[Bulle & Mensch]
Folge 12 · 1 Buchtipp

Nebenwerte-Strategie: Ex-Citi-Direktor Paul Pleus

Wie ein ehemaliger Citibank-Direktor mit Controller-Disziplin und einem 6-Jahres-Scoring aus Fundamentaldaten und Momentum die Volatilität zähmt, dokumentiert im wikifolio „PPinvest Low Vola*“.

Paul Pleus ist seit knapp 40 Jahren an der Börse und verwaltet heute über 20 Millionen Euro, ohne Zocker zu sein. Sein Werkzeug ist ein 6-Jahres-Scoring-Modell aus Fundamentaldaten und Momentum, das er sich über Jahrzehnte selbst gebaut hat. Angefangen hat das alles mit Papier und Bleistift.

„Ich weiß noch, dass ich am Anfang immer das Handelsblatt gekauft habe und dann auf Millimeterpapier die Charts gezeichnet habe.“
– Paul Pleus

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Das 6-Jahres-Scoring: Paul Pleus blickt auf drei Jahre Historie, das laufende Jahr und zwei Jahre Forecast: „Drei Jahre in der Vergangenheit, ein Jahr aktuell, zwei Jahre Zukunft.“
  • Fundamentaldaten und Momentum verschmelzen: Die Gewichtung wandert im Jahresverlauf: im Januar rund 20:80 zugunsten der Fundamentaldaten, zum Jahresende etwa 70:30 zugunsten des Momentums.
  • Nachkaufen statt Verkaufen: Ein Kursplus ist für Paul Pleus kein Verkaufsgrund. Ist eine Firma nach seinem Modell noch deutlich mehr wert, bleibt er drin: „Heute weiß ich, wenn die Firma noch viel mehr wert ist, dann verkaufe ich nicht.“
  • Selektion: Rund 100 Firmen verfolgt Paul Pleus mit detaillierten Modellen, gekauft werden die Top 25: Nebenwerte mit einem Free Float von grob unter 500 Millionen US-Dollar.
  • Branchen-Hygiene: Konsequenter Verzicht auf Biotech: „Die Branchen sind praktisch alles außer Biotechnologie. Weil das verstehe ich nicht in den meisten Fällen.“
  • Keine Stop-Loss-Marken: Bei kleinen Werten hält Paul Pleus Stops für kontraproduktiv. Abgesichert wird stattdessen über das Gesamtportfolio und Short-Produkte.

Vom Citibank-Direktor zum Nebenwerte-Spezialisten

Paul Pleus ist seit knapp 40 Jahren an der Börse aktiv, von den Anfängen mit dem Handelsblatt und selbst gezeichneten Charts bis zu 13 Jahren als Direktor bei der Citibank, wo er Dotcom-Blase und Finanzkrise hautnah miterlebte. Studiert hat Paul Pleus Betriebswirtschaftslehre und danach zuerst als Controller gearbeitet. Diese Prägung bestimmt seinen Anlageprozess bis heute. Er beschreibt sich ausdrücklich nicht als Chart-Techniker: Er prüft eine Firma nach eigener Aussage auf Herz und Nieren, auf Geschäftsmodell, GuV und Bilanz. Nach einer Phase als Headhunter kam die Börse systematischer zurück in sein Leben, mit klarem Prozess statt Bauchgefühl.

Wie Paul Pleus sein 6-Jahres-Scoring-System entwickelt hat

Am Anfang stand die Suche nach der einen guten Kennzahl. Ein Buch beendete das: „What Works on Wall Street“ wertete zahllose KPIs aus und machte Paul Pleus klar, dass ein einzelner KPI allein nichts aussagt. Seither kombiniert er viele fundamentale Kennzahlen mit einem Momentum-Faktor.

Der zweite Wendepunkt war ein Unfall: Paul Pleus überschrieb an einem Tag versehentlich seine kompletten Excel-Modelle, über 20 Jahre Systemarbeit. „Aber im Endeffekt muss ich sagen, war das das Beste, was mir passieren konnte.“

Aus dem Totalverlust entstand ein schlankeres System in Google Sheets, mit dem er heute rund 100 Firmen im Detail verfolgt und Echtzeitkurse direkt abfragen kann.

