[Bulle & Mensch]
Folge 22 · 1 Buchtipp

Trading-System aus 30 Jahren Börse: Christian Jagd

30 Jahre Börse, zwölf Jahre öffentliches wikifolio: Christian Jagd zeigt, wie ein multistrategisches System aus Trend, Relative Value und Event-Trades funktioniert und warum Disziplin dabei mehr zählt als Analyse.

Wer den Markt über ein Jahrzehnt schlägt, hat kein Geheimrezept. Christian Jagd handelt seit 30 Jahren, ist zertifizierter Xetra-Händler mit Eurex-Zulassung und führt seit März 2014 ein öffentliches wikifolio: „Intelligent Matrix Trend*“. Sein Vorteil ist keine bessere Prognose. Er ist bereit, eine These sofort fallen zu lassen, wenn der Markt ihr widerspricht.

Christian Jagd ist zertifizierter Xetra-Händler mit Eurex-Zulassung, seit 30 Jahren an der Börse aktiv und betreibt seit 2014 das öffentliche „Intelligent Matrix Trend“-wikifolio. Im Gespräch macht er sein System transparent: von der Positionsgröße über die Rolle relativer Stärke bis zu der Frage, wann bei einer Marktbewegung für ihn das orange Lämpchen angeht.

„Man ist niemals verheiratet in seiner Position, sag ich mal.“
– Christian Jagd

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Erfahrung schärft, schützt aber nicht: 30 Jahre am Markt (Neuer Markt, Finanzkrise, Corona, KI-Welle) schärfen den Instinkt für Übertreibungen, bewahren aber nicht vor Fehlern.
  • Multistrategisch statt Eine-These-Portfolio: direktionale Trends, Relative-Value-Ansätze und Event-Strategien liegen bei Christian Jagd im selben Werkzeugkasten.
  • Relative Stärke ist der Kern: was beim Fallen weniger nachgibt und beim Turnaround überproportional steigt, ist für ihn das belastbare Signal.
  • Fehler sofort korrigieren: „Mist gebaut, sofort korrigieren“. Also raus, Restart, neu schauen, statt auf Bestätigung zu hoffen.
  • Positionsgröße als Risikobremse: maximal 5 % pro Position, typischerweise 70-80 Werte, Cashquote selten über 10 %.
  • Fallen Angel oder tote Katze: bei ausgebombten Werten unterscheidet er sauber zwischen echter Bodenbildung und einem Dead-Cat-Bounce, bei dem jede Aufwärtsbewegung sofort wieder abverkauft wird.
  • Zweifel ist der Edge: „Ertrage den Zweifel.“ Wer sich einer Position zu 100 % sicher ist, hat aufgehört zu beobachten.

Wie Christian Jagd vom Parketthandel zum eigenen wikifolio kam

Der Weg beginnt auf dem Flohmarkt: Christian Jagd verdient schon als Kind eigenes Geld, das Buch mit 13 Jahren liefert den thematischen Zünder. Beim Neuen Markt lernt er, dass brechende Unterstützungen und Kopf-Schulter-Formationen ernst zu nehmen sind. Er verkauft, während der Rest euphorisch bleibt. Als zertifizierter Xetra-Händler erlebt er die Finanzkrise 2008/09 aus nächster Nähe, mit Orders in Millionenhöhe im Sekundentakt. Der prägendste Satz stammt aus dieser Zeit von seinem damaligen Chef und ist bis heute sein Kernprinzip:

„Wenn man feststellt, okay, Mist gebaut, sofort korrigieren. Da hilft dann kein Hoffen, Bangen, sonst irgendwas.“

Seit März 2014 macht Christian Jagd seine Arbeit im öffentlichen wikifolio sichtbar, inklusive der Phasen, in denen es nicht läuft.

