Ein unsaniertes Haus in Berlin-Mitte, null Euro Eigenkapital, gegen den ausdrücklichen Rat der Deutschen Bank und des Rating-Instituts Feri gekauft. Zehn Jahre später steht ein Verkaufserlös von 4,2 Millionen Euro. Dr. Dr. Rainer Zitelmann – Historiker, Immobilieninvestor und Autor von 32 Büchern in 35 Sprachen – erzählt Mario Märzinger, warum ausgerechnet die Entscheidungen gegen den Konsens sein Vermögen gemacht haben.
Reich wird man laut Zitelmann nicht mit der Mehrheitsmeinung. Reich wird man mit konzentrierten, unpopulären Entscheidungen – und mit Intuition. Im Gespräch erklärt er, warum Superreiche in der Aufbauphase auf Konzentration statt Diversifikation setzen, warum er 10 bis 30 % Cashquote hält, weshalb er Kryptowährungen konsequent ablehnt und was implizites Wissen mit seinem Immobilienerfolg zu tun hat.
🤖 Frag [Bulle & Mensch]
Was hat Dr. Dr. Rainer Zitelmann zu diesem Thema gesagt? Die KI durchsucht diese Folge und alle anderen nach seinen Original-Aussagen – mit Timestamp und Fundstelle.
Jetzt fragenKapitel
- 00:00:00Einleitung: Mit Ende 50 nochmal neu erfunden – die zweite Promotion
- 00:01:22Wie die Dissertation über die Superreichen entstand
- 00:04:07Gemeinsame Muster reicher Menschen: Schulnoten spielen keine Rolle
- 00:06:39Implizites vs. explizites Wissen: Warum Bauchgefühl zählt
- 00:11:10Wie man Intuition trainiert und richtig anwendet
- 00:15:56Risikobereitschaft, Optimismus – und die Gefahr des Übermuts
- 00:28:31Sein Netzwerk: Wie er sich Kritik von Gerd Kommer & Co. einholt
- 00:32:08Konzentration statt Diversifikation: Wie Superreiche Vermögen aufbauen
- 00:44:34Sein Weg in die Immobilienbranche – ganz ohne Vorerfahrung
- 00:49:02Der Berlin-Deal: Aus 0 Euro wurden 4 Millionen
- 01:03:43Wie er auf unkonventionelle Ideen kommt
- 01:09:49Odyssee-Strategie: Warum er sich selbst am Verkaufen hindert
- 01:15:19Gegen die Mehrheitsmeinung investieren – aber nicht aus Prinzip
- 01:37:41Cashquote zwischen 10 und 30 % und klare Krypto-Ablehnung
- 01:49:29Vom Dispo-Kredit zum Vermögen: Seine unsichere Phase Ende 30
- 02:07:04Neustart mit heutigem Wissen: Das „Warum“ hinter dem Reichtum
- 02:13:50Der Leitsatz: „99 % der Zeit mache ich nichts“
Aufnahmedatum: 09.08.2026
Bekomm die besten Denkweisen, Buchtipps & Systeme aus dem Podcast kompakt in dein Postfach. Kostenlos.
Kostenlos, jederzeit abbestellbar. Mit dem Eintragen akzeptierst du unsere Datenschutzerklärung.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Reich wird man laut Zitelmann nicht mit maximaler Diversifikation, sondern mit Konzentration: „Mit der maximalen Diversifikation können Sie logischerweise gar nicht reich werden, weil Sie letztlich im Schnitt das machen, was alle machen.“ (33:27)
- In der Phase des Vermögensaufbaus gilt Konzentration, in der Phase des Vermögenserhalts maximale Diversifikation – für ihn zwei entgegengesetzte Gesetzmäßigkeiten.
