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Begriff · Trading

Was ist Market Timing?

Market Timing: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.

Kurz erklärt

Market Timing ist der Versuch, Ein- und Ausstiege am Aktienmarkt nach der erwarteten Marktlage zu steuern: vor Rückgängen verkaufen oder Cash halten, vor Anstiegen wieder einsteigen. Befürworter nutzen Signale wie Trend, Bewertung oder Stimmung. Kritiker halten dagegen, dass sich kurzfristige Marktbewegungen kaum vorhersagen lassen und verpasste Erholungstage viel Rendite kosten.

Definition von Market Timing

Market Timing bezeichnet alle Versuche, den Investitionsgrad nach der Marktlage zu steuern. Wer Market Timing betreibt, verkauft Aktien oder baut Cash auf, wenn er fallende Kurse erwartet, und steigt wieder ein, wenn er mit steigenden Kursen rechnet. Das Gegenmodell ist die Buy-and-hold-Strategie, die im Englischen oft mit dem Satz Time in the market beats timing the market zusammengefasst wird: Es komme auf die Zeit an, die das Geld investiert ist, nicht auf den perfekten Zeitpunkt.

Das Hauptargument der Kritiker: Kurzfristige Marktbewegungen lassen sich kaum zuverlässig vorhersagen. Hinzu kommt, dass die stärksten Anstiegstage oft direkt auf die schwersten Einbrüche folgen. Wer nach einem Absturz aussteigt, verpasst häufig genau diese Erholungstage. Auswertungen großer Indizes zeigen regelmäßig, dass schon wenige verpasste Top-Tage die langfristige Rendite deutlich drücken. Market Timing verlangt deshalb zwei richtige Entscheidungen: den Ausstieg und den Wiedereinstieg.

Befürworter halten dagegen, dass Market Timing vor allem große Verluste in Bärenmärkten begrenzen soll. Perfekte Hoch- und Tiefpunkte muss es dafür nicht treffen. Sie arbeiten mit festen Regeln statt mit Bauchgefühl, etwa mit Trendfiltern wie der 200-Tage-Linie, Bewertungskennzahlen, Zinsdaten oder Stimmungsindikatoren. Zwischen den Extremen gibt es viele Mischformen: eine schwankende Cash-Quote, kleinere Positionen bei Gegenwind, Absicherungen über Indizes oder gestaffelte Käufe und Verkäufe in Tranchen.

Wie funktioniert Market Timing mit Signalen?

Regelbasiertes Market Timing übersetzt die Marktlage in ein klares Signal, das festlegt, wie viel Kapital investiert ist. Verbreitet sind Ampelsysteme: Mehrere Indikatoren werden einzeln als positiv oder negativ bewertet und dann zu einer Gesamtampel zusammengefasst. Ein vereinfachtes Beispiel mit vier Indikatoren:

Trend des Gesamtmarkts (Index über 200-Tage-Linie)grün
Relative Stärke des Landesindexgrün
Bewertung des Marktesrot
Zins- und Liquiditätsumfeldrot
Positive Indikatoren2 von 4
Gesamtampelgrün: vorhandenes Cash wird investiert

Die Regel dahinter könnte lauten: Zwei oder mehr positive Indikatoren ergeben Grün, einer ergibt Gelb, keiner ergibt Rot. Bei Grün wird Cash investiert, bei Gelb werden keine neuen Positionen aufgebaut, bei Rot wird Cash gehalten oder das Depot über einen Index abgesichert.

Wichtig ist, dass solche Systeme nie fehlerfrei sind. Sie liefern Fehlsignale, gerade in Seitwärtsphasen, und können einen schnellen Wiederanstieg verpassen. Ihr Nutzen zeigt sich erst über mehrere Marktzyklen, und nur, wenn die Signale auch konsequent umgesetzt werden.

Market Timing in der Praxis

In der Praxis ist Market Timing selten ein Entweder-oder. Viele erfahrene Marktteilnehmer bleiben grundsätzlich investiert und steuern nur am Rand: Sie erhöhen die Cash-Quote etwas, wenn die Märkte heiß gelaufen sind, oder bauen neue Positionen bei Gegenwind kleiner auf. Andere verzichten bewusst ganz darauf, weil sie sich die Vorhersage nicht zutrauen, und setzen stattdessen auf Diversifikation und Zeit.

Wer Market Timing betreibt, sollte die typischen Fallen kennen. Die größte ist das Handeln gegen das eigene System aus Angst oder Euphorie. Die zweite ist der verpasste Wiedereinstieg: Nach einem Verkauf fällt es oft schwer, zu höheren Kursen zurückzukaufen. Hilfreich sind deshalb:

  • feste, vorab definierte Regeln für Aus- und Wiedereinstieg,
  • gestaffelte Käufe und Verkäufe in Tranchen statt alles auf einen Schlag,
  • eine Obergrenze für die Cash-Quote, damit Timing-Fehler nicht das ganze Depot treffen,
  • ein Portfolio, das verschiedene Marktphasen aushält, ohne dass es beim ersten Rücksetzer komplett umgebaut werden muss.

Market Timing bei [Bulle & Mensch]

Einige Gäste steuern ihren Investitionsgrad bewusst nach der Marktlage. Michael Kranich arbeitet mit einer Börsenampel aus vier Indikatorgruppen: Bei Grün investiert er freies Cash, bei Rot sichert er über den Index ab. Perfektes Timing verspricht er dabei nicht, und nachdem er einmal gegen seine Ampel gehandelt hatte, handelt er nur noch strikt nach System. Torsten Maus kombiniert Trendfolge mit Marktphasenoptimierung über Zinsen, Frühindikatoren und Sektorrotation, Philipp Haas gewichtet Regionen über eine Makro-Ampel aus Bewertung, Momentum, Wachstum und Sentiment. Dominik Doster betreibt nach eigenen Worten nur ein kleines Timing über die Cash-Quote, und Dr. Dr. Rainer Zitelmann diskutierte mit Gerd Kommer, ob extreme Bewertungen einen Teilausstieg rechtfertigen.

