Wer im Finanz-Internet von 30 bis 40 Prozent Rendite spricht, bekommt normalerweise sofort dieselbe Antwort. Gerd Ackermann kennt sie, er widerspricht ihr trotzdem - und er hat kein Geheimrezept, sondern eine Konstruktion aus Aktie plus Versicherung.
Der Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik handelt seit 1999 an der Börse und hat mit dem Married Put - beziehungsweise dessen Weiterentwicklung, dem High Watermark Put - ein System entwickelt, das Aktien mit tief im Geld liegenden Put-Optionen kombiniert. Sein Ziel: Verluste vertraglich begrenzen, während die Gewinnchance nach oben offen bleibt.
Gerd Ackermann ist Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik, seit 1999 selbstständig und ebenso lange an der Börse aktiv. Mit dem High Watermark Put hat er eine Strategie entwickelt, die Aktien mit tief im Geld liegenden Put-Optionen kombiniert und das Verlustrisiko jeder Position von Tag eins an vertraglich deckelt.
🤖 Frag [Bulle & Mensch]
Was hat Gerd Ackermann zu diesem Thema gesagt? Die KI durchsucht diese Folge und alle anderen nach seinen Original-Aussagen – mit Timestamp und Fundstelle.
Jetzt fragenKapitel
- 00:00:00Married Put: 30-40 % Rendite bei minimalem Verlustrisiko - geht das wirklich?
- 00:01:28Was ist ein Married Put? Grundprinzip und Aufbau erklärt
- 00:07:56Die Put-Option als Versicherung: Strike, Laufzeit, Preis
- 00:09:45⚡ Married Put statt Stop-Loss: der entscheidende Unterschied
- 00:15:02Positionsgröße und Hebeleffekt: mehr Aktien bei gedeckeltem Risiko
- 00:20:01⚡ High Watermark Put: Gewinne nach oben rollen
- 00:33:00Optionsschein oder Option: warum der Emittent zum Risiko wird
- 00:42:07Optionspreisbildung: innerer Wert, Zeitwert und Volatilität
- 00:53:26Der Wendepunkt: wie eine Präsentation sein Depot komplett umgestellt hat
- 01:07:24Aktienauswahl und Einstieg: Charttechnik trifft Volatilität
- 01:14:24Das einzige Kriterium bei der Option: niedrige Volatilität
- 01:20:25Lieblings-Setup Altria: Dividende und Margin-Hebel
- 01:45:49Trading-Journal: was Gerd Ackermann nach jedem Trade analysiert
- 01:50:42⚡ 126 % Rendite in 2025
- 02:05:44„Gewinne entstehen, wenn Verluste verschwinden" - Gerd Ackermanns Börsen-Philosophie
Aufnahmedatum: 02.06.2026
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Die wichtigsten Erkenntnisse
- Der Put ist eine Versicherung, kein Wettschein: Gerd Ackermann kauft zu 100 Aktien einen Put-Kontrakt, der genau diese Position absichert - im Beispiel eine Aktie zu 100 Dollar mit einem Put-Strike bei 150 Dollar.
- Stop-Loss ist kostenlos, aber unverbindlich: Ein Stop-Loss kostet nichts, garantiert aber keinen Ausführungskurs. Der Put garantiert den Verkaufspreis vertraglich, egal wie tief die Aktie fällt.
- Risiko deckeln erlaubt größere Positionen: Wer sein Verlustrisiko pro Trade auf rund ein Prozent des Depots begrenzt, kann mit dieser Konstruktion deutlich mehr Aktien halten als über weite Stop-Loss-Abstände.
- Hochrollen statt hoffen: Läuft die Aktie zum Strike, verkauft er die alte Versicherung und kauft eine höhere - bei Micron im vergangenen Jahr 24-mal in derselben Position.
- Stillhalter-Erfahrung als Lehrgeld: Bei PayPal, „mal irgendwann bei 300 Dollar", hat ihn eine vergrößerte Stillhalterposition nach eigener Aussage „mächtig zerlegt" - der Auslöser, das System zu wechseln.
- Die Option hat nur ein Kriterium: „bei der Option ist es nur ein Faktor, die Volatilität muss niedrig sein" - günstig versichern, wenn niemand Angst hat.
- 126 % in 2025: Auf die Frage nach der Jahresperformance 2025 antwortet Gerd Ackermann schlicht mit „126 %".
Was das für dich heißt
Für Gerd Ackermann ist Rendite nur die Folge. Im Mittelpunkt steht bei ihm, was er verlieren kann:
- Er riskiert pro Position meist ein Prozent seines Depots, manchmal zwei, mehr nicht. Kennst du vor dem Kauf den Betrag, den du bei diesem Trade höchstens verlieren kannst?
- Er legt fest, was er zahlen will, und bleibt draußen, wenn der Markt ihm den Preis nicht gibt. Kannst du einen Einstieg verpassen, ohne ihm hinterherzulaufen?
- Er führt seit vielen Jahren ein Trading-Journal und schaut sich vor allem die schiefgelaufenen Trades genau an. Was hast du aus deinem letzten Verlusttrade aufgeschrieben?
