Hendrik Leber gilt als "Buffett Deutschlands" – seit 30 Jahren investiert er nach den Prinzipien seines großen Vorbilds. Doch während viele Value-Investoren der künstlichen Intelligenz misstrauen, hat der ACATIS-Gründer schon 2016 einen der ersten KI-gesteuerten Fonds weltweit aufgelegt. Im Gespräch erklärt er, warum er die aktuelle KI-Blasen-Debatte für falsch hält, wie seine hauseigene KI aus Hunderten Aktien ein Portfolio zusammenstellt und warum er trotzdem nicht auf Fondsmanager verzichten will.
Hendrik Leber ist Gründer und Geschäftsführer der Fondsgesellschaft ACATIS und investiert seit drei Jahrzehnten nach den Prinzipien von Warren Buffett. 2016 brachte er nach eigener Aussage einen der ersten KI-gesteuerten Fonds weltweit auf den Markt und wurde 2017 zum Fondsmanager des Jahres gewählt.
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Was hat Hendrik Leber zu diesem Thema gesagt? Die KI durchsucht diese Folge und alle anderen nach seinen Original-Aussagen – mit Timestamp und Fundstelle.
Jetzt fragenKapitel
- 00:00:00Einleitung: Was ihn vom „echten" Warren Buffett unterscheidet
- 00:04:19Investmentstil: Value Investing mit spekulativer Beimischung
- 00:05:40Seine Bewertungskennzahl: Das Modell mit Professor Penman
- 00:09:07Der große Irrtum: Was der wahre Gegensatz zu Value Investing ist
- 00:18:44Researchprozess: Konferenzen, Expertengespräche und Nobelpreisträger
- 00:29:25Fairer Unternehmenswert: Wie er den Cashflow prognostiziert
- 00:38:06Diversifikation: Wie er sein Portfolio über Regionen und Branchen streut
- 00:47:37KI-Blase: Warum er den Vergleich mit den 2000er-Jahren zurückweist
- 00:55:00KI-Rennen: Microsoft, Google, Nvidia und die stillen Zulieferer
- 00:59:05KI im Portfoliomanagement: So entscheidet seine eigene KI
- 01:05:59Backtests: Warum er seiner eigenen KI trotzdem nicht blind vertraut
- 01:16:07ETFs: Warum Hendrik Leber sie mit einer Wurst vergleicht
- 01:25:57Die Anfänge: Vom Zehnjährigen mit der ersten Aktie zum Value-Investor
- 01:32:15ACATIS: Der Brief an Warren Buffett und die schwierigen Anfangsjahre
- 01:46:53Bitcoin seit 2016: Value Investing trifft Krypto
Aufnahmedatum: 09.07.2026
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Die wichtigsten Erkenntnisse
- Growth ist Teil von Value, nicht sein Gegenteil. Auf die Frage, was der eigentliche Gegensatz von Value sei, widerspricht Hendrik Leber der verbreiteten Meinung „Growth": „Denn Growth ist Teil der Value-Gleichung." Buffett habe Value und Growth einmal als siamesische Zwillinge beschrieben, die an der Hüfte zusammengewachsen seien. Der wahre Gegenpol sei stattdessen Momentum – das reine Hinterherlaufen der Herde.
- Sein eigenes Bewertungsmodell entstand mit einem New Yorker Professor. Gemeinsam mit Professor Steven Penman hat Hendrik Leber ein Modell entwickelt, das von der Bilanz ausgeht: „Das Einzige, was ich von der Firma erstmal sicher weiß, ist die Bilanz." Daraus berechnet ACATIS für praktisch jede weltweit gelistete Firma eine erwartete Rendite.
- Bei den heutigen KI-Aktien ist er skeptisch, weil die Rechnung nicht aufgeht. „Umsatz zählt nicht, für mich zählt der Gewinn und auch übrigens nicht der Cashflow." Sein zentraler Kritikpunkt: Die Abschreibungen der großen KI-Firmen seien zuletzt stärker gestiegen als der Umsatz – das Geschäft sei von „Asset light" zu „Asset heavy" geworden.
- Er sieht sich selbst nicht als verspäteten Einsteiger. Auf den Vorwurf, er könnte wie Buffett bei Google oder Apple den KI-Zug verpassen, verweist Hendrik Leber auf frühe Käufe bei Nvidia und Palantir. Sein Fonds sei mit rund 30 Prozent in KI-nahen Titeln investiert – allerdings nicht in den bekannten großen Namen, sondern bei weniger prominenten Zulieferern.
- ETFs vergleicht er mit einer Wurst. „Und ich sage nur in so einem ETF, das ist wie bei einer Wurst, da ist alles drin. Da ist kein Qualitätsmerkmal drin. Da sind die guten und die schlechten Firmen drin." Deshalb setzt ACATIS inzwischen selbst auf einen aktiv gemanagten ETF, der Börsenhandelbarkeit mit aktiver Titelauswahl kombiniert.
- Backtests hält er für Selbstbetrug. „Also darum glaube ich, ich traue Backtests überhaupt nicht." Weil das Modell aus der eigenen Vergangenheit lernt, sehe ein Rückblick zwangsläufig gut aus.
