Podcast-Gast · Folge 4
Nico Schulze
Nico Schulze setzt mit Optionsscheinen und Knock-outs gehebelt auf Aktien, deren langer Aufwärtstrend sich in den Zahlen zeigt. Sein wikifolio hält rund 20 Werte und hat für Marktkrisen einen festen Notmodus.
Über Nico Schulze
Nico Schulzes erste Berührung mit Geld war ein Sparbuch: Zur Einschulung 2003 brachte ihn sein Opa dazu, die geschenkten rund 600 Euro auf die Bank zu bringen. 2007, mit zehn Jahren, investierte der Opa das inzwischen gewachsene Ersparte in Aktien, darunter die Deutsche Bank. Die Finanzkrise traf das Depot mit voller Wucht und riss es rund 70 Prozent ins Minus.
Über ein Börsenspiel, an dem er unter dem Namen seines Opas teilnahm, sammelte Nico Schulze erste eigene Erfahrungen mit Short-Trades. Mit 18 übernahm er das Depot vollständig und handelte fortan auf eigene Rechnung. Es folgten Jahre mit Optionsscheinen, mehreren Börsenbriefen und teils erheblichen Verlusten, bevor er sich neben dem Studium sein heutiges System erarbeitete. Heute betreibt er das wikifolio „Trendaktien Power*“ hauptberuflich und lebt in Las Palmas.
Coaches oder Mentoren nutzt er bewusst nicht, sein Wissen hat er sich im Selbststudium angeeignet. Wichtig ist ihm Transparenz: Er kommentiert seine Trades öffentlich und erklärt inzwischen, was er gehandelt hat und warum.
So tradet Nico Schulze
Aus dem Gespräch in Folge 4 zusammengefasst. Jede Aussage ist mit der Stelle im Video belegt.
Märkte und Instrumente
Schulze handelt Optionsscheine und Knock-out-Zertifikate auf Einzelaktien. Neue Optionsscheine haben 15 bis 24 Monate Laufzeit, Knock-outs einen Hebel zwischen 2,5 und 4.
„Ich gehe immer bei Optionsschein mit 15 bis 24 Monaten Laufzeit, wenn ich die neu aufnehme und bei Knockouts mit Hebeln zwischen 2,5 und 4.“
▶ Folge 4 · 1:29:59
Haltedauer
Ein einzelner Optionsschein ist auf etwa ein Jahr im Depot angelegt. Läuft er gut, verkauft Schulze ihn und kauft den nächsten mit angepassten Parametern. Die Basiswerte selbst bleiben oft deutlich länger im Depot.
„die sind geplant, dass die schon mal ein Jahr im Depot liegen. Und wenn es gut läuft, verkaufe ich das eine Produkt“
▶ Folge 4 · 1:30:41
Auswahl und Einstieg
Schulze sucht Aktien mit einem Aufwärtstrend über meist fünf bis zehn Jahre, der stärker ist als S&P 500 oder Nasdaq. Der Trend muss sich auch in Umsatz, Gewinn und Prognosen zeigen. Ohne Momentum im Chart kauft er nicht, Ideen kommen aus Stock3, Screenern und den Kommentaren auf wikifolio.
„Ich möchte einen schönen langfristigen Aufwärtstrend haben, der das Wachstum von den Indizes überschreitet.“
▶ Folge 4 · 1:22:26
Portfolio und Positionsgröße
Das wikifolio hält rund 20 Werte, früher waren es 12. Neue Positionen starten mit 3 bis 5 Prozent, Gewinner wachsen von selbst. Spätestens bei 30 Prozent kappt Schulze eine Position auf etwa 20 Prozent.
„Ich habe so einen halbregelbetriebenen Ansatz, dass ich zwischen 3 und 5 Prozent gehe für neue Positionen.“
▶ Folge 4 · 2:08:48
Risiko und Verkauf
Bricht der Trend einer Aktie, fliegt sie komplett aus dem Depot. Die Knock-out-Schwelle legt Schulze so, dass sie erst nach einem Trendbruch erreicht würde.
„Wenn ich einen Trendbruch habe, alles. Dann fliegt die Aktie nämlich raus und dann ist das Ding tot.“
▶ Folge 4 · 1:30:41
Fehler und was daraus wurde
2018 wechselt Schulze zu einem Börsenbrief für 3000 Euro im Jahr, der ein komplexes Optionskonstrukt über ein Bankprodukt abbildet. Das Produkt funktioniert nicht, danach verliert er mit kurzfristigen Optionsscheinen auf Quartalszahlen fast das ganze Restkapital. Seitdem kauft er keine Derivate mehr, die er nicht versteht.
„Derivate, die man nicht versteht, kaufe ich nie wieder.“
▶ Folge 4 · 49:03
Umgang mit Verlusten
Tageseinbrüche von 10 Prozent erschüttern Schulze nicht mehr, meist sind sie nach zwei Tagen vergessen. Bei einem Absturz am Morgen wartet er die US-Eröffnung ab, weil sich das Bild danach oft dreht. Verschärft sich die Lage, greift der Notmodus.
„Die selbe Geschichte, das ist nach zwei Tagen dann wieder vergessen und spätestens nach zwei Monaten.“
▶ Folge 4 · 2:09:58
Arbeitsweise und Werkzeuge
Der Tag beginnt mit dem Blick aufs Depot und den Kommentaren auf wikifolio. Danach liest Schulze fast durchgehend Nachrichten und Analysen aus zwei Premiumdiensten von Stock3, in 19 von 20 Fällen folgt daraus nichts. Gehandelt wird in einem Referenzdepot, das er ins wikifolio kopiert.
„in 19 von 20 Fällen passiert nichts und dieser eine von 20 Fällen dann erwische ich was, was dann tatsächlich ein bisschen die Entscheidungsfindung beeinflusst“
▶ Folge 4 · 2:07:10
Notmodus für Marktkrisen
Fällt der S&P 500 unter seine 200-Tage-Linie oder kommen heftige Makronachrichten, schaltet Schulze in einen Notmodus. Anfangs ging das Depot dann zu 30 Prozent in Cash. Heute sichert er eher mit einem gehebelten Short-Knock-out auf den S&P 500 ab, der nur 5 bis 10 Prozent des Kapitals bindet.
„Der Vorteil der ganzen Geschichte ist, es ist weniger kapitalintensiv. Ich brauche keine 30, sondern vielleicht eher 5 oder 10 Prozent.“
▶ Folge 4 · 1:54:33
Auf beschleunigte Trends setzen
Am liebsten kauft Schulze Aktien, deren bestehender Trend durch neue Faktoren schneller werden kann. Broadcom war so ein Fall, der Trend war da und das KI-Geschäft kam dazu. Solche Positionen bringen mit Optionsscheinen mehrere hundert Prozent in einem Jahr.
„Wenn die Strategie nicht funktioniert, habe ich einen normalen Aufwärtstrend. Wenn diese Zukunftserwartungen aber eintreten, habe ich einen beschleunigten Trend.“
▶ Folge 4 · 1:32:56
Kommentare
Mehr Erfahrungen →gutes Interview, Fragen haben mir am besten gefallen, bin auf das nächste Interview gepannt
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