Begriff · Markt & Wissen
Was ist die Volatilität?
Volatilität: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Die Volatilität ist das Maß dafür, wie stark der Kurs eines Wertpapiers oder Marktes in einem Zeitraum schwankt. Meist wird sie als annualisierte Standardabweichung der Renditen in Prozent angegeben. Hohe Volatilität bedeutet große Kursausschläge in beide Richtungen, niedrige Volatilität ruhige Kurse. Sie gilt als verbreitetes Risikomaß und hat großen Einfluss auf die Preise von Optionen.
Definition von Volatilität
Die Volatilität beschreibt, wie stark und wie schnell sich ein Kurs bewegt, unabhängig von der Richtung. Eine Aktie, die an vielen Tagen 3 Prozent steigt oder fällt, ist volatiler als eine, die sich meist nur um wenige Zehntelprozent bewegt. Umgangssprachlich heißt sie oft kurz Vola.
Man unterscheidet zwei Arten: Die historische Volatilität wird aus vergangenen Kursen berechnet. Die implizite Volatilität ist die Schwankung, die der Optionsmarkt für die Zukunft einpreist. Sie lässt sich aus Optionspreisen ablesen und steigt meist dann, wenn Anleger nervös sind.
Volatilität ist nicht dasselbe wie Verlust. Sie misst Schwankungen nach oben wie nach unten. Trotzdem gilt sie als eines der wichtigsten Risikomaße, weil starke Schwankungen die Gefahr hoher Zwischenverluste erhöhen und Anleger eher zu Fehlentscheidungen verleiten.
Wie berechnet man die Volatilität?
Die Volatilität wird meist als Standardabweichung der Renditen berechnet und auf ein Jahr hochgerechnet. Dafür nimmt man die täglichen Kursveränderungen, bestimmt ihre Standardabweichung und multipliziert sie mit der Wurzel aus der Zahl der Handelstage, rund 252 im Jahr.
| Tägliche Standardabweichung | 1,5 % |
|---|---|
| Handelstage pro Jahr | 252 |
| Wurzel aus 252 | rund 15,9 |
| Annualisierte Volatilität | rund 24 % |
Vereinfacht heißt eine Volatilität von 24 Prozent: In etwa zwei von drei Jahren liegt die Kursveränderung innerhalb von plus oder minus 24 Prozent um den erwarteten Wert. Das setzt eine Normalverteilung voraus, die es an der Börse so nicht gibt. Starke Ausreißer kommen häufiger vor, als die Formel vermuten lässt.
Für ganze Märkte gibt es Volatilitätsindizes. Sie bilden die implizite Volatilität von Indexoptionen für die nächsten 30 Tage ab:
- VDAX-NEW für den DAX,
- VIX für den S&P 500, oft als „Angstbarometer“ bezeichnet.
Grobe Einordnung des VIX:
| Unter 15 | ruhiger Markt |
|---|---|
| 15 bis 30 | normale bis erhöhte Schwankungen |
| Über 30 | nervöser Markt, oft in Krisen |
Volatilität in der Praxis
Für Anleger ist die Volatilität vor allem eine Frage, wie viel Schwankung man aushält. Eine einzelne Aktie mit 40 Prozent Volatilität kann in einem normalen Jahr deutlich stärker fallen als ein breiter Index mit 15 bis 20 Prozent. Wer das vorher weiß, verkauft seltener in Panik.
Typische Anwendungen der Volatilität in der Praxis:
- Stop-Loss-Abstand: Bei schwankungsreichen Werten liegt der Stopp weiter weg, damit normales Rauschen ihn nicht auslöst. Ein bekanntes Maß dafür ist die Average True Range (ATR).
- Positionsgröße: Je volatiler ein Wert, desto kleiner die Position, damit das Risiko pro Trade gleich bleibt.
- Optionen: Die implizite Volatilität hat großen Einfluss auf den Preis. Hohe Volatilität macht Optionen teuer, niedrige macht sie günstiger.
- Marktphasen: Steigende Volatilitätsindizes zeigen Nervosität an. Viele Strategien reduzieren dann das Risiko.
- Kennzahlen: Die Sharpe Ratio setzt die Überrendite ins Verhältnis zur Volatilität und macht Strategien vergleichbar.
Eine niedrige Volatilität ist kein Garant für Sicherheit. Auch ruhige Werte können plötzlich stark fallen, etwa nach einer Gewinnwarnung. Volatilität beschreibt vergangene oder erwartete Schwankungen, aber keine sicheren Grenzen.
Volatilität bei [Bulle & Mensch]
Volatilität taucht bei [Bulle & Mensch] in vielen Gesprächen auf, wird aber sehr unterschiedlich genutzt. Gerd Ackermann und David Pieper denken sie vor allem über Optionen: Gerd Ackermann vergleicht sie mit einer Feuerversicherung, die teuer wird, wenn ringsum Panik herrscht, und David Pieper erklärt, warum die implizite Volatilität im Durchschnitt höher als die tatsächliche ist. Marcel Urban steuert seine Arbitrage-Strategien über Volatilitätsregime.
