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Warum 90% der Trader scheitern (und was er heute anders macht)

Vom unwissentlichen ersten Short über RSI, Elliott Waves und Krypto-Arbitrage bis zu der einen Frage, die Michael Pisnyachevskiy sich heute vor jedem Trade stellt.

Michael Pisnyachevskiy klickte bei seinem allerersten Trade auf einen Sell-Button, ohne zu wissen, dass er damit leerverkauft. Der Trade lief ins Plus - und genau dieser Zufall setzte eine jahrelange Suche in Gang: nach der Strategie, die endlich zuverlässig funktioniert. Was er stattdessen fand, war eine unbequemere Einsicht.

Michael Pisnyachevskiy ist ein systematischer Trader, der noch in der Schule angefangen hat und sich seitdem durch RSI, Value Investing, Trend Following, selbstgebaute Trading-Roboter und Elliott Waves gearbeitet hat. Besonders macht ihn, dass er seine Fehlschläge genauso präzise auseinandernimmt wie seine Ansätze.

„Also es kann sein, dass du alles richtig machst und es trotzdem nicht funktioniert."
– Michael Pisnyachevskiy

🤖 Frag [Bulle & Mensch]

Was hat Michael Pisnyachevskiy zu diesem Thema gesagt? Die KI durchsucht diese Folge und alle anderen nach seinen Original-Aussagen – mit Timestamp und Fundstelle.

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Die wichtigsten Erkenntnisse

  • RSI war seine erste Strategie, weil die Regeln so einfach klangen: unter einem Wert kaufen, über einem Wert verkaufen. In der Praxis funktionierte das aber nicht zuverlässig.
  • Trading ist Statistik, keine Gewissheit - alles richtig zu machen garantiert kein Ergebnis. Wichtig ist, dass die Strategie in Summe positiv ist, nicht jeder einzelne Trade.
  • Sein Broker schickte ihm wöchentlich eine Zusammenfassung seiner Trading-Woche. Erst als er sie genauer las, erkannte er das eigentliche Problem: Stop-Losses saß er konsequent aus, Gewinne nahm er viel zu früh mit.
  • Peter Lynchs Buch über das Price-to-Earnings-Ratio führte ihn zu einem teuren Fehlschluss: Er kaufte chinesische Aktien mit sehr niedrigem P/E-Ratio, ohne zu verstehen, dass diese Bewertung dort einfach normal war.
  • Sein DAX-Short basierte auf der These, die deutsche Wirtschaft rechtfertige die hohen Kurse nicht. Erst Jahre später erkannte er, dass er eigentlich den MDAX hätte betrachten müssen.
  • Seine Regel für die Suche nach Ineffizienzen: „schaut nicht dorthin, wo alle hinschauen, sondern schaut euch die unpopulären Themen an“ - bei Bitcoin ist alles durchoptimiert, in unpopulären Instrumenten nicht.
  • Ein Arbitrage-Trade zwischen Gold auf einer Krypto-Börse und einem CFD-Broker ging schief, nicht weil die Idee falsch war, sondern weil er das Geld nicht schnell genug zwischen den Plattformen verschieben konnte.
  • Sein Satz für den Bildschirm: „Follow the plan, control the risk.“ Nicht der Profit ist der Ausgangspunkt, sondern die Frage, was er bereit ist zu riskieren.

Was das für dich heißt

Michael Pisnyachevskiy hat jahrelang nach der perfekten Strategie gesucht. Heute hilft ihm vor allem, was er sich abgewöhnt hat:

  • Er handelt nur, wenn er vorher einen konkreten Grund für den Trade benennen kann. Könntest du vor deinem nächsten Trade in einem Satz sagen, warum du ihn machst?
  • Er fängt beim Risiko an und fragt sich zuerst, wie viel er bei einem Trade zu riskieren bereit ist. Weißt du vor dem Einstieg, wie viel du bei diesem Trade verlieren darfst?
  • Er hat die Auswertungen seines Brokers genau gelesen und dort gesehen, dass er Verluste aussaß und Gewinne zu früh mitnahm. Wann hast du zuletzt deine eigenen Trades ausgewertet und nicht nur auf den Kontostand geschaut?

🎙️ Profis antworten

Diese Frage stellt Mario vielen Gästen. Lies die Antwort von Michael Pisnyachevskiy neben denen der anderen Profis:

Wie Michael Pisnyachevskiy sich vom Heiligen Gral verabschiedet hat

Am Anfang stand pures Trial and Error. Michael Pisnyachevskiy arbeitete sich durch RSI, Trendlinien und verschiedenste YouTube-Strategien, oft parallel auf Englisch und Russisch recherchiert, ohne roten Faden. Nach einem Umweg über Value Investing mit Peter Lynchs „One Up on Wall Street" und einem enttäuschenden Ausflug in chinesische Aktien kehrte er zum Day Trading zurück, diesmal mit einer makroökonomischen These zum DAX im Rücken. Auch das führte nicht zum erhofften Ergebnis.

