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Was ist Momentum?
Momentum: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Das Momentum ist die Stärke und Richtung einer Kursbewegung über einen bestimmten Zeitraum. Momentum-Strategien kaufen Aktien, Indizes oder ETFs, die zuletzt besser gelaufen sind als andere, und meiden die schwachen. Dahinter steht die gut belegte Beobachtung, dass starke Kursentwicklungen oft noch eine Weile anhalten, bis der Trend dreht.
Momentum: Definition und Erklärung
Das Momentum beschreibt, wie kräftig sich ein Kurs zuletzt in eine Richtung bewegt hat. Steigt eine Aktie in zwölf Monaten um 40 Prozent, während der Markt nur 10 Prozent zulegt, hat sie ein starkes positives Momentum.
In der Forschung zählt Momentum zu den am besten dokumentierten Renditefaktoren. Studien zeigen seit den 1990er-Jahren, dass Aktien mit den stärksten Kursen der letzten 3 bis 12 Monate im Schnitt auch in den folgenden Monaten besser abschneiden als die schwächsten. Erklärt wird das meist mit dem Verhalten der Anleger: Neue Informationen werden nur schrittweise eingepreist, und steigende Kurse ziehen weitere Käufer an.
Man unterscheidet zwei Formen. Beim absoluten Momentum zählt nur, ob ein Wert selbst gestiegen ist. Beim relativen Momentum, auch relative Stärke genannt, werden mehrere Werte verglichen und die stärksten ausgewählt. Kombiniert man beides, spricht man von Dual Momentum.
Momentum berechnen: so funktioniert die Momentum-Strategie
Das einfachste Maß ist die Kursveränderung über einen festen Zeitraum, meist 6 oder 12 Monate. Oft wird der letzte Monat ausgelassen, weil Kurse kurzfristig eher zurückpendeln.
Ein Beispiel für relatives Momentum mit drei ETFs über 12 Monate:
| Aktien USA | plus 18 % |
|---|---|
| Aktien Europa | plus 9 % |
| Aktien Schwellenländer | minus 4 % |
| Ausgewählt | Aktien USA |
Die Formel: Momentum = (aktueller Kurs − Kurs vor 12 Monaten) ÷ Kurs vor 12 Monaten. Gekauft wird der stärkste Wert oder das stärkste Drittel. Beim absoluten Momentum kommt ein zweiter Filter dazu: Ist auch der stärkste Wert im Minus, geht das Geld in Anleihen oder Cash.
In festen Abständen, etwa monatlich, wird neu gerechnet. Verliert ein Wert sein Momentum, wird er gegen einen stärkeren getauscht. Diese regelmäßige Umschichtung heißt Rebalancing.
Momentum in der Praxis
Momentum ist kein Garant für Gewinne. Die Strategie funktioniert in langen Trends gut und leidet, wenn der Markt abrupt dreht. Solche Momentum-Crashs gab es etwa 2009, als die vorher schwächsten Aktien plötzlich am stärksten stiegen.
Worauf es in der Praxis ankommt:
- Zeitraum festlegen: 3, 6 oder 12 Monate, und dabei bleiben,
- regelmäßig überprüfen: monatlich oder quartalsweise, nicht nach Gefühl,
- Kosten beachten: häufiges Umschichten verursacht Gebühren und Steuern,
- Ausstieg planen: Momentum dreht oft schneller, als man denkt.
Viele Anleger kombinieren Momentum mit anderen Ansätzen, zum Beispiel mit Value oder Qualität. Die Idee dahinter: Die Faktoren gleichen sich aus, wenn einer gerade nicht funktioniert. Es gibt auch ETFs, die Momentum-Aktien nach festen Regeln auswählen, etwa aus dem MSCI World.
Momentum bei [Bulle & Mensch]
Für einige Gäste ist Momentum das Herzstück. Bernhard Mitterlehner setzt bei seinen ETF-Strategien vor allem auf Momentum und sieht den größten Vorteil darin, in Krisen weniger zu verlieren. Paul Pleus und Philipp Haas verbinden Momentum mit Fundamentaldaten: Paul Pleus hat gelernt, dass günstige Aktien lange günstig bleiben können, Philipp Haas gewichtet Aktien mit positivem Momentum höher. Larissa Kravitz kombiniert Momentum mit Value und warnt, dass Momentum der volatilste Faktor ist.
