Black Friday: Premium-Dossier „Wie Profis den Markt schlagen“ für 7,20 € statt 17,99 €, nur bis 30.11.nur noch heutePremium-Dossier 60 % günstiger →
[Bulle & Mensch]
Folge 40

Börsenblase erkennen: Wie Lars Erichsen den Markt liest

Lars Erichsen erklärt, woran du eine Börsenblase erkennst, warum Nvidia und AMD für ihn keine sind und wer im Goldmarkt die Stops der Anleger abfischt.

Seit Oktober 2024 handelt Lars Erichsen sein aktives Depot halböffentlich, ein paar tausend Leser der Rendite-Spezialisten sehen jeden Kauf und Verkauf. Bis zur Aufnahme dieser Folge steht es nach seinen Angaben bei rund 71 Prozent Plus, der S&P 500 hat seit 2024 knapp über 30 Prozent gemacht. Der höchste Drawdown in dieser Zeit liegt bei 4,6 Prozent.

Im Gespräch legt er offen, wie er dahin kommt. Er arbeitet mit Charttechnik und Trendfolge, kauft Werte im Aufwärtstrend und lässt Bewertungen in der aktiven Anlage außen vor. Zuerst setzt er den Stop am Chart, daraus rechnet er die Positionsgröße. Gewinne nimmt er oft zur Hälfte mit und zieht den Stop für den Rest nach. Das kostet in steilen Rallys Rendite, hält die Drawdowns aber flach.

„Man kann aber nicht sagen, die sind fundamental in einer Blase. Die sind günstig.“
– Lars Erichsen

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Eine Blase erkennt er zuerst an fahnenstangenartigen Kursbewegungen und an der Stimmung. Gerade sieht er eine seltene Lage: Viele Privatanleger sind skeptisch, verkaufen aber nicht.
  • Wer ständig über Blasen nachdenkt, verpasst oft die Rendite. Für ihn sind Blasen ein Tail Risk, das in der täglichen Analyse keine große Rolle spielt.
  • Im Crash trocknet der Markt aus. Es gibt nur noch Verkäufer, weil Fondsmanager raus müssen, wenn ihre Kunden raus wollen.
  • Im langfristigen Depot verkauft er in Krisen nie, sondern kauft bei 25 und 50 % Minus nach. In der aktiven Anlage gilt dagegen jeder Stop, immer.
  • 2008 hat ihn eine Put-Position auf Volkswagen in drei Nächten einen sechsstelligen Betrag gekostet. Seitdem gilt Charlie Mungers Satz „Invert, always invert“: Er sucht bei jeder Position zuerst, was schiefgehen kann.
  • Der Stop kommt vor der Positionsgröße. Bei 1 % Depotrisiko ergibt die Strecke vom Einstieg zum Stop, wie viele Anteile er kauft. Im Depot gelten 2 % für konservative, 1 % für spekulative und 0,5 % für sehr riskante Positionen.
  • Stops an offensichtlichen Marken werden gern abgefischt, im Goldmarkt etwa an der 4.200-Dollar-Unterstützung. Deshalb legt er seinen Stop ein gutes Stück weiter weg.
  • Einsteigern rät er zur langfristigen Anlage in Sachwerte: Aktien, Edelmetalle, Immobilien, ein bisschen Bitcoin. Aktiv anlegen muss niemand.

Wie Lars Erichsen Trader wurde und was ihn der VW-Squeeze gelehrt hat

Mitte der 90er verdiente Lars Erichsen als Tennistrainer 30 Mark die Stunde. Mit rund 10.000 Mark eröffnete er ein Depot, ging nachts Hunderte Charts bei BigCharts durch und rief morgens bei der Commerzbank an. Die Bank kaufte, wenn der Sachbearbeiter Zeit hatte. Kauf und Verkauf kosteten je 1,5 Prozent, 3 Prozent waren also schon weg. Ihm war schnell klar, dass er so kein Geld verdient.

Er suchte einen Broker, mit dem er auch short gehen konnte, und fand die Sino, 20 Jahre lang sein Broker. Erst danach stieg er 1998 voll ein. Wurde in der 3sat Börse eine Aktie wie Red Hat oder Commerce One für ein Musterdepot genannt, stand sie am Montag um 9 Uhr im deutschen Handel 10 Prozent höher, an der Nasdaq interessierte das niemanden. Er verkaufte leer und kaufte nachmittags 7 Prozent günstiger zurück, eine zeitlich versetzte Arbitrage, die viele Jahre funktionierte.

Teuer wurde es zur Zeit der Finanzkrise. Die Volkswagen-Aktie stieg von 60 auf in der Spitze 1.000 Euro, er setzte mit Put-Optionen dagegen, nach seiner Regel „Fahnenstangen werden abverkauft und zwar immer“. VW fiel tatsächlich, für ihn zweieinhalb Tage zu spät. Hätte er den sechsstelligen Buchverlust nicht glattgestellt, wäre der erste Margin Call seiner Laufbahn gekommen. Heute wartet er bei einer Fahnenstange auf das erste technische Verkaufssignal auf einer kleineren Zeitebene. Bei Silber um 130 Dollar war das ein Signal auf Vier-Stunden-Basis, mit konsequentem Stop, und es ging auf.

