Begriff · Psychologie
Was ist Geduld an der Börse?
Geduld: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Geduld ist an der Börse die Fähigkeit, auf eine gute Gelegenheit zu warten und eine Position laufen zu lassen, statt aus Langeweile oder Unruhe zu handeln. Sie zeigt sich beim Einstieg, wenn der Preis noch nicht stimmt, und beim Halten, wenn sich eine Aktie monatelang kaum bewegt. Ungeduld führt oft zu häufigem Handeln und zu frühen Verkäufen.
Definition von Geduld
Geduld heißt an der Börse, nicht zu handeln, solange es keinen guten Grund gibt. Das gilt in zwei Richtungen: beim Warten auf einen Einstieg zu einem vernünftigen Preis und beim Halten einer Position, die sich gerade nicht bewegt oder vorübergehend im Minus liegt.
Ungeduld kostet auf mehreren Wegen. Wer sich langweilt, kauft Aktien ohne echten Vorteil, verkauft Gewinner nach wenigen Prozent und wechselt die Strategie, sobald sie ein paar Wochen nicht funktioniert. Jeder dieser Schritte kostet Gebühren und Spread, und die großen Gewinne einzelner Aktien entstehen oft erst über viele Jahre.
Geduld ist nicht dasselbe wie Sturheit. Wer eine Verlustposition ohne Stopp aussitzt, weil sie ja wieder steigen könnte, bricht seine eigenen Regeln. Geduldig ist, wer weiß, worauf er wartet, und vorher festlegt, wann seine Idee widerlegt ist. Im Englischen spricht man von Patience im Trading.
Was kostet Ungeduld?
Ungeduld zeigt sich meist als zu viel Handeln. Jeder Kauf und jeder Verkauf kostet Gebühren und den Spread, also den Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Ein vereinfachtes Beispiel mit gleich großen Positionen:
| Depot | 50.000 € |
|---|---|
| Positionsgröße | 5.000 € |
| Kosten je Order (5 € Gebühr plus 0,1 % Spread) | 10 € |
| 100 Trades im Jahr, je Kauf und Verkauf | 2.000 € (4 % des Depots) |
| 10 Trades im Jahr, je Kauf und Verkauf | 200 € (0,4 % des Depots) |
Mit 100 Trades musst du also 4 Prozent im Jahr mehr verdienen, nur um die Kosten zu decken. Dazu kommt ein Preis, der in keiner Abrechnung steht: Verkaufst du eine Aktie nach 10 Prozent Gewinn, weil es dir zu langsam geht, fehlt dir der Rest der Bewegung, falls das Unternehmen weiter wächst.
Geduld in der Praxis
Geduld lässt sich schwer erzwingen, aber gut organisieren. Ein paar Ansätze aus der Praxis:
- Eine Nacht drüber schlafen: Keine neue Idee wird am selben Tag gekauft. Es gibt Tausende Aktien, die nächste Gelegenheit kommt.
- Den Einstiegspreis vorher festlegen: Ist eine gute Aktie zu teuer, liegt ein Limit im Markt oder sie bleibt auf der Beobachtungsliste.
- Cash als Möglichkeit sehen: Geld muss nicht sofort investiert sein. Es darf auf die richtige Gelegenheit warten.
- Den Stil zur Persönlichkeit passend wählen: Wer schnell entscheidet und nicht monatelang warten kann, ist mit einem kurzfristigen, klar geregelten Handelsstil oft besser bedient als mit Trendfolge über Jahre.
- Ruhige Monate aushalten: Ein Depot, das einen Monat lang bei plus minus null steht, beweist noch nicht, dass die Strategie nicht funktioniert.
Wer weiß, dass er ungeduldig ist, kann seine Regeln darum herum bauen, statt sich allein auf Willenskraft zu verlassen.
Geduld bei [Bulle & Mensch]
Bei [Bulle & Mensch] erzählen mehrere meiner Gäste, dass sie Geduld erst lernen mussten. Michael Pisnyachevskiy hat Microsoft nach einem kleinen Anstieg sofort wieder verkauft, weil ihm Investieren viel zu langsam war. David Pieper weiß, dass Trendfolge langfristig funktioniert, und hat trotzdem gemerkt, dass er dafür zu ungeduldig ist. Dr. Carmen Mayer hatte einen August mit plus minus null im Depot und hat danach nicht alles hingeschmissen. Bis zum Jahresende hat sich ihr Depot gut entwickelt.
Andere haben Geduld zur Regel gemacht. Dominik Doster nennt sich einen sehr geduldigen Investor und kauft eine Qualitätsaktie erst, wenn der Preis ihm genug Rendite verspricht. Till Schwalm würde sich „Hab Geduld“ an den Bildschirm kleben, gleich nach dem Satz, dass Rendite im Unternehmen entsteht und nicht an der Börse. Uwe Jännert rät, über jede neue Idee eine Nacht zu schlafen. Für Tim Schäfer kommen die großen Renditen in seinem Depot über Geduld.
Was meine Gäste über Geduld sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Dominik Doster | Kauft nur bei ganz großen Chancen |
| Till Schwalm | Zweiter Satz am Bildschirm: Hab Geduld |
| Dr. Carmen Mayer | Ruhig bleiben, wenn das Depot stillsteht |
| David Pieper | Für Trendfolge zu ungeduldig |
| Uwe Jännert | Über jede neue Idee eine Nacht schlafen |
| Michael Pisnyachevskiy | Zu früh verkauft, weil es zu langsam ging |
Die Aussagen im Wortlaut
Kauft nur bei ganz großen Chancen
„Grundsätzlich warte ich. Ich bin eigentlich ein sehr, sehr, sehr geduldiger Investor. Ich investiere immer nur bei ganz großen Chancen. […] Deshalb warte ich da schon geduldig, bis es mal wieder fällt oder bis ich mir mehr Rendite davon erhoffe.“
Zweiter Satz am Bildschirm: Hab Geduld
„Da steht natürlich drauf: Rendite entsteht im Unternehmen und nicht an der Börse. […] Hab Geduld. Das ist der zweite [Satz].“
Ruhig bleiben, wenn das Depot stillsteht
„Ich habe im August plus minus null gemacht. Und das hat mich nochmal gelehrt, diese Geduld zu haben. Nicht dann alles hinzuschmeißen und sagen, es funktioniert nicht. […] sondern wirklich da in der Ruhe zu bleiben. Und dann hat sich das super entwickelt, weiß ich noch, bis Ende des Jahres.“
Für Trendfolge zu ungeduldig
„[Bei Trendfolgestrategien] habe ich sehr oft gemerkt: Ich weiß, dass sie langfristig funktionieren, habe aber gemerkt, ich bin da viel zu ungeduldig dafür.“
Über jede neue Idee eine Nacht schlafen
„Keine Idee ist so gut und so wichtig, dass du sie sofort machen kannst. Schlaf eine Nacht drüber. […] Und selbst wenn du die eine gute Idee verpennt hast, hab ein bisschen Geduld. Es gibt auch noch weitere.“
Zu früh verkauft, weil es zu langsam ging
„Ganz kurz hatte ich Microsoft, dann ist es ein bisschen hochgegangen, ich habe es sofort wieder verkauft. Das ist ungeduldig. […] Das Problem im Investieren war, es geht einfach alles viel zu langsam.“



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