[Bulle & Mensch]
Folge 24 · 1 Buchtipp

Aktien-Screening mit Excel: Michael Kranichs Ampel-System

Vier Indikatoren, 1.400 Aktien und ein eisernes Regelwerk: Wie Michael Kranich mit nüchterner Systematik seine vier wikifolios steuert.

Kein Research-Team, keine Analysten, nur eine Excel-Datei und ein Ampel-System mit vier Indikatoren. Das ist alles, was Michael Kranich braucht. Mit diesem simplen Ansatz schlägt er seit über zehn Jahren den Markt. Glück ist es laut ihm nicht: Er setzt eine Zahl um, die viele Anleger ignorieren. Man muss nur an den richtigen Tagen im Markt sein, nicht immer.

Michael Kranich handelt seit 2015 strikt nach seinem selbst entwickelten Excel-Ampel-System mit vier Indikatoren: kein Research-Team, kein Bauchgefühl, nur klare Regeln. Gehandelt wird über vier eigene wikifolios, gescreent wird wöchentlich ein Universum von rund 1.400 Aktien.

„Ich handel strikt nach meinem System, komplett strikt nach dem System.“
– Michael Kranich

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Ampel mit drei Zuständen: Grün, Gelb oder Rot. Die Ampel sagt ihm, was er mit dem vorhandenen Cash macht, nicht welche Aktie er kauft.
  • Vier Indikatoren als Basis: Trendmessung über gleitende Durchschnitte auf Weltindex und S&P 500, Länderbenchmarks, der Gebert-Indikator und die Energiepreis-Indikatoren von Uwe Lang.
  • 1.400 Aktien werden wöchentlich per Excel-Makro auf relative Stärke geprüft. Gekauft werden nur die stärksten Werte, Positionen werden bei nachlassender Stärke stufenweise reduziert.
  • Die Zahl, die alles verändert hat: „Es gibt eine Statistik darüber, an wie vielen Tagen man im Jahr im Markt sein muss, um 80 Prozent der Performance überhaupt zu machen.“ Seine Antwort: Bei 15 bis 20 Tagen ist man schon bei 85 Prozent.
  • Der teuerste Fehler war ein Bauchgefühl: „Das wäre der größte Fehler, den ich auch schon selber mal gemacht hatte, ganz zu Beginn, als ich 2015 begonnen hatte mit wikifolios.“ Er verkaufte gegen die grüne Ampel und ging short. Zwei Wochen später stieg der Markt wieder.
  • Short-ETFs sind reine Absicherung in roten Phasen, immer auf die Benchmark, nie auf Einzelwerte.
  • Ohne Backtest kommt nichts ins System: Der längste Test reicht bis 1976 zurück, jede neue Idee wird vorher in Excel geprüft.

Wie Michael Kranich sein Excel-Ampel-System entwickelt hat

Der Weg beginnt beim Planspiel Börse und führt über den Berufseinstieg als Bankkaufmann mitten in der Finanzkrise 2009. Danach folgt die Phase, in der er glaubt, sich auszukennen: Faktor-Zertifikate auf den DAX mit zehn-, zwanzig- und dreißigfachem Hebel. Es folgt ein deutlicher Verlust. Der Umschwung kommt, als ein Bekannter ihm den TSI-Brief mit dem Prinzip der relativen Stärke zeigt. Michael Kranich setzt die Idee selbst um, baut sie in Excel nach und erweitert sie um die Ampel-Logik. Seinen größten Fehler macht er 2015, ganz zu Beginn seiner wikifolios: Als Russland die Krim besetzt, handelt er entgegen seiner eigenen Ampel. Seitdem gilt für ihn nur noch eine Regel: nach dem System handeln, ohne Ausnahme.

So funktioniert Michaels Excel-Ampel-Strategie

Märkte/Assets: rund 1.400 Aktien aus mehreren Anlageuniversen, gehandelt über vier eigene wikifolios, Absicherung über Short-ETFs und Knock-out-Zertifikate auf Indizes

Strategie: Ampel-System aus vier Indikatoren: Trendmessung auf MSCI World und S&P 500 über gleitende Durchschnitte, Länderbenchmarks, Gebert-Indikator und die Energiepreis-/Makrodaten von Uwe Lang

Edge: wöchentliches Relative-Stärke-Ranking über 1.400 Kursverläufe per Excel-Makro. Nur die stärksten Werte kommen ins Portfolio. Alle Backtests macht Michael Kranich selbst, teils über 50 Jahre Historie

Entscheidungslogik: Bei grüner Ampel wird freies Cash investiert, bei Gelb bleibt es Cash, bei Rot kommt die Absicherung über Short-ETFs auf die Benchmark, nicht auf Einzelwerte

Risiko: ein mechanisches, bewusst einfaches Regelwerk ohne Bauchentscheidungen. Die einzige verbleibende Fehlerquelle ist laut Michael Kranich, nicht zu machen, was die Excel sagt.

Michael Kranich als Investor zwischen Disziplin, Verlusten und Gelassenheit

Michael Kranich fährt seine Strategie mit eiserner Disziplin, und er weiß, was ihn das Gegenteil gekostet hat. In der Anfangszeit verkaufte er gegen sein eigenes System und verlor mit Hebelzertifikaten Geld: „Ich kann es ja sagen: Damals fünfstellig verloren mit diesen Zertifikaten, im unteren Bereich.“ Seine Konsequenz war radikal: „Das machst du nie, nie, nie wieder. Ich handel nur noch nach dem System, also wirklich – Punkt, Ende, aus.“ Gleichzeitig ist er Realist genug, kein zu 100 Prozent funktionierendes System zu erwarten. Auf die Frage nach dem einen Satz, den er sich an den Bildschirm kleben würde, antwortet er ohne Zögern:

„Renne nicht den letzten Prozent hinterher.“

Was das für dich heißt

Michael Kranich steuert vier wikifolios mit einer Excel-Datei. Das Werkzeug ist einfach, die Disziplin dahinter nicht:

  • Er handelt nach seinem System, auch wenn sich der Markt gerade zu heiß anfühlt. Wann hast du zuletzt gegen deine eigenen Regeln gehandelt, weil dir die Lage zu unsicher vorkam?
  • Er ändert sein System nur, wenn er die Idee vorher mit einem Backtest geprüft hat. Woher weißt du, ob eine Änderung an deinem Vorgehen früher überhaupt funktioniert hätte?
  • Er investiert freies Geld nur, wenn seine Ampel auf Grün steht, bei Gelb bleibt es Cash. Nach welcher Regel entscheidest du, wann neues Geld in den Markt geht?
  • Er fragt sich immer wieder, ob sein System noch zeitgemäß ist. Wann hast du dein Regelwerk zuletzt bewusst überprüft, statt es nur zu befolgen?

Weiter in der Reihe wikifolio Trader: Folge 35 →

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Wer ist Michael Kranich?

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Michael Kranich ist gelernter Bankkaufmann und startete mitten in der Finanzkrise 2009 in die Praxis. Sein Handwerkszeug baut er sich selbst, in Excel.

Aus den Kommentaren

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@heuw7379
Interessantes Interview. Systemtreue, Gelassenheit und Hinterfragen wird belohnt. Technisch stelle ich mir das schwierig vor, der zeitliche Einsatz war sicher auch enorm. Sehr viel Disziplin, Hut ab.

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