Begriff · Investment
Was ist das KGV?
KGV: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) ist eine Kennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt. Es zeigt, wie viele Jahresgewinne Anleger für eine Aktie bezahlen. Ein KGV von 15 bedeutet: Beim heutigen Gewinn dauert es 15 Jahre, bis das Unternehmen seinen Börsenwert verdient hat. Aussagekräftig wird es erst im Vergleich mit Branche und Wachstum.
Definition von KGV
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist die bekannteste Bewertungskennzahl für Aktien. Im Englischen heißt es Price-Earnings-Ratio, kurz P/E. Es beantwortet eine einfache Frage: Wie viel zahlt man an der Börse für einen Euro Gewinn?
Ein niedriges KGV gilt als Hinweis auf eine günstige Aktie, ein hohes als Hinweis auf eine teure. So einfach ist es aber selten. Ein hohes KGV kann gerechtfertigt sein, wenn der Gewinn schnell wächst. Ein niedriges kann ein Warnsignal sein, wenn der Markt mit sinkenden Gewinnen rechnet. Das KGV ist deshalb ein Startpunkt, kein Urteil.
Dreht man das KGV um, erhält man die Gewinnrendite (englisch Earnings Yield): Gewinn je Aktie geteilt durch Kurs. Ein KGV von 20 entspricht einer Gewinnrendite von 5 Prozent. So lässt sich die Bewertung einer Aktie direkt mit Zinsen oder anderen Anlagen vergleichen.
Wie berechnet man das KGV?
Für das KGV teilt man den Aktienkurs durch den Gewinn je Aktie. Alternativ teilt man den Börsenwert durch den Jahresgewinn des Unternehmens, das Ergebnis ist dasselbe.
| Aktienkurs | 60 € |
|---|---|
| Gewinn je Aktie | 4 € |
| KGV | 15 |
Die Formel: KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie. Ein KGV von 15 heißt: Anleger zahlen das 15-Fache des aktuellen Jahresgewinns. Bleibt der Gewinn gleich, dauert es 15 Jahre, bis das Unternehmen seinen Börsenwert verdient hat.
Welcher Gewinn in die Rechnung kommt, macht einen großen Unterschied:
| KGV-Variante | Welcher Gewinn zählt |
|---|---|
| Historisches KGV | Gewinn des letzten Geschäftsjahres |
| Forward-KGV | geschätzter Gewinn für das laufende oder nächste Jahr |
| Durchschnitts-KGV | Gewinn über mehrere Jahre gemittelt, nützlich bei schwankenden Gewinnen |
Das PEG-Verhältnis (PEG Ratio) setzt das KGV zusätzlich ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum. Ein KGV von 30 bei 30 Prozent jährlichem Gewinnwachstum ergibt ein PEG von 1.
KGV in der Praxis
Ein KGV für sich allein sagt wenig. Aussagekräftig wird es erst im richtigen Vergleich.
Worauf es in der Praxis ankommt:
- Vergleich innerhalb der Branche: Versorger, Banken und Softwarefirmen haben traditionell sehr unterschiedliche KGVs. Sinnvoll ist der Vergleich mit direkten Wettbewerbern und mit der eigenen Historie des Unternehmens.
- Forward-KGV: Die Börse handelt die Zukunft, deshalb schauen viele Anleger auf das KGV mit geschätzten Gewinnen. Diese Schätzungen können sich allerdings als zu optimistisch erweisen.
- Grenzen bei Wachstumsfirmen: Unternehmen, die stark investieren oder noch keinen Gewinn schreiben, haben ein sehr hohes oder gar kein sinnvolles KGV. Hier greifen Anleger eher zum Kurs-Umsatz-Verhältnis oder zu Cashflow-Kennzahlen.
- Zykliker: Bei Rohstoff-, Chemie- oder Schifffahrtswerten ist das KGV am Gewinnhöhepunkt oft am niedrigsten, gerade dann, wenn der Abschwung bevorsteht.
- Einmaleffekte: Sondergewinne oder hohe Abschreibungen verzerren den Gewinn und damit das KGV.
Ein niedriges KGV kann ein Schnäppchen sein oder eine Value Trap: eine Aktie, die günstig aussieht, weil das Geschäft schrumpft. Deshalb kombinieren die meisten Profis das KGV mit anderen Kennzahlen wie Wachstum, Verschuldung und Free Cashflow.
KGV bei [Bulle & Mensch]
Das KGV taucht bei [Bulle & Mensch] ständig auf, aber kaum ein Gast verlässt sich allein darauf. Philipp Haas hat daraus ein eigenes Modell gemacht: Er vergibt Qualitätsnoten und leitet daraus ein faires KGV ab, warnt aber, dass das KGV bei Zyklikern gerade dann am niedrigsten ist, wenn man eher verkaufen sollte. Dominik Doster nutzt das umgedrehte KGV, also den Gewinn im Verhältnis zum Börsenwert, als groben Anker für die Rendite. Stefan Meißner hält es für Spekulation, nur auf ein höheres KGV in der Zukunft zu setzen, und Paul Pleus sagt, ein KGV von zwei allein sage ihm heute nichts mehr.