Den eigentlichen Wendepunkt beschreibt Michael Pisnyachevskiy im Zusammenhang mit einem Trader aus Schweden, der stark auf Breakout-Trading setzt, statt All-Time-Highs zu shorten. An einem konkreten Setup erkannte er, dass er die Strategie zwar für statistisch sinnvoll hielt, sich aber psychologisch nicht traute, sie umzusetzen. Danach beschäftigte er sich intensiv mit Trend Following, unter anderem anhand eines rund 800 Seiten starken Buchs zum Thema, testete moving-average-basierte Systeme und einen selbstgebauten Trading-Roboter, der Signale von TradingView an seinen Broker weiterleitete. Dabei lernte er auch eine typische Falle kennen: Backtests mit sogenannten Lagging Indicators, die im Rückblick viel zu gut aussehen. Schließlich kaufte er seinen ersten Kurs überhaupt, zum Thema Elliott Waves, nachdem er den zugrunde liegenden Trader zunächst öffentlich für unseriös gehalten hatte. Parallel begann er, im Kryptomarkt gezielt nach Ineffizienzen zu suchen, etwa bei wenig beachteten Börsen und Instrumenten - und stieß dabei auf Arbitrage-Möglichkeiten zwischen verschiedenen Plattformen.

So funktioniert Michaels Elliott-Waves-Strategie

Der aktuelle Ansatz von Michael Pisnyachevskiy kombiniert fundamentale Aktienauswahl mit Elliott Waves als Timing-Werkzeug für den Einstieg. Zunächst sucht er fundamental starke Unternehmen, unter anderem über Kennzahlen wie das Price-to-Sales-Ratio im Verhältnis zur Wachstumsrate des Unternehmens. Erst danach setzt er die Elliott-Wave-Analyse ein, um zu bestimmen, in welcher Phase einer Bewegung sich der Kurs gerade befindet.

Dabei sucht er gezielt nach Impulswellen, also den Bewegungen, die einen neuen Trend einleiten, und wartet ab, bis eine Korrektur ihre typische Struktur abgeschlossen hat, bevor er einsteigt. Elliott Waves allein reichen ihm nicht aus, sie liefern oft zwei mögliche Szenarien, ein bullishes und ein bearishes. Erst die Kombination mit einem fundamental überzeugenden Unternehmen macht aus seiner Sicht ein Setup handelbar. Als nächste Kapitel nennt Michael Pisnyachevskiy Optionen und Rohstoff-Futures - Optionen ausdrücklich, weil sie nicht lineare Instrumente sind und sich damit Risk-Reward-Verhältnisse konstruieren lassen, die mit normalen Aktien nicht erreichbar sind.

Michael Pisnyachevskiy als Trader: Disziplin, Zweifel und Risikodenken

Was Michael Pisnyachevskiy im Gespräch besonders auszeichnet, ist seine Offenheit über eigene Fehlschläge, von der voreiligen China-Aktien-Wette bis zum gescheiterten Arbitrage-Trade. Statt sie zu beschönigen, leitet er daraus konkrete Lehren ab und betont immer wieder, dass Disziplin und ein klares Regelwerk für ihn wichtiger geworden sind als jede einzelne Strategie. Der größte Unterschied zu früher liegt für ihn nicht im Werkzeug, sondern im Impuls, den er sich abtrainiert hat: „ich muss nicht sofort in den Chart springen und was testen, sondern zuerst überlege ich mir genau, habe ich jetzt einen konkreten Case, warum ich jetzt Geld verdienen muss. Und wenn ich diesen konkreten Case nicht habe, dann mache ich es nicht."

Diese Denkweise überträgt Michael Pisnyachevskiy inzwischen auch auf Entscheidungen abseits der Märkte. Bei der Wahl seines Mietvertrags rechnete er das Risiko eines vorzeitigen Auszugs gegen die Kaution auf - eine Monatsmiete - und entschied sich bewusst für die längere Bindung. Am Ende des Gesprächs bleibt er ein Suchender: Für eine mögliche zweite Folge kündigt er an, dann über die Ansätze zu sprechen, die tatsächlich funktioniert haben.

Michael Pisnyachevskiy

Wer ist Michael Pisnyachevskiy?

Day-Trader & Elliott-Wave-Analyst

Michael Pisnyachevskiy begann mit dem Trading noch in der Schule, ungefähr in der siebten Klasse Gymnasium. Ursprünglich wollte er als Freelancer arbeiten, stellte aber fest, dass der Einstieg dort schwieriger war als gedacht, und stieß so auf das Trading.