Begriff · Investment
Was ist der Cashflow?
Cashflow: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Der Cashflow ist der Saldo aus Einzahlungen und Auszahlungen eines Unternehmens in einem Zeitraum, also das Geld, das tatsächlich zu- oder abfließt. Anders als der buchhalterische Gewinn lässt er sich schwerer beeinflussen. Investoren nutzen vor allem den freien Cashflow, um Qualität, Finanzkraft und Bewertung einer Aktie einzuschätzen.
Cashflow: Definition und Erklärung
Der Cashflow zeigt, wie viel Geld ein Unternehmen in einem Zeitraum tatsächlich einnimmt und ausgibt. Im Deutschen spricht man auch vom Kapitalfluss. Er steht in der Kapitalflussrechnung (Cash Flow Statement), die neben Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung zum Jahresabschluss gehört. Während der Gewinn von Bewertungs- und Buchungsentscheidungen abhängt, misst der Cashflow reale Geldbewegungen.
Die Kapitalflussrechnung teilt den Cashflow in drei Bereiche: den operativen Cashflow aus dem laufenden Geschäft, den Cashflow aus Investitionstätigkeit (etwa Maschinen, Gebäude, Übernahmen) und den Cashflow aus Finanzierungstätigkeit (Kredite, Dividenden, Aktienrückkäufe). Für Anleger besonders wichtig ist der freie Cashflow (Free Cashflow): das Geld, das nach den nötigen Investitionen übrig bleibt und für Dividenden, Aktienrückkäufe oder den Schuldenabbau zur Verfügung steht.
Ein dauerhaft positiver und steigender Cashflow gilt als Zeichen eines gesunden Geschäftsmodells. Ein negativer Cashflow ist nicht automatisch schlecht, etwa bei jungen Wachstumsunternehmen, die bewusst investieren. Er zeigt aber, dass das Unternehmen auf Kapital von außen angewiesen ist. Der Cashflow ist außerdem die Grundlage der Discounted-Cashflow-Methode (DCF), mit der sich der innere Wert einer Aktie schätzen lässt.
Free Cashflow berechnen: so funktioniert es
Ausgangspunkt ist der operative Cashflow aus der Kapitalflussrechnung. Er entsteht vereinfacht aus dem Jahresüberschuss plus Abschreibungen und anderen nicht zahlungswirksamen Aufwendungen, bereinigt um Veränderungen im Umlaufvermögen (zum Beispiel Vorräte und Forderungen). Zieht man davon die Investitionen in Sachanlagen (Capex) ab, erhält man den freien Cashflow.
Setzt man den freien Cashflow ins Verhältnis zum Börsenwert, ergibt sich die Free-Cashflow-Rendite (Free Cash Flow Yield). Sie funktioniert wie ein umgekehrtes Kurs-Cashflow-Verhältnis: Je höher sie ist, desto günstiger ist die Aktie im Verhältnis zum erwirtschafteten Geld.
| Operativer Cashflow | 12 Mio. € |
|---|---|
| Investitionen (Capex) | 4 Mio. € |
| Freier Cashflow | 8 Mio. € |
| Börsenwert | 160 Mio. € |
| Free-Cashflow-Rendite | 5 % |
Die Formeln dahinter: Freier Cashflow = operativer Cashflow − Investitionen und Free-Cashflow-Rendite = freier Cashflow ÷ Börsenwert. Bei der Discounted-Cashflow-Methode werden die erwarteten freien Cashflows der kommenden Jahre mit einem Zinssatz auf heute abgezinst und aufsummiert. Das Ergebnis reagiert sehr empfindlich auf den gewählten Zinssatz und die angenommene Wachstumsrate.
Cashflow in der Praxis
Der Cashflow der Vergangenheit ist eine harte Zahl, der Cashflow der Zukunft dagegen eine Schätzung. Genau hier liegt die Schwierigkeit: Ein DCF-Modell hängt im Wesentlichen an wenigen Annahmen, vor allem am Abzinsungssatz und an der Dauer und Höhe des Wachstums. Schon kleine Änderungen verschieben den errechneten Wert erheblich. Viele Investoren arbeiten deshalb mit vereinfachten Ansätzen wie der Free-Cashflow-Rendite oder nutzen den Cashflow eher als Prüfstein denn als exakte Rechengröße.
In der Praxis achten Analysten beim Cashflow auf einige typische Punkte:
- die Entwicklung über mehrere Jahre: Ein stabiler oder steigender Cashflow ist aussagekräftiger als ein einzelnes gutes Jahr,
- den Abstand zum Gewinn: Liegt der Cashflow dauerhaft deutlich unter dem Gewinn, kann das auf eine geschönte Bilanz hindeuten,
- aktienbasierte Vergütung (Stock Based Compensation): Sie belastet den freien Cashflow nicht, verwässert aber die Anteile der Aktionäre,
- die Verwendung: ob der freie Cashflow in Wachstum, Dividenden, Aktienrückkäufe oder den Schuldenabbau fließt.
