Defensive wikifolio-Strategie: Dominik Doster
Wie Dominik Doster sein wikifolio mit Notizbuch, Geduld und einem Blick zuerst auf das Risiko führt und warum Investieren für ihn Kunst statt Mathematik ist.
Dominik Doster hält mindestens 15 Prozent Cash, solange der MSCI World am Allzeithoch steht. Liegt der Index 10 Prozent darunter, sind es mindestens 10 Prozent, bei minus 15 Prozent noch 5 Prozent. Erst bei minus 20 Prozent geht er voll in Aktien. Zur Aufnahme lag seine Cash-Quote bei 16 bis 17 Prozent, geparkt in kurzlaufenden Anleihen.
Im Gespräch erklärt er seine defensive Value-Strategie. Er sucht Qualitätsaktien zu einem möglichst günstigen Preis und misst diesen Preis an der Gewinnrendite, also am umgedrehten KGV. Den Chart lässt er bei der Entscheidung außen vor. Im Depot hält er 10 bis 12 Aktien, und eine neue Firma kauft er frühestens nach ein, zwei Monaten Nachdenken mit dem Notizbuch.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Sein Regelwerk, 7 Punkte: Ziel 1 · Auswahl 1 · Absicherung 1 · Risiko 1 · Routine 1 · Positionsgröße 1 · Psychologie 1
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RegelZielDefensiv für mehr Renditeüber viele Zyklen Defensiv heißt für ihn nicht weniger Rendite: „Defensiv heißt nicht weniger Rendite, sondern ich erhoffe mir mehr Rendite dadurch, indem ich vor allem die Abwärtsbewegungen nicht so stark mitnehme.“
Zitat & Begründung
„Defensiv heißt nicht weniger Rendite, sondern ich erhoffe mir mehr Rendite dadurch, indem ich vor allem die Abwärtsbewegungen nicht so stark mitnehme“ ▶ 1:32
- In fallenden Märkten fallen defensive Aktien weniger als riskante.
- Über viele Zyklen will er besser abschneiden als der Markt.
- Er ist 28 und plant über seine ganze Lebensspanne.
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RegelAuswahlRisiko zuerst prüfenHerkunftslandKonkurrenz und Management Sein Auswahlprozess beginnt konsequent mit dem Risiko, nicht mit der Chance: Er schaut zuerst auf Herkunftsland, Konkurrenzsituation und Management, erst danach auf die Zahlen.
Zitat & Begründung
„wenn die Risiko-Seite schon nicht passt, dann lege ich das Unternehmen schon zur Seite“ ▶ 1:50
- Länder mit unsicherem Rechtssystem schließt er immer aus, dort droht Enteignung.
- Auch gute Unternehmen können auf lange Sicht Risiken tragen.
- Erst danach kommen Zahlen, Wachstum und langfristige Trends.
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RegelAbsicherungVorbereiten statt reagieren Auf Krisen bereitet er sich vorher vor: Die Cash-Position stand schon, als Donald Trump ins Amt kam. Im Zollschock blieb er deshalb ruhig und musste nicht umschichten.
Zitat & Begründung
„Aber durch die gesunde Cash-Position, durch den defensiven Charakter, konnte ich dann auch ganz gut damit umgehen“ ▶ 18:41
- Die Cash-Position baute er schon auf, als Trump ins Amt kam.
- Er spielte durch, was bei längeren oder höheren Zöllen passiert.
- In Schockmomenten handelt er sehr wenig.
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RegelRisikoCash-Quote nach Abstand zum Hochmind. 15 % Cash am Allzeithocherst bei minus 20 % voll investiertKlare Aussage Er hat seine Cash-Quote spürbar erhöht, weil ihm große Teile des Marktes aktuell zu hoch bewertet erscheinen, ohne dabei eine konkrete Crash-Prognose abzugeben.
Zitat & Begründung
„ich habe mindestens 15 % Cash, wenn wir am Allzeit hoch sind. Wenn wir 10 % darunter sind, habe ich mindestens 10 % Cash“ ▶ 44:19
- Stimmung und hohe Gewinne sprechen für ihn gerade für einen teuren Markt.
