[Bulle & Mensch]
Folge 19 · 4 Buchtipps

Dr. Carmen Mayer: In 7 Jahren zur Millionärin mit Aktien

Sie liest keine Wirtschaftsnachrichten, sie setzt keinen einzigen Stop-Loss. Trotzdem begrenzt sie Verluste konsequent auf 30 % pro Aktie.

Dr. Carmen Mayer fing 2017 mit 2.000 Euro und Long Calls auf US-Aktien an, hochschwanger und ohne zu wissen, was eine Aktie überhaupt ist. Heute handelt sie ein siebenstelliges Depot. Im Mai 2026 stand es nach ihren Angaben seit Jahresbeginn 78 Prozent im Plus, als Ziel für das ganze Jahr hat sie sich 80 Prozent aufgeschrieben.

Ihre Outperformer-Strategie verbindet Fundamentalanalyse mit Trendfolge im Chart. Sie sucht US-Aktien, die fundamental und im Kurs der letzten fünf Jahre besser laufen als der Markt, kauft sie im Aufwärtstrend und hebelt sie über Margin. Es ist Swing Trading ohne feste Haltedauer, ohne Stop im Markt und ohne Nachrichten.

„Ich handle keinen MSCI World. Ich würde den auch nie kaufen. Man sieht auf den ersten Blick, dass es so viel Besseres gibt als den MSCI World.“
– Dr. Carmen Mayer

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • RätAusstiegsregelAktiemax. 30 % VerlustKlare Aussage

    Eine Ausstiegsregel im Kopf statt Stops im Markt: „nie mehr als 30 % Verlust pro Aktie“. Das ist der Satz, den sie sich an den Bildschirm kleben würde. Feste Stops nutzt sie selbst nicht („ich arbeite nicht mit Stops“), in der eigenen Ausbildung führt sie sie für Teilnehmer trotzdem ein.

    Dr. Carmen Mayer · bei 2:24:02

    Zitat & Begründung
    „nie mehr als 30 % Verlust pro Aktie.“ ▶ 2:24:02
    1. Das ist der Satz, den sie sich an den Bildschirm kleben würde.
    2. Feste Stops nutzt sie selbst nicht. Sie schaut lieber hin und entscheidet frei.
    3. In ihrer Ausbildung hat sie Stops eingeführt, weil sich manche Teilnehmerinnen emotional nicht von fallenden Aktien trennen konnten.
  • TabuMSCI WorldETFKlare Aussage

    Kein Index als Kerninvestment: Sie hält den MSCI World bewusst nicht. Outperformer mit starken Fundamentaldaten schlagen für sie den Durchschnitt.

    Dr. Carmen Mayer · bei 2:14:53

    Zitat & Begründung
    „Ich handle keinen MSCI World. Ich würde den auch nie kaufen.“ ▶ 2:14:53
    1. Auf den ersten Blick gibt es für sie viel Besseres als den MSCI World.
    2. Sie setzt auf Aktien mit Outperformance und starken Fundamentaldaten.
    3. ETFs unterrichtet sie nicht, weil sie sie selbst nicht handelt.
  • RegelExcel-ToolAktieFundamentalanalyse

    Fünf Kennzahlen, zehn Jahre: Mit einem selbst entwickelten Excel-Tool prüft sie fünf fundamentale Kennzahlen über zehn Jahre, ergänzt um TradingView-Charts und die Finviz-Heatmap. Mehr Tools nutzt sie nicht.

    Dr. Carmen Mayer · bei 2:07:56

    Zitat & Begründung
    „Wir haben das Excel Tool entwickelt, wo wir uns fünf fundamentale Kennzahlen über die letzten zehn Jahre anschauen.“ ▶ 2:07:56
    1. Für Kerzen und Charts nutzt sie TradingView, dazu die Heatmap von Finviz.
    2. Spezielle Trading-Software hat sie nach eigener Aussage nie benutzt.
    3. Über das Tool sieht sie, welche Aktien eine Outperformance haben.
  • RegelCrash-TageKlare Aussage

    Panik aushalten statt reagieren: An Crash-Tagen schaut sie zwei bis drei Tage bewusst nicht ins Depot: „Zwei, drei Tage killt unser Depot nicht.“

    Dr. Carmen Mayer · bei 1:38:53

    Zitat & Begründung
    „Und ich warte zwei, drei Tage. Weil zwei, drei Tage killt unser Depot nicht.“ ▶ 1:38:53
    1. Im August vor zwei Jahren stieg sie an einem Paniktag aus, am nächsten Tag kam die Gegenbewegung.
    2. Seitdem schaut sie an solchen Tagen nicht ins Depot.
    3. Wer panisch aussteigt, verliert für sie Rendite und traut sich oft nicht wieder hinein.
  • RätFrauen im Coaching

    Frauen vs. Männer im Coaching: Aus ihrer Erfahrung als Trainerin: Frauen halten sich stärker an Regeln, Männer lassen das Ego früher eingreifen und nehmen Gewinne zu früh mit.