Es gibt auch Gegenstimmen. Dr. Hendrik Leber hält Momentum für das Gegenteil seines Stils: Nur weil andere eine Aktie kaufen, sei sie noch lange nicht gut. David Pieper beschreibt die zwei Lager der Forschung, Value-Investoren, die auf den Wert schauen, und Momentum-Trader, die auf den Preis schauen. Tim Schäfer war früher Momentuminvestor und erlebte, wie sein Depot um das Jahr 2000 abstürzte, und Till Schwalm lässt kleine Firmen laufen, sobald das Momentum einmal drin ist.
💬 Was unsere Gäste über Momentum sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Larissa Kravitz | Momentum ist der volatilste Faktor |
| Hendrik Leber | Gegenposition: Momentum ist kein Value |
| Philipp Haas | Positives Momentum erhöht die Gewichtung |
| Michael Kranich | Relative Stärke für Aktien und Indizes |
| Christian Jagd | Relative Stärke als zentraler Hinweisgeber |
| Till Schwalm | Momentum bei Nebenwerten hält oft lange an |
| Paul Pleus | Günstig allein reicht nicht: Momentum als Auslöser |
| David Pieper | Momentum schaut auf den Preis, Value auf den Wert |
| Bernhard Mitterlehner | Größter Vorteil: weniger Verluste in Krisen |
Die Aussagen im Wortlaut
Momentum ist der volatilste Faktor
„Das heißt, da muss man schon mit einigem an Volatilität rechnen. Gerade Momentum. Momentum ist der volatilste Faktor. Momentum Value ist so eine Basiskombination und das ziehe ich über die Regionen drüber.“
Gegenposition: Momentum ist kein Value
„Wenn aber jemand kauft, weil die Aktie schon so gut gestiegen ist, dann ist das Momentum. Das hat mit meinem Stil überhaupt gar nichts zu tun. Nur weil andere Leute sagen, ich möchte mehr von dieser Aktie haben, heißt das ja überhaupt nicht, dass sie gut ist.“
Positives Momentum erhöht die Gewichtung
„Eine Aktie ist dann höher gewichtet, wenn sie ein positives Momentum hat und hilft oft auch als Reality-Check gerade auf zehn Jahre. Wenn ich mir einen zehn Jahre oder 20 Jahre Chart anschaue und das geht relativ stetig nach oben, dann macht die Firma was richtig.“
Relative Stärke für Aktien und Indizes
„Zum einen dieses System der relativen Stärke, da gibt es auch diverse Studien darüber, ist ja mit einer der besten, die es gibt, jetzt auf die Aktien gesehen. Ich habe das dann einfach für die Indizes auch noch mal adaptiert.“
Relative Stärke als zentraler Hinweisgeber
„Irgendwo muss ich das Alpha hergenerieren, also die Überrendite, die sich nicht mit dem allgemeinen Marktrendite erklären lässt sozusagen. Und da ist die relative Stärke schon immer ein sehr guter Hinweisgeber. Wenn Märkte runtergehen, schauen, was passiert mit meiner Position. Leidet die übermäßig oder hält die sich vielleicht gut?“
Momentum bei Nebenwerten hält oft lange an
„Kleine Unternehmen kann ich deutlich besser, länger halten, wenn sie gut laufen. Wenn sie gut anfangen zu laufen, das Momentum mal in einem kleinen Unternehmen drin ist, dann läuft es meistens richtig gut und dann überraschen die mich meistens auf der positiven Seite.“
Günstig allein reicht nicht: Momentum als Auslöser
„Heute sage ich, die ist günstig, aber die kann auch ganz lange günstig bleiben und deswegen ist mein Stil so ein bisschen mehr, dass ich das Momentum immer mehr mitberücksichtige, dass ich sage, jetzt merkt auch der Markt das oder sieht das Gleiche, was ich auch sehe.“
Momentum schaut auf den Preis, Value auf den Wert
„In der akademischen Forschung sagt man, die einen sind die Value Investoren und die anderen sind die Momentum Trader. […] Das heißt, die einen schauen nach dem Wert und die anderen schauen nach dem Preis.“
Größter Vorteil: weniger Verluste in Krisen
„Der grosse Vorteil von Momentum Investing ist nicht, dass man mehr Geld verdient, sondern dass man weniger Geld verliert, dann wenn es kritisch wird.“
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