- Über 25 % Cash geht er fast nie, weil Aktien langfristig stärker steigen.
- Das Cash liegt in kurzlaufenden Anleihen.
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RegelRoutineTagebuch zu jeder Aktieunregelmäßig2 bis 3 Stunden am Tag Statt eines klassischen Trading-Journals führt er ein echtes Tagebuch über Gefühle und Thesen zu einzelnen Unternehmen, das er Monate oder Jahre später erneut liest.
Zitat & Begründung
„Also ich schreibe mir immer auf, wie meine aktuellen Gedanken zu der Aktie sind“ ▶ 1:23:33
- Beim Nachlesen sieht er, wie begeistert er früher war.
- So hat er gemerkt, dass er nicht in China investieren will.
- Nachdenken mit Notizbuch dauert bei ihm Wochen bis Monate.
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RegelPositionsgrößeGewichtung nach Urteil, nicht nach Formelerwartete Gewinnrendite Positionen und Unternehmen zu vergleichen bleibt für ihn am Ende ein subjektiver Prozess: „Ich sage immer, ist eine Kunst und keine Mathematik.“
Zitat & Begründung
„Ja, also es ist schon ein subjektiver Prozess. Ich sage immer, ist eine Kunst und keine Mathematik.“ ▶ 1:41:47
- Vergleichen lässt sich am Ende nur, wie viel Gewinnrendite er erwartet.
- Die besten Unternehmen bekommen die größte Gewichtung.
- Bei großen Positionen schaut er mehr auf das Risiko als auf die Chance.
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RegelPsychologieIm Minus dabeibleiben Verlustphasen sitzt er aus: Nach über drei Jahren Investieren stand sein privates Depot im Minus, dabeizubleiben war rückblickend richtig. Den Corona-Einbruch nutzte er eher als Chance.
Zitat & Begründung
„Rückblickend war es nicht einfach, aber war das Richtige dabei zu bleiben.“ ▶ 1:49:27
- Über lange Sicht lief es dann doch wieder gut.
- Wer handelt, fühlt sich besser, an der Börse bringt das aber nichts.
- Ruhig bleiben führt für ihn zu besseren Entscheidungen.
Meinungen von Dominik Doster aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Die Wertentwicklung von +72% beziehen sich laut wikifolio-Webseite auf das wikifolio „Defensive Aktien und ETF-Werte“ im Zeitraum vom 13.03.2023 bis 17.08.2026.
Wie Dominik Doster seinen defensiven Value-Ansatz entwickelt hat
Angefangen hat es mit dem Planspiel Börse in der Realschule. Auf dem Wirtschaftsgymnasium hatte Dominik Doster BWL und VWL, ein YouTube-Kanal begeisterte ihn für Aktien und brachte ihn zu Warren Buffett. Gelernt hat er vor allem aus Büchern, aus der Buffett-Biografie, von Peter Lynch und aus den Aktionärsbriefen von Buffett und vom Chef von Brookfield.
Nach drei, vier, fünf Jahren als Investor kaufte er chinesische Aktien, weil sie in den Medien präsent waren, drei oder vier Stück, darunter Alibaba und JD.com. Er verkaufte sie bald wieder mit 3 bis 5 Prozent Verlust. Jahre später kaufte er NetEase, und die Aktie lief gut. Beim Nachlesen seiner alten Notizen erkannte er dieselbe Begeisterung wieder und stieg aus. In China will er wegen des unsicheren Rechtssystems für ausländische Investoren nicht investiert sein, und diesen Fehler, sagt er, macht er nicht noch einmal.
Als Anfänger handelte er zu oft, kaufte nach einem guten Bericht und verkaufte nach dem nächsten. Heute kommt im wikifolio alle 6 bis 12 Monate eine Aktie dazu oder fällt weg. Seine Cash-Position baute er auf, als Donald Trump ins Amt kam und viele an der Börse feierten. Als die Zölle kamen, war er in Florida unterwegs und fragte Amerikaner nach ihrer Sicht. Die Antworten teilten sich fast 50 zu 50, einen Neutralen traf er nicht.