- Er hat sein System umgestellt, als sein Tagebuch zeigte, dass die Kurve nicht nachhaltig steigt. Was müsste deine eigene Auswertung zeigen, damit du dein Vorgehen änderst?
📚 Begriffe aus dieser Folge
🎙️ Profis antworten
Diese Fragen stellt Mario vielen Gästen. Lies die Antworten von Gerd Ackermann neben denen der anderen Profis:
- Was würdest du heute anders machen, wenn du neu anfangen würdest?Gerd Ackermann: Schauen, was die großen Profis machen
- Wie sieht dein Tagesablauf aus?Gerd Ackermann: Einmal täglich reinschauen
Wie Gerd Ackermann seinen High Watermark Put entwickelt hat
Gerd Ackermann kam nicht über die Theorie zum Married Put, sondern über eigene Verluste. Nach einem Anfängerkurs für Optionen handelte er jahrelang klassische Stillhaltergeschäfte - Short Puts verkaufen, bei Einbuchung Short Calls hinterher. Bei PayPal wurde daraus ein Problem: Er vergrößerte die Position nach den üblichen „Rescue Missions", die Aktie halbierte sich erneut, und der Verlust holte weg, was viele gute Trades vorher aufgebaut hatten. Sein Trading-Tagebuch zeigte ihm schwarz auf weiß, dass die Kurve hochging und wieder herunterkam.
Noch früher hatte er dieselbe Lektion mit anderen Produkten gelernt: In der Finanzkrise und dann extrem im Corona-Crash stellte der Emittent seiner Optionsscheine schlicht keinen Kurs mehr. „Wenn der Emittent Lehman Brothers heißt, dann ist das Ding auch wertlos." Seitdem handelt er nur noch börsengehandelte Optionen ohne Emittenten dazwischen.
Der eigentliche Wendepunkt kam über einen Umweg: In seiner Trading-Community sollte er den Married Put bei einem Präsenztreffen vorstellen. Beim Ausarbeiten dieser Präsentation rechnete er zum ersten Mal systematisch sein eigenes Chancen-Risiko-Verhältnis durch - und stellte, noch während der Vorbereitung Mitte 2024, sofort sein Depot um. Im Herbst 2024 hielt er den Vortrag in Lüneburg. Ein halbes Jahr später war praktisch das gesamte Depot auf Married-Put-Positionen umgebaut.
So funktioniert Gerd Ackermanns High-Watermark-Put-Strategie
Märkte und Assets: hochliquide US-Aktien mit engen Spreads im Optionsmarkt, charttechnisch im Aufwärtstrend, nach doppeltem Boden, Cup-and-Handle oder Turnaround - bevorzugt mit Dividende. Krypto nur indirekt über einen optionierbaren Bitcoin-ETF.
Kernkonstruktion (Married Put): 100 Aktien plus ein Put-Kontrakt mit langer Laufzeit und einem Strike deutlich über dem Kurs - im Beispiel 100-Dollar-Aktie, Put-Strike 150 Dollar. Der Put ist damit tief im Geld und besteht fast nur aus innerem Wert, der Zeitwert bleibt klein.
High Watermark Put: Steigt der Kurs Richtung Strike, wird die alte Absicherung verkauft und eine höhere gekauft. Ab dem zweiten Hochrollen ist das Nettogewinn - bei Micron gelang das im vergangenen Jahr 24-mal.
Option-Kriterium: niedrige Volatilität beim Kauf. Die Versicherung wird billig eingekauft, wenn der Markt ruhig ist - im Bild von Gerd Ackermann: keine Feuerversicherung abschließen, während die Stadt brennt.
Dividende als Hebel: Bei Werten wie Altria trägt die Dividende über die Zeit die Kosten der Versicherung mit; zusätzlich arbeitet er kontrolliert mit Margin.
Risiko: vertraglich durch den Put-Strike begrenzt - unabhängig davon, wie tief die Aktie fällt.
Gerd Ackermann als Risikomanager: diszipliniert, mathematisch, kompromisslos
Für Gerd Ackermann ist die Rendite nur die Folgeerscheinung. Im Zentrum steht die Risikokontrolle: das Risiko kennen, kontrollieren und bei jeder Anpassung weiter reduzieren. Halbiert er das Risiko bei gleicher Gewinnchance, verdoppelt sich sein Chancen-Risiko-Verhältnis - das ist die Rechnung, die er statt einer Prognose anstellt. Getragen wird das von einem Trading-Journal, das er seit vielen Jahren führt und in dem er vor allem die schiefgelaufenen Trades auseinandernimmt.
Emotional bleibt ihm dabei weniger der 126-Prozent-Erfolg in Erinnerung als die Momente, in denen er die Kontrolle nicht hatte: der ausgebuchte Optionsschein nach der Finanzkrise, der Emittent ohne Kursstellung im Corona-Crash, die vergrößerte PayPal-Position. Dass heute jede Position vertraglich nach unten abgesichert ist, macht das Trading für ihn planbar statt nervös. An seinem Bildschirm klebt dafür ein Zettel:
„Gewinne entstehen, wenn Verluste verschwinden."




