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Was ist Value Investing?

Value Investing: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.

Kurz erklärt

Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der Anleger Aktien kaufen, die an der Börse weniger kosten, als das Unternehmen nach ihrer Einschätzung wert ist. Die Idee geht auf Benjamin Graham zurück und wurde durch Warren Buffett bekannt. Zentral sind der innere Wert, der Abstand zum Kurs als Sicherheitsmarge und ein langer Anlagehorizont.

Value Investing: Definition und Erklärung

Value Investing heißt auf Deutsch wertorientiertes Investieren. Anleger schätzen, was ein Unternehmen wirklich wert ist, den sogenannten inneren Wert, und kaufen nur, wenn der Börsenkurs deutlich darunter liegt. Kurzfristige Kursbewegungen spielen dabei eine Nebenrolle.

Begründet hat den Ansatz Benjamin Graham, der an der Columbia University lehrte und die Bücher Security Analysis und The Intelligent Investor schrieb. Graham suchte vor allem Aktien, die gemessen an Gewinn und Substanzwert billig waren, im Extremfall sogar unter dem Wert des Umlaufvermögens abzüglich aller Schulden. Sein bekanntester Schüler Warren Buffett erweiterte das Prinzip: lieber ein hervorragendes Unternehmen zu einem fairen Preis als ein mittelmäßiges zu einem billigen.

Als Gegenpol gilt oft Growth Investing, also das Investieren in schnell wachsende Unternehmen. Die Grenze ist aber fließend, denn auch künftiges Wachstum ist Teil des Werts eines Unternehmens.

Value Investing: so funktioniert die Sicherheitsmarge

Kern des Value Investing ist der Vergleich von zwei Zahlen: dem geschätzten inneren Wert je Aktie und dem aktuellen Kurs. Den inneren Wert ermitteln Anleger zum Beispiel über abgezinste künftige Gewinne oder Cashflows, über den Vergleich mit ähnlichen Unternehmen oder über die Substanz in der Bilanz.

Der Abstand zwischen innerem Wert und Kurs heißt Margin of Safety, auf Deutsch Sicherheitsmarge. Er soll Fehler in der eigenen Schätzung abfedern.

Geschätzter innerer Wert je Aktie50 €
Aktueller Kurs35 €
Abstand15 €
Sicherheitsmarge30 %

Die Formel: Sicherheitsmarge = (innerer Wert − Kurs) ÷ innerer Wert. Ist der tatsächliche Wert 20 Prozent niedriger als geschätzt, also 40 Euro, liegt der Kurs von 35 Euro immer noch darunter. Viele Value-Investoren kaufen deshalb erst ab einer deutlichen Sicherheitsmarge.

Typische Kennzahlen bei der Suche nach unterbewerteten Aktien:

KennzahlWas sie zeigt
KGVPreis je Euro Gewinn
Kurs-Buchwert-VerhältnisPreis im Verhältnis zur Substanz
Free-Cashflow-Renditefrei verfügbares Geld im Verhältnis zum Börsenwert
Verschuldungwie belastbar das Unternehmen ist

Value Investing in der Praxis

In der Praxis ist Value Investing vor allem eine Frage von Geduld und Disziplin. Unterbewertete Aktien können lange unterbewertet bleiben, und Value-Strategien liegen in starken Wachstumsphasen manchmal über Jahre hinter dem Gesamtmarkt.

Worauf Value-Investoren typischerweise achten:

Viele Anleger kombinieren Value heute mit anderen Ansätzen, etwa mit Qualitätskriterien oder mit Momentum. Klassische Value-Indizes trennen dagegen meist mechanisch nach Kennzahlen wie dem Kurs-Buchwert-Verhältnis.

Value Investing bei [Bulle & Mensch]

Value Investing ist bei [Bulle & Mensch] eines der großen Streitthemen. Dominik Doster nennt sich einen klassischen Value-Investor, will aber wie Warren Buffett Qualitätsunternehmen zu einem günstigen Preis statt reiner Schnäppchen. Till Schwalm kam über genau dieses Mantra zur Börse und hat sich später von billigen Aktien hin zu Qualität und Wachstum entwickelt. Dr. Hendrik Leber hält die gängige Trennung in Value und Growth für zu kurz gegriffen und sieht Value auch in hoch bewerteten Firmen, wenn die künftigen Cashflows stimmen.

Stefan Meißner hat den frühen Buffett und Benjamin Graham lange studiert und steht dem reinen Sortieren nach niedrigem KGV heute skeptisch gegenüber. Larissa Kravitz beobachtet, dass Value immer wieder totgesagt wird und sich gerade in schwachen Marktphasen behauptet, und Tim Schäfer erinnert daran, in der Euphorie die Fundamentaldaten nicht aus dem Auge zu verlieren. Die deutlichste Gegenposition vertritt Bernhard Mitterlehner: Value Investing sei klug, aber es macht jeder, deshalb lasse sich damit kaum noch eine Überrendite erzielen.

💬 Was unsere Gäste über Value Investing sagen

Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.

