Nico Schulze: Nach 70 % Verlust zum Millionen-Depot
Vom Crash-Depot des Opas zum öffentlich einsehbaren wikifolio „Trendaktien Power*“: warum Nico Schulze auf Trendfolge, harte Wachstumszahlen und einen regelbasierten Krisenschutz setzt statt auf Chartlinien.
Mit zehn Jahren kaufte Nico Schulze über seinen Opa seine ersten Aktien, wenige Wochen vor der Finanzkrise 2008. Das Depot rutschte rund 70 Prozent ins Minus, ein großer Teil davon konzentriert auf eine einzige Position: die Deutsche Bank. Fast 18 Jahre später handelt Nico Schulze hauptberuflich, führt mit „Trendaktien Power“ ein öffentlich einsehbares wikifolio mit rund 4 Millionen Euro verwaltetem Kapital und bleibt selbst bei zweistelligen Tagesverlusten ruhig.
Nico Schulze handelt hauptberuflich und führt das öffentlich einsehbare wikifolio „Trendaktien Power“. Besonders macht ihn, dass er die klassische Chartanalyse fast komplett beiseitelässt und jeden Trend zusätzlich fundamental belegt haben will.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Klassische Chartanalyse mit Widerständen und Trendlinien reicht ihm nicht: Eine Aktie braucht zusätzlich einen fundamentalen Beleg für den Trend.
- Der Trend muss stärker sein als der eines Index (meist S&P 500 oder Nasdaq), und das Wachstum muss auch in der Prognose weiterlaufen, nicht nur in der Vergangenheit.
- Seit 2023 nutzt Nico Schulze zusätzlich das PEG-Ratio, um das KGV ins Verhältnis zum Wachstum zu setzen.
- Positionen werden breiter gestreut: Von anfangs rund zehn Werten ist er sukzessive auf deutlich mehr Positionen gegangen, um Einzeltitelrisiko zu reduzieren.
- Eine einzelne Position wird gekappt, wenn sie zu dominant wird. Die Kappungsgrenze hat er von 30 über 25 auf rund 20 Prozent Depotanteil gesenkt.
- Sein Krisenschutz ist regelbasiert: Notiert der S&P 500 über der 200-Tage-Linie, ist das wikifolio voll investiert. Notiert er darunter, greift eine 30-Prozent-Cash-Regel.
- Rückschläge gehören für ihn zum Prozess: Zweistellige Tageseinbrüche erschüttern ihn nach eigener Aussage nicht mehr.
- Diversifikation reicht über Aktien hinaus: Seit Ende 2024 hält er zusätzlich Rohstoffwerte wie Gold und Öl, um makroökonomische Schocks wie Kriegsausbrüche abzufedern.
Wie Nico Schulze sein Trendaktien-Power-System entwickelt hat
Nach dem Crash von 2008 folgten Jahre des Aushaltens und Nachkaufens, bis Nico Schulze über ein Börsenspiel eigene Short-Trades gegen einbrechende Branchen wagte. Über das Deutsche Anlegerfernsehen stieß er auf Trendfolge-Ansätze und kaufte seine erste selbst recherchierte Aktie: Fresenius. Mit 18 übernahm er sein Depot vollständig, stieg in Optionsscheine ein und setzte mit einem Short auf Energieversorger erstmals bewusst gegen die Meinung seines Opas. Der Trade ging auf.
Es folgten schwere Rückschläge: Ein Börsendienst kostete ihn allein 3.000 Euro Gebühren im Jahr, und ein von der Commerzbank emittiertes Produkt, das sein Optionskonstrukt nachbilden sollte, funktionierte nicht. Der nächste große Verlust. Danach legte er das Thema zeitweise beiseite. Erst der Corona-Crash 2020 zog ihn mit einem geshorteten DAX über CFDs zurück in die Märkte.
„Mein Lebensmotto an sich ist alles ist erreichbar. Dazu kommt noch What doesn't kill me makes me stronger im Sinne von Rückschläge gehören dazu.“
Aus dem privat geführten Depot wurde schließlich ein öffentliches Musterportfolio bei wikifolio, benannt „Trendaktien Power“. Bis zum ersten fremden Kapital verging danach noch fast ein Jahr. Später flossen nach Interviews und einem Top-Trader-Auftritt innerhalb von zwei Tagen über eine Million Euro zu.