Für andere ist Volatilität vor allem eine Frage des Risikomanagements. Bernhard Mitterlehner hat keinen Markt gefunden, in dem die Schwankungen in fallenden Phasen niedriger wären als in steigenden. Torsten Maus setzt Stopps bei schwankungsreichen Aktien weiter, Uwe Jännert trennt sich von Werten, deren Volatilität zunimmt. Und Robin Kömel achtet darauf, dass eine Strategie in ruhigen wie in sehr volatilen Zeiten funktioniert.
Was meine Gäste über Volatilität sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Mirco Recksiek | Bitcoin-Vola sinkt mit wachsender Größe |
| Christoph Gum | Vola bewusst zulassen: ohne Vola keine hohen Returns |
| Gerd Ackermann | Hohe Volatilität macht Optionen teuer |
| André Doerk | Hohe Volatilität macht nervös und undiszipliniert |
| Marcel Urban | Volatilität ist weder gut noch schlecht |
| Robin Kömel | Strategien für ruhige und volatile Phasen |
| Paul Pleus | Low-Vola: Rückgänge durch Absicherung abfedern |
| David Pieper | Implizite Volatilität meist höher als die tatsächliche |
| Manuel Stier | Edelmetalle können an einem Tag zweistellig fallen |
| Uwe Jännert | Steigende Volatilität als Verkaufsgrund |
| Torsten Maus | Stopps je nach Volatilität weiter setzen |
| Bernhard Mitterlehner | In fallenden Märkten ist die Volatilität höher |
Die Aussagen im Wortlaut
Bitcoin-Vola sinkt mit wachsender Größe
„Viele sehen Krypto einfach per se als Zock. Liegt daran, dass natürlich die Volatilität, die Kurssteigung nach oben und nach unten, die waren sehr extrem bei Bitcoin, weil Bitcoin auch in der Vergangenheit natürlich ein sehr kleines Asset war. […] Und deswegen sind die Schwankungen auch nicht mehr so extrem.“
Vola bewusst zulassen: ohne Vola keine hohen Returns
„Wir haben eine durchaus hohe Vola auch drin, wir wollen auch die Vola zulassen, weil wenn du keine Vola zulässt, dann wirst du auch keine hohen Returns generieren können. Das ist ja auch ein chance orientiertes Konzept.“
Hohe Volatilität macht Optionen teuer
„Wenn die Volatilität hoch ist, weil gerade rundherum alles brennt oder so, und alle haben Panik und alle möchten sich versichern mit Optionen, dann wollen alle Optionen kaufen, treiben damit den Optionspreis und automatisch die Volatilität damit hoch.“
Hohe Volatilität macht nervös und undiszipliniert
„[…] wenn ich ständig hohe Volatilität habe, dann bin ich nervös und dann bin ich nicht diszipliniert und dann kann ich nicht erfolgreich sein.“
Volatilität ist weder gut noch schlecht
„Wir verhalten uns eigentlich in verschiedenen Regimen eher passiv oder aggressiv in unserem Spread. Und das hat viel mit Volatilität zu tun. […] Volatilität ist nicht immer gleich gut oder schlecht.“
Strategien für ruhige und volatile Phasen
„Am besten ist es natürlich, wenn eine Strategie diese unterschiedlichen Marktphasen abdeckt. Das heißt, dass eine Strategie in solchen normalen Zeiten gut funktioniert, aber auch in Zeiten mit niedriger Volatilität oder auch in Zeiten mit hoher Volatilität, also mit starken Schwankungsbreiten.“
Low-Vola: Rückgänge durch Absicherung abfedern
„Oder was ich am Anfang sagte, dieses Abfedern in Anführungsstrichen. Wenn es jetzt runtergeht, soll es bei mir nicht ganz so doll runtergehen, wo wir wieder bei der Low-Vola sind, sondern es soll nur ein Stück runtergehen.“
Implizite Volatilität meist höher als die tatsächliche
„Die implizite Volatilität, das ist die Volatilität, die der Optionsmarkt erwartet, ist im Durchschnitt höher als die, die tatsächlich nachher kommt. […] Die historische Volatilität, die kann ich errechnen. Ich nehme den Nvidia-Chart und gucke mir an, wie ist da die Standardabweichung.“
Edelmetalle können an einem Tag zweistellig fallen
„Gerade die jüngsten Kursveränderungen haben uns gezeigt, wie unheimlich volatil der Markt sein kann […]. […] an dem Tag ist der Kurs zweistellige Prozentzahl eingebrochen. An einem Tag.“
Steigende Volatilität als Verkaufsgrund
„Ich trenne mich auch manchmal, manchmal auch zu früh, dann von Werten, wo ich merke, dass die Volatilität zunimmt, wo ich dann sage, nee, dann reicht mir das, was ich jetzt habe.“
Stopps je nach Volatilität weiter setzen
„Gerade bei amerikanischen Aktien sieht man das öfters mal, dass eine Aktie ausbricht, die kommt dann wieder zurück und manchmal muss man, je nach Volatilität der Aktie, muss man auch die Stops ein bisschen weiter wählen.“
In fallenden Märkten ist die Volatilität höher
„Ich habe noch keinen einzigen Markt gefunden, wo die Volatilität in negativen Phasen geringer wäre als in positiven Phasen. Wenn man lang genug drin schaut, wenn man auch die großen Krisen mit einrechnet.“
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