Berkshire Hathaway hat er nach Buffetts Rücktritt nur minimal reduziert. Bei einem 95-Jährigen war der Abschied für ihn absehbar und steckte schon in der niedrigeren Bewertung.
So funktioniert Dominik Dosters defensive Value-Strategie
Ideen findet er im Alltag. In Japan beeindruckten ihn die schnellen Züge, ein paar Stunden später schaute er sich die Bahngesellschaften als Aktie an und legte sie wieder weg. Von allen Firmen, die er so prüft, bleiben etwa 5 Prozent für einen zweiten Blick, vielleicht 2 Prozent lohnen eine tiefe Analyse. Durch fällt ein Unternehmen, wenn es schrumpft, keinen Gewinn macht, aus einem Land mit unsicherem Rechtssystem kommt oder in einen Preiskampf geraten kann. Duolingo ist für ihn trotz Marktführung kein Qualitätsunternehmen, weil KI das Geschäft verdrängen könnte. Einen britischen Zahlungsabwickler verkaufte er, als PayPal, Apple Pay und Google Pay den Markt zu eng machten.
Als Kennzahl zählt für ihn die Eigenkapitalrendite, bei stark verschuldeten Firmen die Gesamtkapitalrendite. Das KBV hat er früher überschätzt, Softwarefirmen haben wenig Eigenkapital. Ist ein Unternehmen eine Billion wert und verdient 100 Milliarden, liegt die Gewinnrendite bei 10 Prozent, dazu kommt das Wachstum. Cashflows prognostiziert er nicht, er schließt aus Burggraben, Management, Marktposition und Margen auf die Richtung. Screener nutzt er für den Gewinnverlauf der letzten zehn Jahre, KI nur für Fakten.
Eine neue Firma landet nie in den ersten zwei, drei Wochen im Depot. Meist kauft er Unternehmen, die er seit Jahren kennt, aus einem Universum von 20 bis 40 Aktien und 10 bis 20 auf der Watchlist. Die Positionsgröße legt er ohne harte Kriterien fest. Je kleiner die Risiken, desto größer die Position. Dino Polska ist die kleinste, Berkshire Hathaway die größte. Amazon kommt auf 8 bis 9 Prozent, zusammen mit Alphabet sind es rund 20 Prozent Tech. Ohne das Risiko eines Konflikts um Taiwan wären beide deutlich größer.
Fallen die Kurse, kauft er nach, steigen sie, verkauft er ein Stück, alle ein, zwei Wochen in kleinen Schritten. Ganz raus fliegt eine Aktie bei deutlicher Übertreibung oder wenn eine andere klar mehr verspricht, so wie Mercado Libre nach einem starken Anstieg. Auf Makrothesen setzt er nur klein, nach Ausbruch des Irankriegs 10 Prozent auf Ölwerte.
Wie Dominik Doster als Investor mit Tagebuch, Drawdown und Selbsttäuschung umgeht
Seinen stärksten Drawdown erlebte Dominik Doster im Corona-Crash, den er eher als Chance nutzte. Härter war der Blick auf sein privates Depot, das nach über drei Jahren Investieren im Minus stand. Dabeizubleiben war rückblickend richtig.
Seit er im Dezember seinen Job reduziert hat, kommt er jeden Mittag heim und arbeitet zwei, drei Stunden am Tag an Aktien. Er liest Bücher, recherchiert und denkt nach. Neue Erkenntnisse trägt er ins Notizbuch ein und überträgt sie manchmal in Word-Dateien. Gegen Selbsttäuschung hilft ihm Zeit. Nach mehreren Wochen Nachdenken ist meist doch nicht alles rosig, dazu hört er Leute mit der Gegenthese. Ist eine verpasste Aktie wie Nvidia inzwischen 300 Prozent teurer, analysiert er sie neu, bevor er kauft.
Früher war er sehr schüchtern. Gesundheit ist neben Aktien seine Leidenschaft, und gegen die vielen Reize baut er Hürden ein, das Handy in einem anderen Raum, eine gelöschte App, die er erst neu installieren müsste. Wie gut das klappt, schreibt er auf. Auf den Zettel am Bildschirm kommt „Krisen kommen immer“. Würde Taiwan angegriffen, würde er kaufen, und dafür hält er Cash.