Nach der Finanzkrise wusste er, dass er in zehn Jahren nicht mehr daytraden will. Heute eröffnet er mit seinen Lesern höchstens ein oder zwei Positionen pro Woche und hält sie Wochen bis Monate.

So funktioniert Lars Erichsens Charttechnik-Strategie

Er kauft Stärke und verkauft Schwäche. Ein Aufwärtstrend ist für ihn eine Reihe höherer Hochs und höherer Tiefs. Schon dieser Filter wirft von Hunderten Charts die Hälfte raus, danach folgen weitere Bedingungen. Penny Stocks und Werte unter 500 Millionen bis einer Milliarde Marktkapitalisierung lässt er aus, weil seine Leser nach ihm ein- und aussteigen, ebenso Aktien, die in zwei Tagen 30 oder 40 Prozent springen.

Fällt ein Kurs unter das 61,8er Retracement, fällt er in weit über der Hälfte der Fälle weiter. Dreht er dort im laufenden Trend deutlich nach oben, ist das für ihn ein sehr guter Einstieg. Bei Bitcoin folgte in 14, 15 Jahren jedes Mal ein neues Allzeithoch, wenn der Kurs über den 50-Wochen-Durchschnitt stieg und eine weitere Wochenkerze das bestätigte. Den MACD lässt er weg, der braucht ausgeprägte Trends, und S&P 500 und DAX laufen seit Monaten seitwärts.

Er steigt lieber kurz vor dem offensichtlichen Signal ein, denn wenn alle kaufen, fehlt der nächste Käufer. Bei sehr volatilen Aktien nimmt er manchmal einen ETF, setzt den Stop enger und darf größer kaufen. Wer 4 oder 5 Prozent Depotrisiko je Trade eingeht und zehnmal in Folge danebenliegt, verliert 40 oder 50 Prozent und braucht danach 100 Prozent für den Rückweg. Er selbst wurde mehrfach fünf- bis achtmal hintereinander ausgestoppt, und Werte wie Micron, AMD und Nvidia fallen oft gemeinsam. Deshalb gilt 1 Prozent als Richtwert.

Jedes Szenario hat ein Ziel, die Gewinnstrecke muss größer sein als die Verluststrecke. Short geht er selten, als Absicherung hält er gerade Equinor, falls die Gaspreise deutlich steigen. Für die Indizes hat er Marken im Kopf, ab denen seine Ampel von Grün auf Gelb oder Rot springt.

Lars Erichsen über Distanz zum Geld und die Frage, warum er Trader wurde

„Letztlich habe ich getradet, weil ich das konnte.“
– Lars Erichsen

Sein Trading-Tagebuch bestand aus Tausenden DIN-A4-Blättern, oben der Chart, darunter, warum er ein- und ausgestiegen ist. Gefühle schrieb er nie dazu. Wer bei jedem Verlust von 1.000 Euro überlegt, was er damit hätte machen können, hält das nicht aus, sagt er. Börsenkapital hat für ihn den Charakter von Jetons, getrennt vom Geld fürs Leben. Als ihn die ersten Versuche 3.000 Mark kosteten, ging er einfach davon aus, dass er schon zurechtkommen würde.

Zwölf Stunden saß er als Daytrader allein vor dem Bildschirm. Heute, mit Mitte 50, fragt er sich, ob das eine bewusste Entscheidung war oder ein Reflex, so wie ein Fußballer Fußballer wird, weil er den Ball hochhalten kann.

Im Corona-Crash lag er mit einer Chartanalyse auf YouTube falsch. Der Stop griff schnell, jede Analyse hat bei ihm einen. Auch jetzt, wo er investiert ist und mit steigenden Kursen rechnet, sucht er vor allem, was schiefgehen kann. Ein KI-Unfall würde für ihn sofort zweistellige Kursverluste bringen. Auf den Zettel am Bildschirm schreibt er „Invert, always invert“. Daneben passt der rheinische Spruch seiner Mutter, dass es noch immer gut gegangen ist, weil die Dinge oft nicht so schlimm kommen, wie man sie sich ausmalt.

Wer ist Lars Erichsen?

Chefredakteur der Rendite-SpezialistenProfil ansehen →

Lars Erichsen kommt aus Flensburg und hat Sport und Wirtschaft studiert. Sein Geld verdiente er als Tennistrainer, als er Mitte der 90er Jahre im Flensburger Tageblatt sah, wie die Allianz an einem Tag fünf, sechs Prozent stieg.

Profis antworten

Lies, was Lars Erichsen dazu sagt, neben den Antworten der anderen Profis:

Alle Antworten nach Thema: Arbeitsweise, Aktien auswählen und Einstieg