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Was ist Trendfolge?
Trendfolge: Definition, Beispiele und wie Profis aus dem Podcast damit umgehen.
Kurz erklärt
Die Trendfolge ist eine Handelsstrategie, die bestehenden Kursbewegungen folgt, statt sie vorherzusagen: Gekauft wird, was steigt, verkauft oder leerverkauft, was fällt. Verlustpositionen werden früh geschlossen, Gewinnpositionen möglichst lange gehalten. So können wenige große Trends viele kleine Fehlsignale ausgleichen, obwohl die Trefferquote oft unter 50 Prozent liegt.
Trendfolge: Definition und Erklärung
Die Trendfolge setzt darauf, dass sich Kurse häufig über längere Zeit in eine Richtung bewegen. Im Englischen heißt der Ansatz Trend Following. Ein Trendfolger versucht nicht, Hoch- oder Tiefpunkte zu erraten, sondern steigt erst ein, wenn ein Trend erkennbar ist, und bleibt dabei, bis der Trend nach festen Regeln als beendet gilt. Das Motto lautet sinngemäß The trend is your friend.
Der Kern der Strategie ist eine Asymmetrie zwischen Gewinnen und Verlusten. Viele Einstiege scheitern und werden mit kleinem Verlust per Stop-Loss geschlossen. Einige wenige Trades laufen dagegen über Wochen oder Monate und bringen ein Vielfaches des Einsatzrisikos. Die Börsenweisheit „Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen“ beschreibt genau dieses Prinzip. Bekannt wurde der Ansatz unter anderem durch Nicolas Darvas und das Experiment der Turtle Traders in den 1980er-Jahren; heute arbeiten viele Managed-Futures-Fonds (CTAs) mit systematischen Trendfolgemodellen.
Wichtig ist die Abgrenzung zu verwandten Begriffen: Momentum beschreibt vor allem die relative Stärke eines Wertes im Vergleich zu anderen, gleitende Durchschnitte und Ausbrüche aus der Charttechnik sind nur Werkzeuge, um einen Trend zu erkennen. Die Trendfolge ist die Strategie dahinter: klare Regeln für Einstieg, Ausstieg und Positionsgröße. Ihre Schwäche sind Seitwärtsmärkte, in denen viele Fehlsignale entstehen und sich kleine Verluste häufen.
Trendfolge in der Praxis: so funktioniert es
Ein Trendfolgesystem besteht aus wenigen, festen Regeln:
- Trendfilter: Gehandelt wird nur in Richtung des übergeordneten Trends, zum Beispiel nur Käufe, solange der Kurs über der 200-Tage-Linie liegt.
- Einstieg: etwa beim Ausbruch auf ein neues Hoch, aus einer Seitwärtsspanne oder beim Kreuzen zweier gleitender Durchschnitte.
- Anfänglicher Stop-Loss: begrenzt den Verlust, falls der Trend nicht zustande kommt.
- Nachgezogener Stopp (Trailing Stop): folgt dem Kurs und schließt die Position erst, wenn der Trend bricht.
- Positionsgröße: wird so gewählt, dass jeder einzelne Fehlschlag nur einen kleinen Teil des Depots kostet.
Das Rechenbeispiel zeigt, warum Trendfolge mit einer niedrigen Trefferquote profitabel sein kann: Wenige große Gewinner gleichen viele kleine Verlierer aus.
| Trades im Jahr | 20 |
|---|---|
| Trefferquote | 35 % (7 Gewinner, 13 Verlierer) |
| Verlust je Verlierer (Stop-Loss) | –1.000 € |
| Durchschnittlicher Gewinn je Gewinner | +3.000 € |
| Summe der Verluste | –13.000 € |
| Summe der Gewinne | +21.000 € |
| Ergebnis | +8.000 € |
Die Rechnung funktioniert nur, wenn beide Seiten eingehalten werden: Verluste müssen konsequent klein bleiben, und Gewinner dürfen nicht zu früh verkauft werden. Wer die Gewinner bei +1.000 € mitnimmt, macht mit denselben Einstiegen im Beispiel 6.000 € Verlust.