So funktioniert Christian Jagds Multistrategie-System

Märkte/Assets: Schwerpunkt liquide Märkte in den USA und Europa, Gold als diversifizierende Beimischung, Krypto wird beobachtet, spielt aber keine zentrale Rolle

Strategischer Baukasten: (1) direktionale Strategien: Top-Down von Region über Sektor zur Einzelaktie, gestützt durch Chartmuster, (2) Relative-Value-Strategien: regionale Korrelationen, Gold als negativer Korrelator, (3) Event-Strategien: Quartalszahlen, Studienergebnisse, aktivistische Investoren, Fallen Angels

Positionierung: maximal 5 % pro Position, typischerweise 70-80 Werte gleichzeitig, Cashquote selten über 10 %

Struktureller Edge: volle Flexibilität. Christian Jagd kann seine Quote kurzfristig drastisch herunterfahren, was große institutionelle Fonds so nicht können

Charttechnik: 200-Tage-Linie, Kopf-Schulter-Formationen, Unterstützungszonen, bewusst keine Indikatoren-Überladung

Risikomanagement: überwiegend mentale Stopps, Kernprinzip bleibt das schnelle Anerkennen eines Fehlers statt Warten auf Bestätigung durch den Markt

Christian Jagd als Trader über Zweifel, Drawdowns und das orange Lämpchen

Der Drawdown 2021/2022 war real: Christian Jagd kam aus starkem Momentum, verpasste optimale Ausstiegspunkte und reagierte mit systematischem Hinterfragen statt mit Lähmung: Er führte sein Trader-Handbuch wieder. Das öffentliche wikifolio bringt zusätzlichen Druck mit sich, den er als Merkmal des Produkts annimmt statt als Last. Bei der KI-Welle erwartet er keine Verdrängung des Menschen durch die Maschine, registriert aber genau, wann eine Bewegung so weit vorangelaufen ist, dass bei ihm ein oranges Lämpchen angeht. Auf die Abschlussfrage nach einem Satz für den Bildschirm antwortet er: „Ertrage den Zweifel.“ Und: „Bleib skeptisch, bleib wach.“

Was das für dich heißt

Christian Jagd ist seit 30 Jahren an der Börse und war Xetra-Händler. Mitgenommen hat er vor allem eine Haltung:

  • Er steigt sofort aus, wenn er merkt, dass eine Position ein Fehler war. Wie lange hältst du eine Position, obwohl du eigentlich schon weißt, dass sie ein Fehler war?
  • Er ist so gut wie nie mit mehr als fünf Prozent in einer Position. Wie groß darf eine einzelne Position bei dir werden, bevor sie über dein Depot bestimmt?
  • Er holt in schwachen Phasen sein Trader-Handbuch heraus und schreibt zu jeder Position auf, warum er sie eingegangen ist und so lange gehalten hat. Könntest du für jede offene Position aufschreiben, warum du sie noch hältst?
  • Er hält den Zweifel an seinen Positionen bewusst wach. Bei welcher deiner Positionen bist du dir so sicher, dass du gar nicht mehr genau hinschaust?

Weiter in der Reihe wikifolio Trader: Folge 23 →

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Wer ist Christian Jagd?

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Christian Jagd stammt aus Rheinhessen, sein Vater war Kaufmann. Geschäftssinn lag früh in der Familie. Mit 13 bekommt er das Buch „Geld, Gold, Börse“ geschenkt, das seine Faszination für die Märkte auslöst. 1996 eröffnet er sein erstes Depot.

Öffentlicher Track Record

  • +804,4 % Intelligent Matrix Trend, seit 03/2014, max. Verlust -42,2 %

Geprüft am 05.10.2026. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Aus den Kommentaren

Paul Pleus Gast
Klasse Interview! Nichts ist wichtiger als Erfahrung, die Christian auf jeden Fall hat.
Bernhard Mitterlehner Gast
Christian ist ein großartiger Typ und unglaublich kompetenter Trader.
Interessantes Video mit Christian. Viele wichtige Grundsätze, von denen vor allem auch Anfänger profitieren können.

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