Viele Gäste halten dagegen. Mirco Recksiek und Christian Jagd berufen sich auf den Satz Time in the market beats timing the market, Christian Jagd sitzt ungern auf Cash. Larissa Kravitz baut ihr Portfolio so, dass sie es bei den ersten Anzeichen eines Bärenmarkts nicht umwerfen muss, weil gerade das extreme Timing-Risiken erzeuge.

Was meine Gäste über Market Timing sagen

Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.

Unterschiedliche Perspektiven

GastAnsatz
Dominik DosterNur kleines Timing über die Cash-Quote
Dr. Dr. Rainer ZitelmannTeilausstieg bei extremen Bewertungen?
Larissa KravitzPortfolio statt Timing-Wette
Mirco RecksiekTime in the market als Grundregel
Stefan MeißnerKein Timing, sondern langfristig investiert
Philipp HaasMakro-Ampel für die Regionengewichtung
Christian JagdLieber investiert als auf Cash
Torsten MausMarktphase bestimmt das Risiko

Die Aussagen im Wortlaut

Nur kleines Timing über die Cash-Quote

„Ich bin schon überzeugt davon, dass Aktienmärkte langfristig deutlich stärker steigen als Cash, und deshalb will ich auch in Aktienmärkten drin sein und da kein großes Timing betreiben, sondern eher ein kleines Timing. Wenn die Aktienmärkte steigen wie aktuell, dann gehe ich ein bisschen mehr in Cash.“
Dominik Doster  Folge 35: Börse ist Kunst, keine Mathematik: Dominik Dosters defensive wikifolio-Strategie 43:49 auf YouTube

Teilausstieg bei extremen Bewertungen?

„Ich weiß, Sie sind Gegner vom Market Timing, aber gibt es nicht theoretisch auch eine Situation, wo die Bewertungen aus bestimmten analytischen Gründen so extrem hoch sind, dass Sie sagen, es ist jetzt doch richtig, zumindest mit einem Teil auszusteigen?“
Dr. Dr. Rainer Zitelmann Folge 33: Aus 0 Euro wurden 4 Millionen: Wie Rainer Zitelmann gegen den Rat der Bank Vermögen aufbaute 28:58 auf YouTube

Portfolio statt Timing-Wette

„Was ich nicht möchte, ist, dass ich ein Portfolio habe, das ich in seiner Grundstruktur bei den ersten Anzeichen eines Bärenmarktes komplett verändern muss […], weil ich glaube, dadurch ergeben sich extreme Timing-Risiken.“
Larissa Kravitz Folge 32: Kein ETF ist sicher: Warum Larissa Kravitz vor der stillen Marktverzerrung durch ETF-Sparpläne warnt 1:40:18 auf YouTube

Time in the market als Grundregel

„Time in the Market beats Timing the Market. Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis. Eine super einfache Regel, die aber einfach wahr ist. Die absolute Grundlage überhaupt für Investitionen.“
Mirco Recksiek Folge 29: Bitcoin auf 100 Millionen $? - Seine Prognose schockiert! 2:04:04 auf YouTube

Kein Timing, sondern langfristig investiert

„Wenn jemand natürlich Market Timing betreibt, dann kann das natürlich auch […], wenn es ihm gelingt, eine gute Idee sein. Aber ich bin der Meinung, dass ich den Markt kurzfristig nicht vorhersagen kann. Vielleicht können es manche, aber es ist nicht mein Anspruch. Ich bin der Meinung, dass der Markt langfristig steigt.“
Stefan Meißner  Folge 27: Nie in Cash: Wie Stefan Meißner mit seinem Yield-Investing-System die Börse schlägt 53:40 auf YouTube

Makro-Ampel für die Regionengewichtung

„Dann gibt es eine Standardallokation, zum Beispiel USA, glaube ich, 35 Prozent. Und dann gibt es fünf Kriterien, auch mit Ampel, mit plus eins, minus eins. Das erste wäre die Bewertung des Marktes […]. Dann das zweite wäre Momentum des Marktes.“
Philipp Haas  Folge 25: Warum dieser Fondsmanager auf Gehalt verzichtet und nur verdient, wenn seine Anleger verdienen 55:45 auf YouTube

Lieber investiert als auf Cash

„Ich bin kein Freund vom Cash, […] ich sage auch lieber, wie heißt so schön: Time in the Market schlägt Timing the Market. […] Ich sitze ungern auf Cash. Das widerspricht meiner eigenen Psyche.“
Christian Jagd  Folge 22: Ex-Xetra-Händler verrät: So handeln Profi-Trader wirklich 1:49:46 auf YouTube

Marktphase bestimmt das Risiko

„Ich bin der Meinung, dass Trendfolge alleine nicht funktioniert. Deswegen ist meine Strategie auch eine Kombination aus zwei Dingen: einmal die Trendfolge, und das zweite Thema ist Marktphasenoptimierung. Und Marktphasenoptimierung heißt: Was erwarte ich vom Gesamtmarkt? Geht der seitwärts, geht der hoch oder geht der runter?“
Torsten Maus  Folge 5: Warum Torsten Maus 95 Prozent aller Kaufsignale konsequent ignoriert 20:54 auf YouTube
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