Cashflow bei [Bulle & Mensch]
Für mehrere Gäste ist der Cashflow eine zentrale Kennzahl. Uwe Jännert sieht einen schwächelnden Cashflow als erste Red Flag und fühlt sich in unsicheren Märkten mit Unternehmen wohler, die positiven Cashflow erwirtschaften. Till Schwalm leitet aus Umsatzwachstum und operativer Marge einen nachhaltigen Free Cashflow ab und entscheidet über die Free-Cashflow-Rendite. Stefan Meißner hält die Discounted-Cashflow-Methode für fundierter als Faktor-Methoden und warnt, dass aktienbasierte Vergütung den Free Cashflow beschönigen kann. André Doerk prüft den Cashflow vor allem, um einzuschätzen, ob die Dividende weiter gezahlt werden kann. Larissa Kravitz verweist auf den Piotroski-Score, der unter anderem misst, wie viel vom Gewinn in der Cashflow-Rechnung übrig bleibt.
Es gibt auch deutliche Gegenstimmen. Dr. Hendrik Leber zählt für sich der Gewinn und nicht der Cashflow, denn ausschütten könne man nur den Gewinn. David Pieper hält Discounted-Cashflow-Modelle für beliebig, weil sich der Wert mit wenigen Stellschrauben nach oben oder unten ziehen lasse. Dominik Doster findet Cashflow-Prognosen ungenau und bewertet lieber die Qualitäten eines Unternehmens. Torsten Maus erinnert daran, dass klassische Value-Investoren viele Plattformunternehmen verpasst haben, weil diese lange keinen stetigen Cashflow hatten.
💬 Was unsere Gäste über Cashflow sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Larissa Kravitz | Gewinnqualität in der Cashflow-Rechnung prüfen |
| Hendrik Leber | Gegenstimme: Gewinn zählt, nicht Cashflow |
| Stefan Meißner | Free Cashflow nicht beschönigen lassen |
| Till Schwalm | Nachhaltigen Free Cashflow selbst modellieren |
| André Doerk | Stabiler Cashflow sichert die Dividende |
| David Pieper | Gegenstimme: DCF-Modelle sind beliebig |
| Uwe Jännert | Negativer Cashflow ist die erste Red Flag |
| Torsten Maus | Value-Investoren verpassten Firmen ohne Cashflow |
Die Aussagen im Wortlaut
Gewinnqualität in der Cashflow-Rechnung prüfen
„Der hat erforscht, welche Geschäftszahldaten in der Bilanz, der GuV, in der Cashflow-Rechnung führen dazu, dass der Kurs dieses Unternehmens im nächsten Jahr steigt. […] Accruals ist de facto, wie viel von dem Gewinn bleibt in der Cashflow-Rechnung übrig.“
Gegenstimme: Gewinn zählt, nicht Cashflow
„Ökonomisch aus meiner Sicht, Umsatz zählt nicht, für mich zählt der Gewinn und auch übrigens nicht der Cashflow. Das ist ja nett, wenn ich da freien Cashflow habe, den ich dann wieder investiere, aber am Ende ist es der Gewinn, [der] zählt. Nur den Gewinn kann ich auch [aus]schütten, nicht den Cashflow.“
Free Cashflow nicht beschönigen lassen
„Ich schaue mir das Cash Flow Statement an, wobei ich da eben gucke, was ist der operative Cash Flow, was ist an Capex, und was ich noch sehr wichtig finde, was man leicht übersehen kann, ist, was wird an Stock Based Compensation bezahlt, weil sonst kann man leicht […] den sogenannten Free Cash Flow beschönigen.“
Nachhaltigen Free Cashflow selbst modellieren
„Ich modelliere den Umsatzwachstum, versuche die operative Marge zu modellieren, ziehe davon die Steuern ab, ziehe davon Wachstumsinvestitionen ab, […] ziehe davon Zinsen ab, kriege dann einen nachhaltigen Free Cash Flow, [den] man theoretisch an die Aktionäre ausschütten könnte in Form von Aktienrückkäufen oder Dividende.“
Stabiler Cashflow sichert die Dividende
„Ich gucke da natürlich auch auf ähnliche KPIs wie beim Einstieg. Also ich gucke natürlich, ist das Unternehmen weiter gewachsen? Ist der Ertrag stabil? Ist der Cashflow stabil? Kann dann die Dividende weiter gezahlt werden?“
