Podcast-Gast · Folge 17
André Doerk
André Doerk kauft Dividendenzahler zu einer Rendite, die er sich beim Kauf sichert, und betrachtet sein Depot als Fabrik, die Cashflow liefert. Er sucht in der zweiten und dritten Reihe und in vergessenen Märkten nach 6 bis 7 Prozent Dividende, die mit etwas Unternehmenswachstum über 10 Prozent Gesamtrendite ergeben sollen.
Über André Doerk
André Doerk kaufte 1999 seine erste Aktie, mitten im Neuen Markt, einer Zeit, in der man laut ihm bei jedem IPO „quasi zwangsläufig schon reich“ war. Sein Startkapital hatte er innerhalb der folgenden zwei Jahre „mehr oder weniger auf null getradet“. Danach probierte er nach eigener Aussage alles durch: Day Trading, Forex, CFDs, Optionsscheine, Momentum-Trading, kurzfristig wie langfristig. Länger hängen blieb er zuerst im Rohstoffbereich, inklusive Konferenzreisen und Vor-Ort-Besuchen bei Minenprojekten. Heute ist er Mitgründer der Plattform ShareDeals.de, betreut dort den Dividendenbereich und hat zwei Bücher geschrieben: „Dividendenfabrik“ und „Reich mit Rohstoffen“.
So investiert André Doerk
Aus dem Gespräch in Folge 17 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Der Großteil liegt in Dividendenaktien, als Einzeltitel und über regionale ETFs. Dazu kommen Zinstitel wie US-Vorzugsaktien und sogenannte Babybonds. Aktuell teilt er etwa 70 zu 30 zwischen Dividendenaktien und Zinsen auf. Rohstoffe betreibt er nur noch mit einem kleinen Teil als Hobby.
„Ja, noch bin ich so 70, 30 bei Dividenden, Aktien versus Zinsen.“
▶ Folge 17 · 11:57
Haltedauer
Eine gekaufte Aktie will er grundsätzlich nicht wieder verkaufen. Ob die Dividende tragfähig ist, beurteilt er für die nächsten drei bis fünf Jahre.
„wenn ich eine Aktie kaufe, dann plane ich ja eigentlich, die nicht zu verkaufen.“
▶ Folge 17 · 1:22:25
Auswahl und Einstieg
Er prüft wenige Kennzahlen: positiver Cashflow, günstige Bewertung, eine stabile oder steigende Dividende und eine Ausschüttungsquote unter 100 Prozent. Kandidaten sucht er gezielt abseits der großen Konzerne, wo weniger Analysten hinschauen. Titel auf der Watchlist kauft er erst nach einem weiteren Rückgang, etwa um 20 Prozent.
„Cashflow positiv, ja. Bewertung günstig. Dividende ja. Dividende langfristig gegeben. Sie schwankt auch nicht.“
▶ Folge 17 · 36:24
Portfolio und Positionsgröße
In einen Einzeltitel steckt er höchstens 2 Prozent des Depots, das entspricht 50 bis 75 Einzeltiteln. Die ETFs setzt er als „ETF-Puzzle“ aus regionalen Bausteinen zusammen. Dividenden sammelt er auf dem Konto und stockt damit bevorzugt bestehende Positionen auf, die gerade am höchsten rentieren.
„ich würde in Einzeltitel maximal zwei Prozent reinmachen. Das heißt, ich habe eigentlich immer so. 50 bis 75 Einzeltitel“
▶ Folge 17 · 35:46
Risiko und Verkauf
Feste Stop-Loss-Marken nutzt er nicht, Kursbewegungen allein lösen keinen Verkauf aus. Er fragt, ob die Aktie heute noch ein Kauf wäre. Verkauft oder reduziert wird bei dauerhaftem Problem, zu teurer Bewertung oder einer zu groß gewordenen Position, wie bei einem Kohleproduzenten mit 4,5 Prozent Depotanteil.
„es keinen Grund dafür gibt, daran zu zweifeln, dass sie konstant ist, dann wäre es blöd, wenn die bei minus 30 Prozent dann zu verkaufen.“
▶ Folge 17 · 1:03:05
Fehler und was daraus wurde
Er kaufte 1999 seine erste Aktie und tradete sein Startkapital innerhalb von zwei Jahren fast auf null. Heute rät er Einsteigern, zuerst auf das Vermeiden von Verlusten zu achten.
„hab dann natürlich leider mein initiales Startkapital innerhalb der nächsten zwei Jahre dann mehr oder weniger auf null getradet“
▶ Folge 17 · 1:45:28
Umgang mit Verlusten
Halt gibt ihm die Dividendenrendite als fester Maßstab dafür, ab wann eine Aktie günstig ist. Fällt der Kurs ohne Grund für Zweifel an der Dividende, kauft er nach. Eine überraschende Kürzung mit 30 Prozent Kursverlust kostet bei 2 Prozent Gewicht weniger als 0,5 Prozent des Depots.
„Es ist für mich einfacher da, wirklichen harten Wert zu definieren, wo ich sage, ab hier ist die Aktie günstig und darüber eben nicht.“
▶ Folge 17 · 1:08:09
Arbeitsweise und Werkzeuge
Pro Aktie rechnet er mit etwa einer Stunde Aufwand im Quartal. Quartalszahlen, Analystencalls und Dividendenankündigungen fasst er mit eigenen N8N-Workflows und KI zusammen, Ziel sind fünf Minuten pro Aktie. Ideen kommen aus Substack, Seeking Alpha, X und Smart Karma.
„Ich habe das mal durchgerechnet, aber es ist, glaube ich, eine Stunde pro Aktie im Quartal ungefähr.“
▶ Folge 17 · 44:43
KI als Gegenspieler
Bei neuen Ideen lässt er sich von der KI den Gegenfall zu seiner positiven Meinung skizzieren. Kann er die Argumente nicht entkräften, überdenkt er seine Einschätzung.
„nimm doch mal hier die Gegenposition zu meiner positiven Meinung ein und sag mal hier, schreib, skizzier mir mal den Case.“
▶ Folge 17 · 54:17
Im Crash bekannte Positionen aufstocken
Kursstürze wie beim Zollschock sind für ihn der Anlass, Cash zu investieren. Weil die Fenster oft nur zwei, drei Tage offen sind, kauft er dann vor allem Titel nach, die er schon kennt.
„ist es dann einfacher, bestehende Positionen auszubauen, weil die kennt man dann schon und dann weiß man, worum es sich hier handelt.“
▶ Folge 17 · 1:12:37
Erfolg gemessen am Cashflow
Erfolgreich ist ein Jahr für ihn, wenn bei gleichem Kapital mehr Dividende hereinkommt. Den Total Return schaut er sich an, er ist für ihn aber nachrangig.
„Ich möchte mir ein Depot aufbauen, was mir langfristig einen Cashflow bietet.“
▶ Folge 17 · 1:21:51
Buchtipps von André Doerk
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