Trendfolge in der Praxis
Trendfolge ist psychologisch anspruchsvoller, als die einfachen Regeln vermuten lassen. Serien von Verlusten sind normal, weil viele Ausbrüche scheitern, und in Seitwärtsphasen kann ein System über Monate zurückfallen. Gleichzeitig verlangt die Strategie, Buchgewinne auszuhalten, die zwischendurch wieder schrumpfen, weil der nachgezogene Stopp mit Abstand zum Kurs liegt. Viele Anleger machen intuitiv das Gegenteil: Sie nehmen Gewinne schnell mit und lassen Verluste laufen.
In der Praxis unterscheiden sich Trendfolger vor allem im Zeithorizont und im Markt. Manche handeln Aktien, die mit hohem Volumen auf neue Hochs steigen, andere setzen auf ein breites Bündel von Futures-Märkten, weil in jedem einzelnen Markt nur wenige große Trends pro Jahr entstehen. Häufige Stellschrauben sind:
- ein Filter für das Marktumfeld, um in Seitwärts- oder Abwärtsphasen weniger oder gar nicht zu handeln,
- eine klare Ausstiegsregel statt eines festen Kursziels, zum Beispiel ein Bruch der Trendlinie oder das Kreuzen zweier Durchschnitte,
- Nachkaufen in bestehende Gewinnpositionen (Pyramidisieren), wenn sich der Trend bestätigt,
- Streuung über viele Märkte oder die Kombination mit anderen Strategien, weil Trendfolge nicht in jeder Marktphase funktioniert.
Trendfolge bei [Bulle & Mensch]
Für mehrere Gäste ist Trendfolge das Fundament ihres Handels. Torsten Maus beschreibt seinen Ansatz zu rund 80 Prozent als Trendfolge: starke Aktien, die mit hohem Volumen neue Hochs machen, etwa beim Ausbruch aus einer Darvas-Box. Gregor Labahn bezeichnet sich als Trendfolger und weiß, dass er im Seitwärtsmarkt kein Geld verdienen kann. Max Schulz handelt rund 40 Märkte und rechnet mit etwa 120 Trends pro Jahr, die sein Prozess zuverlässig erwischen muss. Michael Pisnyachevskiy kam über gleitende Durchschnitte zum Trend Following und fasst dessen Essenz so zusammen: Man kann sich leisten, einige Male falsch zu liegen, weil ein großer Trend die Verluste übertrifft. Dr. Carmen Mayer mahnt, im Trend zu handeln und Gewinner laufen zu lassen, und Larissa Kravitz steigt aus einer Trendaktie aus, wenn nach Rücksetzern nicht mehr nachgekauft wird.
Es gibt auch Einschränkungen. Dr. Raimund Schriek hält den Satz „Gewinne laufen lassen“ ohne Zusatz für gefährlich: Es brauche eine Regel, bis wohin man Gewinne laufen lässt. Torsten Maus ist überzeugt, dass Trendfolge allein nicht funktioniert, und kombiniert sie mit einer Analyse der Marktphase. David Pieper setzt auf mehrere Strategien, weil mal die Trendfolge, mal Momentum und mal Countertrend besser läuft. Michael Pisnyachevskiy machte mit einem automatisierten Trendfolge-Roboter die Erfahrung, dass solche Systeme in Seitwärtsphasen schwächeln und immer wieder angepasst werden müssen.
💬 Was unsere Gäste über Trendfolge sagen
Wörtliche Aussagen aus den Originalgesprächen von [Bulle & Mensch]. Sie geben die Sicht der jeweiligen Gesprächspartner wieder, nur Füllwörter wurden entfernt. Die Sprungmarke führt an die Stelle im Video.