Unterschiedliche Perspektiven

GastAnsatz
Dr. Dr. Rainer ZitelmannGutes Unternehmen ≠ gutes Investment, der Preis zählt
Larissa KravitzValue wird oft totgesagt, glänzt in schwachen Phasen
Hendrik LeberValue steckt auch in wachsenden Firmen
Stefan MeißnerNur nach niedrigem KGV zu sortieren reicht nicht mehr
Till SchwalmGute Unternehmen zu einem günstigen Preis
Paul PleusFairer Wert aus Kennzahlen zeigt das Potenzial
David PieperValue schaut auf den Wert, Momentum auf den Preis
Uwe JännertValue-Kriterien, aber kombiniert mit Momentum
Bernhard MitterlehnerGegenposition: Weil es jeder macht, bringt es nichts mehr

Die Aussagen im Wortlaut

Gutes Unternehmen ≠ gutes Investment, der Preis zählt

„Aber es gibt halt viele, die keine Ahnung haben und die denken dann, ein gutes Unternehmen ist auch ein gutes Investment. Nein, natürlich nicht. Es kommt ja immer auf den Preis drauf an, den man am Schluss bezahlt.“
Dr. Dr. Rainer Zitelmann Folge 33: Aus 0 Euro wurden 4 Millionen: Wie Rainer Zitelmann gegen den Rat der Bank Vermögen aufbaute ▶ 55:54 auf YouTube

Value wird oft totgesagt, glänzt in schwachen Phasen

„Immer wenn so eine Growth-Aktienphase ist, dann heißt es immer Value is dead. So far Value hasn't died, it's just more active in negative market phases.“
Larissa Kravitz Folge 32: Kein ETF ist sicher: Warum Larissa Kravitz vor der stillen Marktverzerrung durch ETF-Sparpläne warnt ▶ 1:29:07 auf YouTube

Value steckt auch in wachsenden Firmen

„Das ist für mich Value, obwohl jeder andere sagt, wo ist denn hier der Value? Viel zu hoch bewertet vom Buchwert her, vom Gewinn, aber ich sehe einfach die zukünftigen Cashflows reinkommen und finde, das ist Value.“
Hendrik Leber Folge 28: Vom Warren-Buffett-Jünger zum KI-Investor ▶ 10:31 auf YouTube

Nur nach niedrigem KGV zu sortieren reicht nicht mehr

„Ich denke mal so die klassischste und einfachste Kennzahl für Value Investoren ist wahrscheinlich das KGV […]. Wobei ich dem inzwischen skeptischer gegenüberstehe. […] blind nach Low-KGV-Aktien zu sortieren funktioniert heute nicht mehr so überragend.“
Stefan Meißner Folge 27: Nie in Cash: Wie Stefan Meißner mit seinem Yield-Investing-System die Börse schlägt ▶ 12:39 auf YouTube

Gute Unternehmen zu einem günstigen Preis

„Ich wusste noch nicht, dass das Value Investing heißt, aber habe ich sozusagen für mich den Weg gefunden, dass ich versuche, […] gute Unternehmen zu einem günstigen Preis zu kaufen. Das Mantra ein bisschen von Warren Buffett.“
Till Schwalm Folge 21: Wird künstliche Intelligenz bald besser investieren als wir? ▶ 04:14 auf YouTube

Fairer Wert aus Kennzahlen zeigt das Potenzial

„Und in diesen Modellen kommt eben auch ganz klar raus, was ist der faire Wert dieser Aktie. Daraus kann ich eben berechnen, wie viel Potenzial eine Aktie hat. […] Diese ganzen Werte packe ich zusammen und sage, diese Aktie müsste eigentlich den und den Wert haben. Deswegen sage ich mir auch bei diesen Nebenwerten, ich weiß was sie wert sind.“
Paul Pleus Folge 12: +79,7% Rendite bei minimaler Vola: Das 40-Jahre-Börsensystem von Ex-Citibank-Direktor Paul Pleus ▶ 1:49:17 auf YouTube

Value schaut auf den Wert, Momentum auf den Preis

„In der akademischen Forschung sagt man, die einen sind die Value Investoren und die anderen sind die Momentum Trader. […] So, das heißt, die einen schauen nach dem Wert und die anderen schauen nach dem Preis.“
David Pieper Folge 10: Vom Bankanalysten zum Options-Stillhalter: Wie David Pieper mit technischer Analyse ein zweites Börseneinkommen aufbaut ▶ 15:08 auf YouTube

Value-Kriterien, aber kombiniert mit Momentum

„Erstmal finde ich es für mich persönlich wieder wichtig, dass praktisch ich das Geschäftsmodell verstehe. Dann ist es für mich wichtig, dass man eine Historie hat. Dann ist es für mich wichtig, dass man Gewinne schreibt, der Cashflow positiv ist. […] Ich bin […] kein sturer Value Investor, weil ich eben auch noch das Momentum mit dazu nehme.“
Uwe Jännert Folge 8: Vom Hebelkönig zum defensiven Nebenwerte-Strategen: Wie Uwe Jännert 37 Jahre an der Börse überlebt hat ▶ 1:15:13 auf YouTube

Gegenposition: Weil es jeder macht, bringt es nichts mehr

„Deswegen funktioniert auch Value Investing nicht mehr. Nicht weil es dumm ist […]. Das ist gescheit, aber es macht jeder. Du kannst keine Out-Performance damit erzielen.“
Bernhard Mitterlehner Folge 3: Warum Verluste vermeiden wichtiger ist als Rendite maximieren: Die Momentum-Strategie von Bernhard Mitterlehner ▶ 1:28:43 auf YouTube

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