- Sein bester Deal: ein Objekt in Berlin, das er ohne Eigenkapital kaufte – „Da habe ich aus 0 Euro 4 Millionen Euro gemacht.“ – gegen den ausdrücklichen Rat der Deutschen Bank und des Rating-Instituts Feri. (54:36)
- Seine Cashquote liegt aktuell (ohne Immobilien gerechnet) bei über 20 %, in kurzlaufenden Staatsanleihen statt Bankeinlagen – als Munition für antizyklische Käufe.
- Kryptowährungen lehnt er konsequent ab, weil sie für ihn weder Zahlungsmittel noch taugliches Wertaufbewahrungsmittel sind.
- Implizites Wissen (Intuition, „learning by doing“) hält er für mindestens gleichwertig zu explizitem, akademischem Wissen.
- Sein Leitsatz fürs Investieren: „Ich mache 99 Prozent der Zeit nichts.“ – aktives Hin-und-her-Handeln hält er für den größten Vermögensvernichter der meisten Privatanleger. (02:14:28)
- Einzelaktien und komplexe Fondsprodukte meidet er bewusst – er hält sich hier nicht für schlauer als andere Privatanleger.
Was das für dich heißt
Dr. Dr. Rainer Zitelmann hatte mit Ende 30 nichts angespart. Heute handelt er kaum, und genau das gehört zu seinem Erfolg:
- Er macht nach eigener Aussage 99 Prozent der Zeit nichts. Wie viele deiner letzten Trades hättest du genauso gut lassen können?
- Er sucht gezielt Kritik von guten Experten, nimmt sie aber nicht ungeprüft an. Wer darf dir widersprechen, bevor du eine große Entscheidung triffst?
- Er hält über 20 Prozent Cash und kurzlaufende Staatsanleihen als Reserve für Gelegenheiten. Hättest du Geld übrig, wenn morgen eine echte Gelegenheit käme?
- Er hat selbst bei Mietern geklingelt, statt sich auf die Angaben der Makler zu verlassen. Prüfst du selbst nach, oder verlässt du dich auf das, was der Verkäufer sagt?
📚 Begriffe aus dieser Folge
🎙️ Profis antworten
Diese Frage stellt Mario vielen Gästen. Lies die Antwort von Dr. Dr. Rainer Zitelmann neben denen der anderen Profis:
- Was würdest du heute anders machen, wenn du neu anfangen würdest?Dr. Dr. Rainer Zitelmann: Erst das Warum klären
Wie Rainer Zitelmann vom Dispo-Kredit zum Immobilien-Vermögen kam
Mit Ende 30 hatte Zitelmann trotz überdurchschnittlichem Einkommen nichts angespart – Kontostand: minus 20.000 Euro Dispo, plus 10.000 Euro Sparbuch. Geprägt durch seinen Vater, einen evangelischen Pfarrer, und seine eigene marxistische Jugendphase, hielt er Geld lange für unwichtig. Den Wendepunkt brachte ein Gespräch mit dem befreundeten Politiker und Juristen Peter Gauweiler, der ihm sagte, er solle „einfach mal richtig Kohle machen“ – dann könne er sich seine eigene Meinung eher leisten.
So kam er auf die Idee, in Immobilien zu investieren – ohne jede Branchenerfahrung, dafür mit gesundem Menschenverstand: Er klingelte selbst bei Mietern, um Feuchtigkeitsprobleme zu erfragen, statt sich auf Makler-Angaben zu verlassen. Nicht alles gelang: zwei überteuerte US-Immobilien und ein gehebelter Fonds, der deutlich an Wert verlor, zählt er offen zu seinen schlechtesten Investments.
So funktioniert Rainer Zitelmanns Konzentrations- und Cash-Strategie
Sein Vermögen liegt in einer Mischung aus Berliner Immobilien, Aktien-ETFs und Gold, das er seit über 20 Jahren unangetastet hält. Cash und kurzlaufende Staatsanleihen dienen ihm als Reserve für Gelegenheiten und liegen aktuell bei über 20 % (ohne Immobilien gerechnet). