Torsten Maus handelt seit dem Jahr 2000 an der Börse, seit 2005 durchgehend profitabel. Sein System ist denkbar streng: Von den Aktien, die sein Screening auswirft, fällt nach eigener Aussage rund eine von zwanzig überhaupt in die engere Auswahl. Der Rest fliegt raus.
Torsten Maus ist Trendfolge-Trader, Kopf des Trend-Surfer-Teams und führt ein öffentliches wikifolio. Was ihn besonders macht: Er kombiniert Trendfolge nach dem Vorbild von Nicolas Darvas mit einer Marktphasenanalyse über Intermarket-Daten - und setzt Kapitalerhalt konsequent über Renditemaximierung.
🤖 Frag [Bulle & Mensch]
Was hat Torsten Maus zu diesem Thema gesagt? Die KI durchsucht diese Folge und alle anderen nach seinen Original-Aussagen – mit Timestamp und Fundstelle.
Jetzt fragenKapitel
- 00:00:00Intro: 25 Jahre Börse und der prägendste Moment
- 00:06:12Dotcom-Blase: Einstieg als BAföG-Student ohne Strategie
- 00:12:05Lernen aus Verlusten: Bücher, Charttechnik und Mentoren
- 00:18:04Der Weg zur ersten profitablen Phase bis 2005
- 00:24:03Warum Trendfolge nach Nicolas Darvas seine Strategie wurde
- 00:30:07Marktphasen lesen: Aufwärts- gegen Abwärtsmarkt
- 00:36:11Finanzkrise 2008: die ersten Warnsignale im Bankensektor
- 00:42:15Absicherung mit Puts und Shorts: knapp 2 Prozent Plus im Krisenjahr
- 00:48:09Intermarket-Analyse: Zinsen, Anleihen und Kapitalströme
- 00:55:03Crash-Psychologie: Sentiment und Marktstimmung
- 01:00:08Weitere Krisen: Eurokrise, China-Schock, Corona
- 01:06:12Corona-Crash: Unsicherheit als Treiber der Märkte
- 01:12:07Politische Risiken: Trump-Zölle und Marktreaktionen
- 01:18:11Der Trading-Prozess heute: Screening von über 10.000 Aktien
- 01:24:16Trendfolge in der Praxis: Ausbrüche aus der Box und Volumen
- 01:30:20Globale Sektorenanalyse: KI, Halbleiter, Rohstoffe
- 01:36:25Ausschlüsse im Portfolio: warum China und Biotech komplett raus sind
- 01:42:30Marktphasenanalyse heute: Sentiment, COT-Daten und Zinsen
- 01:48:24Die wichtigsten Trading-Lektionen aus 25 Jahren
Aufnahmedatum: 05.03.2026
Bekomm die besten Denkweisen, Buchtipps & Systeme aus dem Podcast kompakt in dein Postfach. Kostenlos.
Kostenlos, jederzeit abbestellbar. Mit dem Eintragen akzeptierst du unsere Datenschutzerklärung.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Ein Trader ist ohne Zwang zur Vollinvestition im Vorteil: Er kann in Krisen in Cash gehen oder absichern - ein Fonds mit Restriktionen kann das nicht.
- Finanzkrise 2008: Er sicherte mit Put-Zertifikaten ab und beendete das Jahr mit „einem ganz leichten Plus von knapp 2 Prozent“, während der Index rund 45 Prozent verlor.
- Das Screening durchsucht über 10.000 Aktien aus den USA und Europa nach Ausbrüchen aus einer engen Handelsspanne (Davos-Box) mit auffällig hohem Volumen.
- Von diesen Kandidaten fliegen nach seiner eigenen Schätzung „95 % raus“, sobald Fundamentaldaten, Peer Group und Sektor geprüft sind.
- China-Aktien und Biotech sind komplett ausgeschlossen - Biotech, weil eine Zulassungsentscheidung eine „0-1-Wette“ ist, bei der sich kein sinnvoller Stopp setzen lässt.
- „Es gibt keinen statischen Stopp“: Er notiert das Niveau unter dem Ausbruch, lässt sich per App-Alarm warnen und entscheidet dann über Verkauf oder Reduzierung.
- Der Anspruch ist bewusst konservativ: Renditen im Bereich von 8 bis 12 Prozent, weniger Rücksetzer als der Markt, gemessen an DAX, MDAX oder MSCI ACWI.
- Rückblickend würde er seinem jüngeren Ich raten: „mach nicht so viel Trading, mach weniger“ - und gute Trends deutlich länger durchhalten.
Was das für dich heißt
Torsten Maus ist seit 2005 durchgehend profitabel. Er sagt offen, dass ihm Emotionen trotzdem noch in die Quere kommen. Was er dagegen tut:
- Er streicht rund 95 Prozent seiner Kandidaten, sobald er Fundamentaldaten, Peer Group und Sektor geprüft hat. Wie viele deiner Ideen streichst du, bevor du kaufst?