Was das für dich heißt
Dominik Doster ist 28 und seit über zehn Jahren an der Börse. Er arbeitet mit wenigen, festen Regeln:
- Er hat eine feste Cash-Regel: mindestens 15 Prozent Cash am Allzeithoch, und erst bei minus 20 Prozent geht er voll in Aktien. Weißt du schon vorher, bei welchem Marktstand du nachkaufst?
- Er kauft ein Unternehmen, das er neu entdeckt, nie in den ersten zwei, drei Wochen. Wie lange lässt du eine neue Idee liegen, bevor du kaufst?
- Er schreibt seine aktuellen Gedanken zu jeder Aktie auf und liest später nach, wie er früher darüber gedacht hat. Kannst du heute nachlesen, warum du deine letzte Aktie gekauft hast?
- Er kauft bei fallenden Kursen etwas nach und verkauft bei steigenden ein Stück, immer nur in kleinen Schritten. Was tust du, wenn eine deiner Aktien stark fällt?
Weiter in der Reihe wikifolio Trader: Folge 21 →
Seine Positionen
Welche Anlagen Dominik Doster im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im August 2026).
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HältBerkshire Hathawaygrößte Position25:59 Zitat
„Ich hab sogar eine kleine Reduzierung vorgenommen, die war so minimal, dass es immer noch die größte Position ist“
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HältBrookfieldsehr große Gewichtung22:37 Zitat
„Der zweite Grund ist Brookfield, ein anderes Unternehmen, das eine sehr große Gewichtung bei mir hat“
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HältAmazonkleiner wegen China-Risiko1:13:04 Zitat
„am Ende komme ich dann trotzdem zu einer Gewichtung von 8 bis 9 Prozent bei Amazon“
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HältAlphabetkleiner wegen China-Risiko1:15:26 Zitat
„Also der eine ist super für Alphabet und Amazon und der andere Trend ist schlecht“
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HältDino Polskakleinste Position38:36 Zitat
„Also ein Beispiel ist eine Dino Polska, das ist meine kleinste Position“
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HältCash in kurzlaufenden AnleihenPuffer, je nach Marktlage27:03 Zitat
„die Cash Position investiere ich immer in kurzlaufende Anleihen, damit sie einfach noch bisschen Rendite bringen ohne Risiko“
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MeidetChinesische AktienRechtssystem zu unsicher1:28:57 Zitat
„ich will ja gar nicht in China investieren, weil ich das eben nachgelesen habe“
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SkeptischHebelproduktenicht für Privatanleger2:09:44 Zitat
„Hebelprodukt ist natürlich auch ein schlechtes Beispiel, weil das würde ich keinem privaten Anleger empfehlen zum Beispiel“
Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.
Buchtipps von Dominik Doster
Buchtipps aller Gäste →Mehr Bücher zum Thema: Value und Fundamentalanalyse und Dividende und Vermögensaufbau
Weitere Folgen
Alle Folgen ansehen →Dominik Doster ist 28 Jahre alt und seit rund 15 Jahren an der Börse aktiv. Öffentlich bekannt wurde er über sein wikifolio „Defensive Aktien und ETF-Werte*“, das seit Auflage im März 2023 bei rund +72 Prozent steht und mit knapp 2 Millionen Euro investiertem Kapital zu den größeren wikifolios der Plattform zählt.
Aus den Kommentaren
Mehr Erfahrungen →Danke dir, lieber Mario, für das tolle Gespräch und die super Moderation! Hat wirklich riesigen Spaß gemacht.
Starke Leistung Dominik und top umgesetzt Mario. Viel Erfolg euch beiden weiterhin und bis bald mal.
Dominik hat viel Erfahrungen für sein Alter und auch einen etwas unkonventionellen Ansatz. Stichwort Nachdenken, Notizbuch. Erfolg gibt recht, daher gilt wie immer: Jeder muss seinen Weg finden. Er hat ihn scheinbar gefunden. Das er ein weiteres Buch schreibt, gute Sache, Wissen zu teilen. War kurzweilig zu hören, gut nachgefragt, das war bei diesem Gast wichtig. 👍
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