So funktioniert Paul Pleus' Low-Vola-Strategie

Der Prozess läuft in drei Schritten. Erstens die Makro-Analyse am Wochenende anhand von DAX, Euro Stoxx 50, Nasdaq 100 und S&P 500 plus den Volatilitätsindizes VIX und VDAX. Schwankt ein Index an einem Tag um mehr als 2,5 Prozent (beim VIX 5 Prozent), setzt sich Paul Pleus sofort an den Rechner statt bis zum Wochenende zu warten. Aus den eingegebenen Daten sagt ihm sein System, wie viel Kapital auf steigende Kurse, auf fallende Kurse und in Cash gehört.

Zweitens der Abgleich Plan gegen Ist (Controller-Handwerk): Müssen Aktien abgebaut oder Absicherungen aufgebaut werden? Drittens das eigentliche Scoring der rund 100 verfolgten Nebenwerte nach Fundamentaldaten und Momentum, aus dem die Top 25 hervorgehen. Fällt ein Wert aus den Top 25, rückt der nächste mit höherer Punktzahl nach.

Abgesichert wird nicht über Stops, sondern über Short-Produkte und ETFs auf die großen Indizes, sobald das System erhöhte Nervosität meldet. Themen findet Paul Pleus über eine Mindmap aus langfristigen Trends: Wasserknappheit, Infrastruktur, demografischer Wandel.

Paul Pleus legt diszipliniert, zahlengetrieben und geduldig an

Emotionen haben in Paul Pleus' Auswahlprozess bewusst nichts verloren. Er geht nach Schema und Zahlen vor. Dass er Dotcom-Blase und Finanzkrise mitgemacht hat, sieht man seiner Grundhaltung an: Chancen sehen, ohne das Risiko auszublenden. Genau deshalb sichert er sofort ab, wenn sein System anschlägt. Er hat die schweren Abstürze einmal ungebremst erlebt und will das nicht wiederholen. Sein Satz für den Bildschirm: Eine Aktie kann nur 100 Prozent verlieren, aber über 1000 Prozent gewinnen.

Was das für dich heißt

Paul Pleus ist seit knapp 40 Jahren an der Börse und hat als Controller angefangen. So arbeitet er bis heute, mit Plan und Ist:

  • Er hat sein System so aufgebaut, dass er eine Woche lang nicht hineinschauen muss, außer ein Index bewegt sich an einem Tag um mehr als 2,5 Prozent. Hast du eine feste Regel, wann du auf den Markt schaust, und wann nicht?
  • Er sichert sofort ab, wenn sein System erhöhte Nervosität meldet. Was ist dein Signal, dein Risiko zu verringern, bevor es wehtut?
  • Er lässt Biotech weg, weil er die Branche in den meisten Fällen nicht versteht. In welchem deiner Werte steckt Geld, dessen Geschäft du nicht erklären könntest?
  • Er verkauft nicht, nur weil eine Aktie im Plus ist, solange die Firma nach seinem Modell noch deutlich mehr wert ist. Verkaufst du, weil sich an der Firma etwas geändert hat, oder weil der Kurs gestiegen ist?

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Wer ist Paul Pleus?

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Paul Pleus war 13 Jahre Direktor bei der Citibank und ist heute hauptberuflich Anleger mit einem streng datengetriebenen Prozess. Er verwaltet über 20 Millionen Euro nach seinem selbst entwickelten 6-Jahres-Scoring-Modell aus Fundamentaldaten und Momentum, dokumentiert im wikifolio „PPinvest Low Vola“.

Öffentlicher Track Record

  • +100,9 % PPinvest Low Vola, seit 01/2024, max. Verlust -13,3 %

Geprüft am 05.10.2026. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Aus den Kommentaren

Paul Pleus Gast
… Schön, dass bei Bulle & Mensch genau dafür Raum entsteht. Am Ende zählt wirklich der Mensch.
Bernhard Mitterlehner Gast
Paul ist mein ultimativer Hero!
@wolfhartInvest
Sehr gutes Interview! Echt interessant mal zu erfahren, wie andere wikifolio Trader so an die Sache herangehen!

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