Begriff · Psychologie
Was ist Bauchgefühl beim Investieren?
Bauchgefühl: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Bauchgefühl ist eine schnelle Einschätzung, die sich als Gefühl meldet, bevor eine Begründung bereitsteht. Bei Geldanlage und Trading speist es sich oft aus Erfahrung: Wer viele ähnliche Situationen erlebt hat, erkennt Muster, ohne sie sofort benennen zu können. Es kann auf Chancen und Risiken hinweisen, kann aber genauso von Angst, Gier oder Wunschdenken gefärbt sein.
Definition von Bauchgefühl
In der Psychologie gilt Intuition als eine Form von implizitem Wissen. Gemeint ist Wissen, das durch Erfahrung entsteht und sich nur teilweise in Worte fassen lässt. Ein Anleger, der seit Jahren Geschäftsberichte liest, bemerkt manchmal ein Missverhältnis, bevor er es beziffern kann. Eine Traderin, die tausende Charts gesehen hat, spürt, dass ein Setup schwächer aussieht als sonst.
Dieselbe Empfindung kann aber auch aus Emotionen stammen. Angst vor Verlusten, Freude über einen Gewinn oder der Wunsch, bei einem steigenden Kurs dabei zu sein, fühlen sich im Moment ebenso eindeutig an. Von außen lässt sich kaum unterscheiden, ob ein Gefühl auf Erfahrung beruht oder auf Stimmung. Deshalb verbinden viele Investoren und Trader ihr Bauchgefühl mit festen Regeln, die eine Entscheidung im Zweifel absichern.
Wie entsteht Bauchgefühl beim Investieren?
Das Gehirn speichert Erfahrungen und gleicht neue Situationen unbewusst mit ihnen ab. Ähnelt eine Lage früheren Fällen, meldet sich ein Eindruck, lange bevor eine bewusste Analyse fertig ist. Dieses Erfahrungswissen wird zuverlässiger, je öfter jemand eine Situation erlebt und je klarer er erfährt, ob seine Einschätzung richtig war.
An der Börse ist diese Rückmeldung oft unscharf. Eine Aktie kann aus Zufall steigen, obwohl die Entscheidung schlecht begründet war. Ein Trade kann verlieren, obwohl er gut geplant war. Wer wenig Erfahrung hat, verwechselt deshalb leicht Glück mit Gespür. Hinzu kommt, dass Emotionen wie Angst und Gier dasselbe Signal senden können wie echtes Erfahrungswissen.
| Merkmal | Bauchgefühl | Feste Regel |
|---|---|
| Grundlage | Erfahrung und Stimmung | vorher festgelegte Kriterien |
| Tempo | sofort da | braucht Vorbereitung |
| Nachprüfbarkeit | schwer zu begründen | im Rückblick überprüfbar |
| Stärke | erkennt Muster und Zwischentöne | schützt vor spontanen Fehlern |
| Schwäche | anfällig für Angst und Gier | übersieht Ungewöhnliches |
Bauchgefühl in der Praxis
Viele Anleger nutzen ihr Bauchgefühl als Anlass zum Nachprüfen. Fühlt sich ein Kauf falsch an, schauen sie noch einmal auf Bewertung, Bilanz und Nachrichtenlage. Fühlt er sich besonders gut an, prüfen sie, ob gerade Begeisterung oder die Angst, etwas zu verpassen, mitspielt.
Trader halten oft schon vor dem Einstieg fest, wo der Stop liegt und wie groß die Position sein darf. Das Bauchgefühl darf dann innerhalb dieses Rahmens mitreden, etwa beim genauen Zeitpunkt. Ein Trading-Tagebuch hilft, im Rückblick zu sehen, wann das Gefühl richtig lag und wann es von Emotionen getrieben war. So lernt man mit der Zeit, welchen eigenen Eindrücken man trauen kann.