Andere halten die Kennzahl für überschätzt. Dr. Hendrik Leber grenzt sich von Anlegern ab, die nur auf KGV und Buchwert an einem Stichtag schauen, und Larissa Kravitz warnt vor der Value Trap, wenn man nur aufs KGV achtet. Für die Trader unter den Gästen zählt der Trend mehr: David Pieper würde auch eine Aktie mit einem KGV von 400 kaufen, wenn der Trend stimmt, und Oliver Klemm erinnert daran, dass Aktien mit tausender KGV steigen und Aktien mit zweier KGV fallen können. Der gemeinsame Nenner: Das KGV ist ein Anfang, keine Kaufentscheidung.
Was meine Gäste über KGV sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Dominik Doster | Umgedrehtes KGV als Renditeanker |
| Larissa Kravitz | Nur aufs KGV schauen führt in die Value Trap |
| Oliver Klemm | Nachfrage zählt, nicht das KGV |
| Dr. Hendrik Leber | KGV zum Stichtag reicht nicht |
| Stefan Meißner | Auf eine Neubewertung zu wetten geht leicht schief |
| Philipp Haas | Zykliker: niedriges KGV am Gewinnhöhepunkt |
| André Doerk | Kolumbien: Markt-KGV unter 5 am Tiefpunkt |
| Paul Pleus | Niedriges KGV allein sagt nichts aus |
| David Pieper | Trend schlägt KGV: auch 400 ist kein Ausschluss |
| Nico Schulze | KGV immer im Verhältnis zum Wachstum (PEG) |
Die Aussagen im Wortlaut
Umgedrehtes KGV als Renditeanker
„Und wenn jetzt ein Unternehmen eine Billion wert ist an der Börse und 100 Milliarden Gewinn macht, dann ist das erstmal 10 % Rendite. […] der Gewinn vom Unternehmen im Verhältnis zur Marktkapitalisierung, also das KGV umgedreht, das ist erstmal so der grobe Anker, wo es eigentlich hingeht.“
Nur aufs KGV schauen führt in die Value Trap
„Das heißt, dass man nur auf das KGV schaut, ist einfach zu wenig. Da kannst du in so eine Value Trap reinfallen.“
Nachfrage zählt, nicht das KGV
„Das interessiert am Ende keinen Menschen, weil es gibt ja Aktien, die ein tausender KGV haben, die steigen und eine Aktie mit einem zweier KGV fällt.“
KGV zum Stichtag reicht nicht
„Ohne die Kenntnis der Vergangenheit ist ein Modellieren der Zukunft sehr schwer. Und das unterscheidet uns von vielen, die einfach sagen, KGV von 11 und Kursbuchwert von 0,5 muss ich haben. Das sind ja nur Stichtagsbetrachtungen.“
Auf eine Neubewertung zu wetten geht leicht schief
„Einfach zu sagen, ich kaufe jetzt ein Unternehmen mit KGV von 4, weil ich der Meinung bin, dass das irgendwann ein KGV von 8 haben muss und deswegen unterbewertet ist, das geht leicht in die Hose. Wer sagt, dass das ein KGV von 8 haben muss?“
Zykliker: niedriges KGV am Gewinnhöhepunkt
„Gerade bei Zyklikern ist ja oft so, das KGV ist dann sehr, sehr niedrig, wenn man die Aktie eher verkaufen sollte.“
Kolumbien: Markt-KGV unter 5 am Tiefpunkt
„Die US-Bewertungen sind damals schon in den Himmel gewachsen. Hier hatten wir teilweise einen Gesamtmarkt KGV von nicht mal fünf am Tiefpunkt Dividendenrenditen von acht Prozent und höher.“
Niedriges KGV allein sagt nichts aus
„Aber oft gab es vielleicht auch einen Grund wieso es günstig war, den ich dann noch nicht kannte. Aber auf dem Papier war es günstig. […] ein KGV von zwei sagt alleine heute für mich nichts mehr aus.“
Trend schlägt KGV: auch 400 ist kein Ausschluss
„Oder umgekehrt, ich möchte gerne eine Palantir haben, die einen KGV von 400 hat. Ist mir wurscht, wenn der Trend stimmt.“
KGV immer im Verhältnis zum Wachstum (PEG)
„Na wie ordnet man denn das KGV jetzt ein? […] PEG Ratio, also wie viel KGV kann ich mir quasi erlauben? Wenn ein Unternehmen schneller wächst, ich mir natürlich mehr KGV erlauben, als wenn es langsam oder nicht wächst.“



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