Wie Hendrik Leber seine eigene Bewertungsmethodik und den Weg zu ACATIS entwickelt hat
Hendrik Lebers Modell trennt bei der Unternehmensbewertung zunächst das operative Geschäft vom Finanzgeschäft – etwa bei Autoherstellern, wo ein großer Teil der Bilanz aus der hauseigenen Finanzierungssparte besteht. Anschließend wird der Umsatz für zehn Jahre in die Zukunft projiziert, der nötige Kapitaleinsatz je Umsatz-Euro berücksichtigt und ein hypothetischer Steuersatz abgezogen. Am Ende steht die Frage, welcher Abzinsungssatz nötig wäre, damit die berechneten Zahlungsströme dem heutigen Börsenkurs entsprechen.
Für die Einschätzung künftigen Wachstums orientiert sich Hendrik Leber unter anderem am Bruttosozialprodukt der jeweiligen Region als Vergleichsgröße – und bei neuen, schnell wachsenden Branchen an der Frage, wie viele dominante Anbieter ein Markt langfristig verträgt. Ein Beispiel dafür ist Uber, wo er seit 2019 das Nutzerwachstum verfolgt und noch keine Sättigungsgrenze erkennt.
Auch seine Researchmethoden hat er über die Jahre systematisiert: Broker-Konferenzen, das Analyseportal Alpha Sense, Fachgespräche mit Wissenschaftlern und ein internes Team, das sich thematisch auf Biotech, KI und Infrastruktur aufteilt. Bei der Länderallokation orientiert sich ACATIS grob an den MSCI-Weltgewichtungen, korrigiert aber bewusst – etwa mit einem stärkeren Europa-Anteil statt der marktüblichen Übergewichtung der USA.
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So funktioniert Hendrik Lebers Value-2.0-Strategie mit künstlicher Intelligenz
Seit 2014 experimentiert ACATIS mit künstlicher Intelligenz, seit 2016 läuft der erste KI-gesteuerte Fonds. Inzwischen ist das Unternehmen nach Hendrik Lebers Zählung bei „Modell 47" angekommen. Das Prinzip: Aus 300 bis 400 Aktien, die von den hauseigenen Portfolio-Managern für interessant befunden wurden, wählt eine KI mit einem evolutionären Optimierungsalgorithmus die besten Kombinationen aus – über hunderte Simulationsrunden hinweg, bei denen jeweils die schwächere Hälfte der Test-Portfolios aussortiert wird.
Von klassischen Backtests hält Hendrik Leber dabei nichts: Das Modell lerne aus der eigenen Vergangenheit und müsse im Rückblick deshalb zwangsläufig gut aussehen. Stattdessen prüft sein Team die Ergebnisverteilungen der KI-Vorschläge und lässt kleine Test-Portfolios parallel mitlaufen.
Trotz weitreichender KI-Automatisierung sieht Hendrik Leber weiterhin eine Rolle für den Menschen – vor allem bei komplexeren, wenig bekannten Themen und beim sogenannten „Wow-Effekt": ein einzelner, unscheinbarer Satz in einem Geschäftsbericht, der die ganze Wahrnehmung einer Firma verändert. Gemessen wird der Erfolg der Fonds anhand mehrerer Kennziffern, darunter Trefferquote und Performance-Ratio.
Hendrik Leber als Fondsmanager und Vertriebspionier: Neugier, Ausdauer und Vertrauen
Dass Hendrik Leber heute Milliarden verwaltet, lag nach eigener Aussage nicht in erster Linie an der Performance, sondern am Vertrieb: „Es ist Vertrieb." In den Anfangsjahren von ACATIS 1994 schaltete er gezielt textlastige Anzeigen über Warren Buffett, statt mit bunten Schlagworten zu werben – eine Strategie, die sich bis heute bewährt hat.
Rückschläge begleiten ihn seit 30 Jahren immer wieder: der 11. September, die Finanzkrise, die Griechenland-Rettung, Corona. Genau diese Erfahrung, sagt er, mache ihn heute gelassener – sowohl in schlechten als auch in besonders guten Phasen.
Privat investierte Hendrik Leber gemeinsam mit seiner Frau bereits 2016 in Bitcoin, nach einem Hinweis aus einem der hauseigenen Value-Seminare und einem gemeinsamen Universitätskurs über Blockchain-Technologie: Der Einstiegskurs lag nach seiner Erinnerung bei etwa 600 Euro. Auf die Frage, welchen einen Satz er sich für immer über den Bildschirm kleben würde, verweist er auf die Broschüre seines Unternehmens:
„Price is what you pay, value is what you get."
Wer ist Hendrik Leber?
Leber kam schon als Kind zur Börse: Als Zehnjähriger kaufte er von seinem Taschengeld seine erste Aktie und ging danach regelmäßig zur Bank, um am Kursaushang nachzuschauen, ob sie gestiegen oder gefallen war. Sein Vater arbeitete im Finanzbereich eines Edelstahlherstellers und notierte seit Kriegsende täglich die Börsenkurse – er erklärte seinem Sohn die Mechanik dahinter. Über sich selbst sagt Hendrik Leber rückblickend: „Also ich war sehr früh neugierig zu dem, was sich in der Wirtschaft tut."
Nach dem BWL-Studium ging er bewusst antizyklisch in einen Beruf ohne Numerus clausus, arbeitete bei McKinsey und im Corporate Finance beim Bankhaus Metzler. Der entscheidende Moment kam, als er als junger Berufseinsteiger einen Brief an Warren Buffett schrieb und um dessen Geschäftsberichte bat. Die Antwort: „Please put 20 Dollar into an Envelope." Hendrik Leber schickte das Geld, bekam 20 Jahre Geschäftsberichte per Post zugeschickt – und las sie alle. 1994 gründete er gemeinsam mit seiner Frau ACATIS.
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