- Er analysiert jeden abgeschlossenen Trade darauf, ob er richtig gedacht oder nur Glück gehabt hat. Unterscheidest du bei deinen Gewinnen zwischen einer guten Entscheidung und Glück?
- Er setzt sich jedes Wochenende mit seinem Team hin und schaut zuerst auf Sektoren, Zinsen und Stimmung, erst dann auf einzelne Aktien. Wann bereitest du deine Börsenwoche vor, bevor sie beginnt?
- Er kennt seine Schwäche: Ist er von einer Aktie begeistert, macht er die Position zu groß. Woran merkst du, dass Begeisterung deine Positionsgröße bestimmt?
📚 Begriffe aus dieser Folge
🎙️ Profis antworten
Diese Fragen stellt Mario vielen Gästen. Lies die Antworten von Torsten Maus neben denen der anderen Profis:
- Was würdest du heute anders machen, wenn du neu anfangen würdest?Torsten Maus: Weniger handeln, Trends länger halten
- Wie sieht dein Tagesablauf aus?Torsten Maus: Sonntags mehrstündiges Screening
Wie Torsten Maus sein Trendfolge-System entwickelt hat
Nach dem Verlust des ersten Kapitals in der Dotcom-Blase begann ein Lernprozess über Jahre: Bücher zu Charttechnik und Fundamentalbewertung, vor allem aber der direkte Austausch mit erfahrenen Tradern. Prägend war die Begegnung mit Alexander Hirsikorn, einem professionellen Händler, der bis heute zum Kernteam gehört. Rund 70 bis 80 Prozent seines Wissens, sagt Torsten Maus, stammen aus dem Wissen anderer Trader - nicht aus Büchern allein. Bezahlt hat er dieses Lernen jedoch immer mit echtem Geld.
„Ich habe immer mit echt Geld gehandelt, nie mit Paper Trades, weil ich das uninteressant finde und ich bin auch der Meinung, wenn man Paper Trading macht, dann hat man nicht die Schmerzen, die man braucht, zu lernen."
Ab 2005 war er erstmals durchgehend profitabel - genau in der Phase, in der er über die Lektüre zu Nicolas Darvas auf die Trendfolge stieß, die ihn bis heute begleitet. Parallel baute er sich mit Investorwelt ein zweites finanzielles Standbein auf und professionalisierte sein Trading Schritt für Schritt.
So funktioniert Torsten Maus' Trendfolge-Strategie
Jedes Wochenende, meist sonntags, trifft sich das vierköpfige Kernteam zu einer mehrstündigen Sitzung. Zuerst der Blick aufs große Ganze: Wie laufen die Sektoren, was machen Zinsen und Kapitalströme, was sagen Sentiment-Daten? Erst danach geht es auf Einzelaktienebene. Eine Screening-Software durchsucht über 10.000 Titel aus den USA und Europa nach Aktien, die aus einer engen Handelsspanne - der Davos-Box - mit deutlich erhöhtem Volumen nach oben ausbrechen.
Was dieses erste Sieb passiert, wird gegen Fundamentaldaten, die Prognosequalität des Managements sowie Peer Group und Sektor geprüft. Am Ende bleiben rund 5 Prozent der Kandidaten übrig. Die Positionsgröße hängt an der Marktphase: bei Rückenwind größer, bei Gegenwind kleiner oder gar nicht. Einen festen Stopp legt Torsten Maus nie in den Markt - er notiert das Niveau unter dem Ausbruch, lässt sich per App-Alarm benachrichtigen und entscheidet dann bewusst, ob er reduziert oder ganz verkauft. Ganze Regionen und Branchen sind vorab ausgeschlossen: China wegen des staatlichen Einflusses, Biotech wegen der binären Zulassungsentscheidungen.
Torsten Maus als Investor: Disziplin, Emotionen und Kapitalerhalt
Trotz des analytischen Zugangs beschreibt sich Torsten Maus als jemanden, dem Emotionen noch heute in die Quere kommen - etwa wenn er von einer Aktie zu begeistert ist und die Position von Anfang an zu groß macht. Auch der Reflex, nach drei, vier schlechten Trades irgendwo einen Gewinn mitzunehmen, sei ein Fehler, den er kennt. Sein Gegenmittel ist Struktur: jeden Trade getrennt betrachten, nach jedem Abschluss analysieren, ob die Entscheidung richtig oder nur Glück war. Kapitalerhalt geht ihm dabei vor Renditemaximierung, Entscheidungen entstehen im Austausch mit dem Team - die Hoheit über das wikifolio behält er selbst. Sein Vorsatz für die Zukunft ist ausgerechnet der, der ihm am schwersten fällt: gute Trends länger durchhalten und sich von Rücksetzern weniger verunsichern lassen.