So funktioniert Nicos Trendaktien-Power-Strategie
Die Basis ist eine Kombination aus technischem und fundamentalem Filter: Eine Aktie muss einen langfristigen Aufwärtstrend zeigen, der stärker ist als der von S&P 500 oder Nasdaq, und dabei Umsatz- und Gewinnwachstum liefern, auch laut Prognose. Seit 2023 kommt das PEG-Ratio dazu. Umgesetzt wird das über Optionsscheine mit 15 bis 24 Monaten Laufzeit und Knock-outs mit Hebeln zwischen 2,5 und 4. Neue Positionen startet Nico Schulze klein, mit rund 3 bis 5 Prozent Depotanteil, und lässt Gewinner wachsen, bis die Kappungsgrenze von rund 20 Prozent erreicht ist.
Für den Krisenfall hat er über Jahre einen Baukasten entwickelt. Kern ist die 200-Tage-Linie des S&P 500: Liegt der Index darüber, ist das wikifolio voll investiert, liegt er darunter, gehen 30 Prozent in Cash. Als die Linie im März gerissen wurde, begrenzte diese Regel den folgenden Drawdown deutlich. Inzwischen ersetzt er große Cash-Anteile zunehmend durch kleinere, stark gehebelte Short-Knock-outs auf den S&P 500. Bei einem News-Schock rund um angekündigte Strafzölle reichten ihm 2 bis 3 Prozent Kapitaleinsatz bei Hebel 30, um das Portfolio abzusichern. Sein Alltag besteht vor allem aus Lesen: Unternehmensnachrichten, Marktkommentare und Analysen, ergänzt durch KI-gestützte Recherche.
Nico Schulze als Trader zwischen Ausdauer, Fehlern und Transparenz
Nico Schulze beschreibt sich als jemanden, der nicht aufgibt, auch nach mehreren Rückschlägen mit Optionsscheinen und teuren Börsendiensten. Coaches oder Mentoren nutzt er bewusst nicht, sein Wissen hat er sich im Selbststudium angeeignet. Wichtig ist ihm Transparenz: Er kommentiert seine Trades öffentlich und erklärt inzwischen, was er gehandelt hat und warum, selbst wenn nur ein Teil der Anleger das überhaupt liest. Zweistellige Tageseinbrüche bringen ihn nach eigener Aussage nicht mehr aus der Ruhe. Für den Ernstfall greift stattdessen sein Notmodus.
Was das für dich heißt
Nico Schulze hat mit zehn Jahren seine ersten Aktien gekauft und kurz danach rund 70 Prozent verloren. Heute hat er für fast alles eine Regel:
- Er kürzt eine Position, die zu groß geworden ist: spätestens bei 30 Prozent des Depots, zurück auf 20 Prozent. Ab welchem Anteil wird dir eine einzelne Position zu groß?
- Er hat vorher festgelegt, was in der Krise passiert: Fällt der S&P 500 unter die 200-Tage-Linie, gehen 30 Prozent in Cash. Steht schon fest, was du tust, wenn der Gesamtmarkt kippt?
- Er startet neue Positionen klein, mit rund 3 bis 5 Prozent, und lässt Gewinner wachsen. Gibst du deinen Gewinnern Zeit, oder verkaufst du sie, sobald sie im Plus sind?
- Er kommentiert seine Trades öffentlich und erklärt dabei auch, warum er sie gemacht hat. Könntest du zu jeder Position in deinem Depot aufschreiben, warum du sie gekauft hast?
Weiter in der Reihe wikifolio Trader: Folge 8 →
Nico Schulzes erste Berührung mit Geld war ein Sparbuch: Zur Einschulung 2003 brachte ihn sein Opa dazu, die geschenkten rund 600 Euro auf die Bank zu bringen. 2007, mit zehn Jahren, investierte der Opa das inzwischen gewachsene Ersparte in Aktien, darunter die Deutsche Bank.
Öffentlicher Track Record
- +326,0 % Trendaktien Power, seit 03/2023, max. Verlust -49,5 %
Geprüft am 05.10.2026. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
Aus den Kommentaren
gutes Interview, Fragen haben mir am besten gefallen, bin auf das nächste Interview gepannt
Begriffe aus dieser Folge
Profis antworten
Lies, was Nico Schulze dazu sagt, neben den Antworten der anderen Profis:
- Wie viele Aktien hast du im Depot?Nico Schulze: Rund 20 Werte im wikifolio, damit kein Klumpen das Depot bewegt










