Begriff · Markt & Wissen
Was ist ein Market Maker?
Market Maker: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Ein Market Maker ist ein Händler, meist eine Bank, ein Handelshaus oder ein Computerprogramm, der für ein Wertpapier laufend Kauf- und Verkaufskurse stellt. Er sorgt so dafür, dass du während der Handelszeit fast immer handeln kannst. Sein Ertrag ist vor allem die Spanne zwischen beiden Kursen, der Spread. Bei Optionsscheinen ist der Emittent oft der einzige Market Maker.
Definition von Market Maker
Ein Market Maker stellt gleichzeitig einen Geldkurs, zu dem er kauft, und einen Briefkurs, zu dem er verkauft. Wer sofort handeln will, bekommt also einen Kurs, auch wenn gerade kein anderer Anleger die Gegenseite übernimmt. Market Maker heißen deshalb auch Liquiditätsgeber.
Verdient wird am Spread. Ein Market Maker will möglichst wenig Risiko auf den Kursverlauf tragen. Bleibt nach seinen Geschäften eine Position übrig, sichert er sie ab, bei Optionen zum Beispiel über die Aktie selbst. Dieses Absichern heißt Hedging.
An Terminbörsen wie der Eurex oder den US-Optionsbörsen stellen meist mehrere Market Maker im Wettbewerb ihre Kurse. Bei Optionsscheinen und Zertifikaten stellt in der Regel nur der Emittent die Kurse, und du trägst zusätzlich sein Ausfallrisiko. Bekannte Market Maker in den USA sind Citadel Securities und Jane Street.
Wie verdient ein Market Maker?
Ein vereinfachtes Beispiel mit einer Aktie:
| Geldkurs (Market Maker kauft) | 100,00 Euro |
|---|---|
| Briefkurs (Market Maker verkauft) | 100,10 Euro |
| Spread | 0,10 Euro (0,1 %) |
| Gekaufte und verkaufte Stücke am Tag | je 10.000 |
| Bruttoertrag am Tag | 1.000 Euro |
Die Rechnung: 10.000 Stück kauft er zu 100,00 Euro, 10.000 Stück verkauft er zu 100,10 Euro. Das ergibt 10.000 × 0,10 Euro = 1.000 Euro. Davon gehen Kosten für Technik, Börse und Absicherung ab.
Das klappt nur, solange sich Käufe und Verkäufe ungefähr ausgleichen. Wollen plötzlich alle kaufen, muss er verkaufen und hält dann eine Short-Position, die bei weiter steigenden Kursen Geld kostet. Deshalb weitet er bei Unsicherheit den Spread aus oder stellt Kurse nur für kleinere Stückzahlen. Für dich heißt das: In hektischen Phasen und bei wenig gehandelten Werten zahlst du beim Ein- und Ausstieg mehr.
Market Maker in der Praxis
Als Anleger handelst du fast immer mit einem Market Maker, auch wenn du ihn nicht siehst. Ein paar Punkte aus der Praxis:
- Spread prüfen: Bei wenig gehandelten Aktien, ETFs und Optionsscheinen kann die Spanne zwischen Geld und Brief ein Vielfaches betragen. Ein Limit schützt dich vor schlechten Kursen.
- Börse oder Emittent: Bei Optionen an einer Terminbörse stellen mehrere Market Maker Kurse, und die Clearingstelle steht für die Erfüllung ein. Beim Optionsschein bestimmt der Emittent den Preis allein.
- Uhrzeit beachten: Kurz nach Handelsbeginn und rund um wichtige Nachrichten sind Spreads oft breiter.
- Gegenseite verstehen: Market Maker müssen ihre Positionen laufend absichern. Wer das weiß, versteht manche Bewegung besser, etwa einen Gamma Squeeze bei Optionen.
Je mehr Market Maker um denselben Wert konkurrieren, desto enger ist meist der Spread.
Market Maker bei [Bulle & Mensch]
Bei [Bulle & Mensch] erzählen mehrere Gäste von der anderen Seite des Orderbuchs. Gregor Labahn hat selbst als Market Maker angefangen und erklärt, warum sich ein Market Maker am liebsten einen ruhigen Markt wünscht. Oliver Klemm vergleicht seine Arbeit als Trader mit der eines Market Makers, weil er an der Orderlage verdient.
Larissa Kravitz erlebte als junge Anlegerin, wie ihr Optionsschein trotz 12 Prozent Plus in der Aktie stehen blieb, weil der Market Maker die Preise nicht anpasste. Marcel Urban beschreibt, wie viel schneller und günstiger große Market Maker wie Citadel handeln. Michael Pisnyachevskiy sucht an kleinen Kryptobörsen nach einfachen Market-Maker-Robotern, deren Muster er ausnutzen kann.
Was meine Gäste über Market Maker sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Larissa Kravitz | Optionsschein bleibt stehen, Aktie steigt 12 % |
| Oliver Klemm | Der Trader verdient wie ein Market Maker |
| Marcel Urban | Große Market Maker sind schneller und billiger |
| Gregor Labahn | Am liebsten ein Markt, der sich nicht bewegt |
| Michael Pisnyachevskiy | Einfache Roboter als Market Maker ausnutzen |
Die Aussagen im Wortlaut
Optionsschein bleibt stehen, Aktie steigt 12 %
„Ich hatte in einer österreichischen Aktie einen Optionsschein gekauft, der sehr [illiquide] war. […] Und die Aktie ist dann wirklich zwei, drei Tage später 10, 12 Prozent gestiegen. […] Die Market Maker in diesem [Optionsschein] haben die Preise nicht bewegt, obwohl das [Underlying] 12 Prozent gestiegen ist.“
Der Trader verdient wie ein Market Maker
„Wir machen ja im Grunde als [Trader] nicht viel […] anderes als Market Maker. Das heißt, wir sitzen da, wir gucken, wie die Orderlage ist und profitieren an der Orderlage.“
Große Market Maker sind schneller und billiger
„Wenn man sich das mal überlegt, was sind die großen Market Maker? In Amerika wären es zum Beispiel Citadel oder [Jane Street]. Die haben noch mal deutlich bessere Technologie als wir und die sind noch mal ein ganzes Stückchen schneller als wir.“
Am liebsten ein Markt, der sich nicht bewegt
„Und ein Market-Maker ist ja logischerweise auch ein Marktteilnehmer. Und was möchte so ein Market-Maker? So ein Market-Maker möchte doch eigentlich nichts anderes, als dass sich der Markt nicht bewegt, weil er hat seinen Kaufkurs, seinen Verkaufskurs und dieses Spiel kann er den ganzen Tag, sein ganzes Leben lang spielen.“
Einfache Roboter als Market Maker ausnutzen
„Es gibt einen Market Maker, [der] für diesen [Chart] verantwortlich ist und der Market Maker ist ein Roboter. Und bei den unpopulären Instrumenten sind diese Roboter auch entsprechend der Qualität. Das heißt, viele von diesen Robotern sind relativ primitiv.“



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