Unterschiedliche Perspektiven
| Gast | Ansatz |
|---|---|
| Larissa Kravitz | Ausstieg, wenn der Trend nicht mehr getragen wird |
| Dr. Raimund Schriek | Gewinne laufen lassen – aber nach Regel |
| Gerd Ackermann | Verluste kappen, Gewinner wirken lassen |
| Dr. Carmen Mayer | Im Trend handeln, Gewinner laufen lassen |
| Max Schulz | Systematisch jeden Trend erwischen |
| Gregor Labahn | Schwäche der Trendfolge: Seitwärtsmärkte |
| David Pieper | Trendfolger vs. Daytrader |
| Torsten Maus | Trendfolge als Kern: Aktien mit neuen Hochs |
| Michael Pisnyachevskiy | Wenige große Trends decken viele Fehlversuche |
Die Aussagen im Wortlaut
Ausstieg, wenn der Trend nicht mehr getragen wird
„Wenn man eine Aktie hat, die stark im Trend ist, was passiert, wenn sie fällt? Wenn sie an einem Tag fällt. Kaufen die Leute gleich nach, nachdem sie gefallen ist? Oder fällt sie ein bisschen kontinuierlich?“
Gewinne laufen lassen – aber nach Regel
„Denn der reine Satz „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“ führt dazu, dass ich die Gewinne irgendwo hinlaufen lasse, dann sind sie weg und dann läuft meine Position in den Verlust. […] Die Börsenweisheit muss lauten: Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen bis – und da brauche ich eine Regel.“
Verluste kappen, Gewinner wirken lassen
„Wenn du es also tatsächlich schaffst, über viele Trades hinweg deine Verluste zu eliminieren oder sehr stark zu reduzieren, werden die wenigen Gewinner, die es in dieser Kette von Trades hat, das Ganze extrem outperformen. Weil du gehst gar nicht auf die Gewinnerseite, die ist, wie sie ist, aber von der Verliererseite, da kappst du alles weg.“
Im Trend handeln, Gewinner laufen lassen
„Aber Leute, ihr müsst die Trends erkennen, ihr müsst immer im Trend handeln, weil die haben auch oft gegen den Trend gehandelt […]. Und dann habe ich gesehen, […] sie nehmen auch einfach Gewinne mit, obwohl die Aktie noch weiterläuft. Dann habe ich gesagt, ihr müsst die laufen lassen.“
Systematisch jeden Trend erwischen
„Ich gehe dann von drei Trends pro Jahr aus, also im Schnitt habe ich 120 Trends. Das heißt, ich habe 120 Tradingmöglichkeiten pro Jahr. […] Aber ich muss dafür sorgen, dass mein Workflow, mein Prozess so aufgestellt ist, dass ich von diesen 120 quasi die Trading-Chancen wahrnehme mit meinem Prozess.“
Schwäche der Trendfolge: Seitwärtsmärkte
„Als Trendfolger, der ich jetzt per se bin, kann ich natürlich in dem Range-Markt kein Geld verdienen. […] Wie kann ich die Range vielleicht schneller erkennen?“
Trendfolger vs. Daytrader
„Wenn ein Markt drei Monate nach oben zieht und der Trendfolger einfach sich freut, weil seine Google von 160 auf 300 geht, muss der Daytrader jeden Tag neue Entscheidungen treffen. Er muss die Position abends schließen.“
Trendfolge als Kern: Aktien mit neuen Hochs
„[…] 80 % ist die Trendfolge, dass man starke Aktien kauft, die mit hohem Volumen neue Hochs machen. Aber da gibt es auch, würde man sagen, 20 % Turnaround Trades, wo man sagt, […] die hat eine Bodenbildung hinter sich.“
Wenige große Trends decken viele Fehlversuche
„The trend is your friend, alles, was man machen muss, man muss den Trend identifizieren und dann in den Trend mit einsteigen […]. Und die Essenz von Trendfollowing ist, man kann sich leisten, einige Male falsch zu liegen, wenn man den initialen Einstieg plant, weil einfach der Trend danach so massiv ist, dass der dann alle Verluste übertrifft.“
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