    Dr. Carmen Mayer · bei 2:15

    Zitat & Begründung
    „was ich sehe im Vergleich, ist, dass die Frauen ruhiger sind und dass sie sich mehr an Regeln halten“ ▶ 2:15
    1. Sie unterrichtet hauptsächlich Frauen, es kommen aber auch Männer zu ihr.
    2. Frauen haben nach ihrer Erfahrung mehr Ruhe und können zyklische Phasen aussitzen.
    3. Ein geringeres Ego und Langfristigkeit sieht sie als Vorteil im Swing-Trading.
  • RegelZweites Depot

    Die Glasdecke ist real: Bei 100.000 Euro Depot eröffnete sie ein zweites Depot, nur um die sechsstellige Zahl nicht zu sehen. Erst mit dem wachsenden Unternehmen löste sich die Hürde.

    Dr. Carmen Mayer · bei 1:43:27

    Zitat & Begründung
    „Dann habe ich mir zwei Depots aufgemacht, damit ich nicht sechsstellig bin zum Beispiel.“ ▶ 1:43:27
    1. Bei 100.000 Euro Depot war sie sehr schnell. Die sechsstellige Zahl war für sie eine emotionale Hürde.
    2. So viel hatte sie früher als Angestellte in einem Jahr verdient.
    3. Kleinere Summen zu handeln fiel ihr leichter als eine große.
  • RegelKIGewichtung

    KI als Sparringspartner, nicht als Entscheider: Die KI riet ihr, Outperformer stärker zu gewichten statt gleichzugewichten. Das verbesserte ihre Performance. Rechnen lässt sie die KI nicht: „KI ist sehr auf Sicherheit bewusst.“

    Dr. Carmen Mayer · bei 2:09:37

    Zitat & Begründung
    „Ich setze KI ein, einfach nochmal für so ein Brainstorming. Aber ich überprüfe sie immer.“ ▶ 2:09:37
    1. Früher gewichtete sie Depots gleich, die KI riet ihr, Outperformer stärker zu gewichten.
    2. Das hat ihre Performance nach eigener Aussage verbessert.
    3. Rechnen lässt sie die KI nicht. Die Renditen sind oft falsch, und die KI ist ihr zu sicherheitsbewusst.

Meinungen von Dr. Carmen Mayer aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.

Wie Carmen Mayer aus 2.000 Euro ein siebenstelliges Depot gemacht hat

Ein Haus, das in Düsseldorf 400.000 Euro gekostet hätte, lag in München bei einer Million aufwärts. Carmen Mayer kaufte bei Hugendubel am Marienplatz Rich Dad Poor Dad und las es in einer Nacht. Mit 33 war ihr klar, dass Fleiß und Promotion allein nicht reich machen. Auf einer Börsenkonferenz in München hörte sie Männer über gehebelte Optionen auf Apple reden. Einer bot einen Börsenbrief an und riet der Schwangeren mit Doktor auf dem Namensschild, es selbst zu lernen.

Sie startete mit 2.000 Euro und kaufte nur Long Calls auf amerikanische Aktien, mit einem Hebel von etwa eins zu fünf. Nachts zeichnete sie mit ihrem Mann Kurse und Muster auf das Whiteboard in der Küche. Mehr als 30 Prozent ihres Geldes steckte sie nie in gehebelte Optionen. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter im Juli 2017 verkaufte sie alles und handelte drei Monate gar nicht. Im ersten Jahr kam sie auf 40 oder 42 Prozent. Später verdoppelte sich eine Amazon-Option, für die sie 13.000 oder 20.000 Euro bezahlt hatte, in einer Woche Urlaub.

Im September 2019 brachte sie ihren Podcast heraus, Ende Oktober kam die zweite Tochter. Im März 2020 sah sie zwei große Kerzen im S&P und schloss in der kurzen Gegenbewegung ihr ganzes Depot. Ein Freund, der vorher wie sie 40 bis 50 Prozent im Jahr gemacht hatte, blieb drin und stieg ganz unten aus. Im Mai startete sie ihr Coaching mit fünf Teilnehmern, im Juni kaufte sie wieder.

Die 100.000 Euro erreichte sie schnell, danach die erste Million. Für das Haus nahm sie zum ersten Mal Geld aus dem Depot, sieben Jahre nach dem Start.

So funktioniert Carmen Mayers Outperformer-Strategie

Carmen Mayer handelt nur an der US-Börse, weil die Aktien dort genug Liquidität haben. Ihr Maßstab ist der amerikanische Markt, den will sie schlagen. Die Auswahl beginnt in ihrem Excel-Tool. Was fundamental vorne liegt, muss auch im Kursverlauf der letzten fünf Jahre eine Outperformance zeigen. Microsoft fällt da durch, die Aktie läuft seit Februar nicht mehr. In ihrem Webinar zeigt sie gerade Comfort Systems, Ticker FIX.

Gekauft wird nur im Aufwärtstrend, gegen den Trend ist ihr die Wahrscheinlichkeit zu gering. Ihre Indikatoren sind die gleitenden Durchschnitte. Im Backtest auf Millimeterpapier zeichnete sie S&P und Dow Jones ab, legte den 50er und den 200er Durchschnitt darüber und sah, dass schon diese zwei Linien vor dem großen Teil eines Crashs schützen, solange man nicht gehebelt ist. Der MACD hilft ihr nur beim frühen Einstieg, für den Ausstieg schlägt er zu oft an.

