krisen weniger Reserven,
- die Positionsgröße an die Handelbarkeit anpassen, nicht nur an die Überzeugung,
- mit stärkeren Schwankungen rechnen: In Abschwüngen fallen Nebenwerte oft schneller, weil Käufer fehlen.
Ob Nebenwerte langfristig besser abschneiden als große Aktien, ist umstritten. Die sogenannte Size-Prämie wurde in der Forschung lange beschrieben, blieb aber in manchen Phasen aus, etwa in den Jahren nach der Corona-Krise, als große Technologiewerte den Markt anführten.
Nebenwerte bei [Bulle & Mensch]
Für mehrere Gäste von [Bulle & Mensch] sind Nebenwerte das Kerngeschäft. Paul Pleus sieht bei Aktien, die kaum jemand analysiert, einen echten Informationsvorsprung, den er bei Apple nie hätte. Uwe Jännert nutzt, dass er als Privatanleger Werte kaufen kann, die für große Fonds zu illiquide sind. Till Schwalm sucht im Small-Cap-Bereich Qualitätsunternehmen, die er lange begleitet, und Stefan Meißner investiert bevorzugt in Firmen zwischen einer halben und zehn Milliarden Börsenwert, die nicht mehr viele auf dem Schirm haben.
Andere zeigen die Kehrseite. Maximilian Robl erinnert daran, dass in schwachen Märkten der Handel in kleinen Werten fast zum Erliegen kommt und die Kurse schneller fallen. Dirk Siebenhaar mochte deutsche Nebenwerte, fand dort aber zu wenig Volumen für seine Ausbruchsstrategie. Und Larissa Kravitz beobachtet, dass Small Caps seit der Corona-Zeit hinter den großen Werten zurückgeblieben sind.
💬 Was unsere Gäste über Nebenwerte sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Larissa Kravitz | Seit Corona hinken Small Caps hinterher |
| Hendrik Leber | Reine Bewertungsscreens landen oft bei Small Caps |
| Stefan Meißner | Mid Caps: wenig beachtet, aber gute Datenlage |
| Philipp Haas | Small Caps heute günstiger als Large Caps |
| Till Schwalm | Kleine Unternehmen überraschen eher positiv |
| Dirk Siebenhaar | Für Ausbruchs-Trader oft zu wenig Volumen |
| Paul Pleus | Informationsvorsprung, wo keiner hinschaut |
| Maximilian Robl | In schwachen Märkten trocknet die Liquidität aus |
| Uwe Jännert | Vorteil Privatanleger: zu klein für große Fonds |
Die Aussagen im Wortlaut
Seit Corona hinken Small Caps hinterher
„Es hieß ja immer in der Vergangenheit, dass die Small Caps schneller wachsen als die Large Caps. […] Ab der Covid-Zeit haben Large-Caps, Small-Caps outperformed.“
Reine Bewertungsscreens landen oft bei Small Caps
„Wenn ich nur nach solchen Kriterien gehe, wie wir gerade besprochen haben, dann lande ich plötzlich nur noch, da habe ich 60 % japanische Small Caps. Ist ja auch toll, aber dann komme ich häufig in eine Ecke des Kapitalmarktes, die ich interessant finde, aber wo ich nicht unbedingt alles Geld draufsetzen muss.“
Mid Caps: wenig beachtet, aber gute Datenlage
„[…] da finde ich halt mehr bei den kleineren, weshalb viele meiner Investments so zwischen einer halben Milliarden und zehn Milliarden von der Marktkapitalisierung liegen, […] das ist so eine Range, wo dann eben schon nicht mehr viele auf dem Schirm haben, wo man noch ganz gut Daten kriegt.“
Small Caps heute günstiger als Large Caps
„Das kann auch im Large Cap Bereich sein. […] komme noch aus einer Zeit, als Large Caps günstiger waren als Small Caps. Heute ist es umgekehrt.“
Kleine Unternehmen überraschen eher positiv
„[…] kleine Unternehmen kann ich deutlich besser, länger halten, wenn sie gut laufen. […] wenn […] das Momentum mal in einem kleinen Unternehmen drin ist, dann läuft es meistens richtig gut und dann überraschen die mich meistens auf der positiven Seite.“
Für Ausbruchs-Trader oft zu wenig Volumen
„[…] die haben überhaupt nicht das Volumen, das ich brauche, eben zuverlässig solche Ausbrüche zu handeln, weil wenn ein Fonds einen deutschen Nebenwert verkauft, kann der sich eben irrational bewegen […].“
Informationsvorsprung, wo keiner hinschaut
„Wenn ich jetzt eine Apple-Aktie analysieren würde, ich der 25.000. Und ich sehe nicht, wie ich da irgendwie einen Vorteil haben kann gegenüber den 24.999. […] Bei Nebenwerten, die sonst keiner anguckt, habe ich teilweise einen Riesenvorteil, weil sich keiner anguckt und keiner dieses Potenzial sieht.“
In schwachen Märkten trocknet die Liquidität aus
„2022, 2023, […] wo dann eben vor allem in so kleinen Werten das Handelsvolumen auf einmal komplett zum Erliegen kommt […]. Und vor allem bei diesen kleinen, wenn der Markt […] in eine schlechte Phase rutscht, dann haben kleinere Unternehmen extrem Nachteil, weil die Aktienkurse fallen bei denen zum Beispiel schneller.“
Vorteil Privatanleger: zu klein für große Fonds
„Ich kann auch teilweise Werte reinnehmen, die aus meiner Sicht liquide sind, aber die für größere Fonds nicht liquide sind, weil sie einfach gar nicht handeln können, beziehungsweise die kriegen dann gar nicht die Stücke zusammen […].“
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