Bauchgefühl bei [Bulle & Mensch]
Bauchgefühl ist ein wiederkehrendes Thema in den Gesprächen mit Investoren und Tradern bei [Bulle & Mensch]. Dr. Dr. Rainer Zitelmann beschreibt Intuition als implizites Wissen, das aus Erfahrung entsteht, und hat in seiner Forschung festgestellt, dass die meisten der befragten Unternehmer eher intuitiv entscheiden. Maximilian Robl verbindet als Händler Erfahrungswerte mit Bauchgefühl und sieht darin eine Stärke des Menschen gegenüber KI. Tim Schäfer meint, dass sich eine gute Aktie nie ganz ausrechnen lässt.
Andere Gäste setzen bewusst Grenzen. Bernhard Mitterlehner verlässt sich bei Ausstiegen auf die 200-Tage-Linie statt auf sein Gefühl, Paul Pleus folgt bei der Aktienauswahl seinem Schema und seinen Zahlen. Dominik Doster rät, nach Wissen zu handeln, weil Bauchgefühl nur zufällig Glück bringe. Dirk Siebenhaar und Gregor Labahn suchen einen Mittelweg: mechanische Regeln als Gerüst und ein Bauchgefühl, das man hinterfragt, bevor man ihm folgt.
Was meine Gäste über Bauchgefühl sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Tim Schäfer | Eine gute Aktie lässt sich nicht ausrechnen |
| Dominik Doster | Nach Wissen handeln statt nach Bauchgefühl |
| Dr. Dr. Rainer Zitelmann | Intuition als implizites Wissen |
| Dirk Siebenhaar | Viel Intuition, deshalb mechanische Regeln |
| Gregor Labahn | Ein schlechtes Bauchgefühl hinterfragen |
| Paul Pleus | Bauchgefühl nur als letzter Anstoß |
| Maximilian Robl | Erfahrungswerte und Bauchgefühl als Stärke |
Die Aussagen im Wortlaut
Eine gute Aktie lässt sich nicht ausrechnen
„Im Grunde genommen gibt [es] keine Geheimformel […]. Man kann das einfach nicht so richtig ausrechnen. [Da] gehört auch ein bisschen Bauchgefühl dazu.“
Nach Wissen handeln statt nach Bauchgefühl
„Es gibt das Wissen und das Bauchgefühl und man sollte immer nach Wissen handeln. Und nicht nach Bauchgefühl, weil mit dem Bauchgefühl kann man mal Glück haben. Aber das ist nichts, [was] langfristig irgendwie lukrativ ist.“
Intuition als implizites Wissen
„[Implizites Lernen] führt wieder zu implizitem Wissen. Und das ist nur ein wissenschaftlicher Ausdruck für etwas, was wir alle aus dem Alltagssprachgebrauch kennen, nämlich Intuition oder Bauchgefühl.“
Viel Intuition, deshalb mechanische Regeln
„Man kann so viele Regeln einziehen, wie man will, hat das einfach unheimlich viel […] mit Intuition zu tun […]. Und deshalb ist es wichtig, weil es so viel Intuition ist, dass man sich Dinge einbaut, die einfach mechanisch funktionieren, dass man sagt, okay, wenn das passiert, dann mache ich das.“
Ein schlechtes Bauchgefühl hinterfragen
„Du willst einen Trade machen und du hast ein schlechtes Bauchgefühl. Irgendwas in dir rumort. […] Was müsste ich denn denken, [um] diese Emotionen zu haben?“
Bauchgefühl nur als letzter Anstoß
„[Das] ist zwar Bauchgefühl, [das] ich eigentlich nicht einbringen möchte, aber das ist so der letzte Kick. Eigentlich sage ich mir, ich will keine Emotionen […] in meinem Auswahlprozess dabei haben, sondern gehe rein nach meinem Schema vor, nach meinen Zahlen.“
Erfahrungswerte und Bauchgefühl als Stärke
„Vieles ist oft einfach so ein Erfahrungswert. […] Hat man also schon so einen gewissen empirischen Vergleich […] und so ein gewisses Bauchgefühl. Und da ist der Mensch auf jeden Fall deutlich besser.“



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