DCF-Modell hängt an zwei Annahmen
„Ich habe […] mich dann auch selber hingesetzt zu Excel und zu meinem Cashflow-Modell, mal versucht aufzustellen. Aber als ich dann gemerkt habe, das ganze Modell hängt im Wesentlichen an zwei KPIs, wie man sie einstellt, also Abzinsungsfaktor und wie viele Jahre in die Zukunft, […] habe ich mir gedacht, ja, vergiss es.“
Gegenstimme: DCF-Modelle sind beliebig
„Was ist der faire Preis heute von der SAP-Aktie? […] Und nicht irgendein Discounted-Cash-Flow-Modell, weil da drin steht, eigentlich ist die Aktie aber 50 Euro mehr wert. Ja okay, ich weiß, wie viele Stellschrauben da drin sind. Ich kann dir den Wert auf 300 hochziehen oder auf 100 runter.“
Negativer Cashflow ist die erste Red Flag
„[Das] ist für mich dann ein Achtungspunkt. Das ist sozusagen die erste Red Flag, wo ich dann sage, alles klar, muss ich mir angucken. […] Gerade in Zeiten, wo die Märkte unsicherer sind, fühle ich mich wohler mit Unternehmen, die einen positiven Cashflow haben.“
Value-Investoren verpassten Firmen ohne Cashflow
„Als Value Investor hat man [in] diese Aktien nie investiert, weil man im Prinzip da keinen stetigen Cash Flow jetzt gehabt hat. Viele dieser Companies, Plattformunternehmen, waren […] defizitär und man hat in das Wachstum investiert und hat jetzt eine gewisse Größe und beherrscht den Markt.“
🎙️ Folgen zum Thema Cashflow
-
ETFs ändern den Markt! - Das neue Risiko im Welt-ETF Larissa Kravitz erklärt den Piotroski-Score, der Kennzahlen aus Bilanz, GuV und Cashflow-Rechnung kombiniert. Zum Zitat ↑
-
Hendrik Leber: "Ich habe den Buffett-Stil weiter entwickelt" Dr. Hendrik Leber hält den Gewinn für die entscheidende Größe, weil nur er ausgeschüttet werden kann. Zum Zitat ↑
-
Er erzielt knapp 30% pro Jahr - ganz ohne Chart-Technik Stefan Meißner prüft im Cashflow-Statement operativen Cashflow, Investitionen und aktienbasierte Vergütung. Zum Zitat ↑
-
Er ignoriert Charts – und schlägt sogar in Krisen den Markt Till Schwalm leitet aus Umsatzwachstum und operativer Marge einen nachhaltigen Free Cashflow ab, statt ein ausführliches DCF-Modell zu rechnen. Zum Zitat ↑
-
Märkte, die niemand kennt: 8% Dividende sichern André Doerk prüft regelmäßig, ob Ertrag und Cashflow stabil genug sind, damit die Dividende weiter gezahlt werden kann. Zum Zitat ↑
-
Ex-Citi-Direktor: Mein eiskaltes System für Nebenwerte Mario Märzinger schildert, warum er seinen eigenen Versuch mit einem Cashflow-Modell aufgegeben hat. Zum Zitat ↑
-
Börsen-Erfolg ohne Bilanzen: So liest du den Markt echt David Pieper vertraut lieber dem Börsenpreis als einem Discounted-Cashflow-Modell mit vielen Stellschrauben. Zum Zitat ↑
-
37 Jahre Börse: Was dieser Profi nie vergessen hat Uwe Jännert schaut genauer hin, wenn ein Unternehmen keinen positiven oder steigenden Cashflow schafft. Zum Zitat ↑
-
Aktive Anlage im Check: Der radikale Filter für dein Depot Torsten Maus erklärt, warum klassische Value-Investoren viele große Plattformunternehmen in deren Wachstumsphase nicht gekauft haben. Zum Zitat ↑
🤖 Frag [Bulle & Mensch] – Noch Fragen zu Cashflow?
Frag [Bulle & Mensch] durchsucht alle Gespräche und antwortet mit Fundstelle und Zeitstempel im Video. Stell deine eigene Frage, zum Beispiel:
- „Was sagen die Gäste über Cashflow?“
- „Wie geht Larissa Kravitz mit Cashflow um?“
- „Welche Fehler machen Anleger beim Thema Cashflow?“
🗂️ Themenreihen
🔗 Verwandte Begriffe
Diese Seite basiert auf den Originalgesprächen und Transkripten von [Bulle & Mensch]. Die dargestellten Perspektiven geben die Aussagen der jeweiligen Gesprächspartner wieder. Alle Begriffe →
