Den Hebel holt sie sich heute über Margin beim Broker auf Top-Aktien, weil sich Long Calls ab ein paar Millionen Depot nicht mehr in der nötigen Menge kaufen lassen. Die Stillhaltergeschäfte schreibt ihr Mann. Alles auf eine Aktie setzt sie nie. Ihr Broker ist CapTrader, dahinter steht Interactive Brokers.

Gewinne lässt sie laufen, solange die Aktie im Trend bleibt. Läuft eine Position in die falsche Richtung, schließt sie sie, bevor es teuer wird. Ein Minus von 10 Prozent im Depot schüttelt sie ab, 30 Prozent im Minus darf das ganze Depot nie sein. Ist der Markt weit von seinen Durchschnitten weggelaufen, rechnet sie mit einer Rückkehr. In Krisen kauft sie Profiteure, im Corona-Crash riet sie Bekannten von Tui und Lufthansa ab. In der Lernphase schaute sie jeden Abend auf die Kurse, heute nicht mehr.

Wie Carmen Mayer als Investorin mit Glasdecken, Panik und Persönlichkeitsarbeit umgeht

„Ich habe nie mein Depot gecrashed, aber ich hatte auch mal zwei Jahre nicht so eine gute Rendite“
– Dr. Carmen Mayer

Nach der Elternzeit bekam Carmen Mayer statt ihrer leitenden Position einen Assistenzjob, das frustrierte sie. Als 2019 der Podcast kam, kündigten ihr einige Freundinnen die Freundschaft, Bekannte fragten, was denn mit ihrem Doktortitel sei. Sie hielt dagegen, dass sie drei Jahre promoviert und drei Jahre an der Börse gehandelt hatte, bevor sie darüber sprach. Der Freund, der sie wegen der Optionen für irre hielt, ist bis heute ihr Freund.

Ein Jahr nach der Firmengründung machte sie nur etwa zehn Prozent, weil sie sich kaum um ihr Depot kümmerte. Am 5. August vor zwei Jahren riefen Teilnehmerinnen sie im Urlaub in Frankreich an, sie verkaufte alles, am nächsten Tag kam die Gegenbewegung. Im August darauf stand ihr Depot einen Monat bei plus minus null, sie hielt still, bis zum Jahresende lief es gut.

Die 100.000 Euro waren für sie so viel wie früher ein Jahresgehalt als Angestellte. Als ihr Unternehmen die erste Million Umsatz machte, wirkte die Summe klein. Sie hat immer einen persönlichen Coach, arbeitet mit Affirmationen und Heilsteinen und schreibt sich große Zahlen auf. Ihr nächstes Ziel ist ein achtstelliges Depot, sie stellt sich schon vor, wie sie 10 Millionen handelt. Auf den Zettel am Bildschirm kommt ihre Regel, nie mehr als 30 Prozent Verlust pro Aktie.

Was das für dich heißt

Dr. Carmen Mayer hat aus 2.000 Euro ein siebenstelliges Depot gemacht. Ihre Regeln sind einfach, und sie hält sich daran:

  • Sie liest keine Nachrichten und entscheidet über Charts und Fundamentaldaten. Wie viele deiner letzten Käufe oder Verkäufe hat eine Schlagzeile ausgelöst?
  • Sie lässt bei keiner Aktie mehr als 30 Prozent Verlust zu. Weißt du vor dem Kauf, bei welchem Verlust du aussteigst?
  • Sie öffnet an Paniktagen ihr Depot nicht und schaut erst zwei, drei Tage später wieder hinein. Was machst du an einem Tag, an dem alle in Panik verkaufen?
  • Sie hat immer einen persönlichen Coach an ihrer Seite. Wer sagt dir ehrlich, wo du dich selbst bremst?

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Wer ist Dr. Carmen Mayer?

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2017 sitzt Carmen Mayer hochschwanger mit ihrer ersten Tochter in München und schaut sich Immobilienpreise an, die für ein Doppelverdiener-Paar nicht erreichbar sind.

Aus den Kommentaren

Mehr Erfahrungen →
@silvia_sl
Danke für das tiefgründige Gespräch. Ich habe bei Carmen einen Aktienkurs durchgeführt. An Optionen habe ich (noch) nicht heran getraut und auch nicht die hohen Renditen erzielt. Aber es hat mir viel Spaß gemacht. Ich bewundere Carmen sehr. Sie hat die Gabe wunderbar zu motivieren und ist dabei absolut authentisch. ❤
@heuw7379
Wenn ich die vorherigen Kommentare lese, polarisiert Carmen, aber das war zu erwarten. Ich fand das interview sehr gut und sie war sehr offen. … Ich selber würde keinen Kurs bei ihr buchen, aber ich finde sie sehr sympathisch und sie verlässt bekannte Pfade, das finde ich inspirierend.
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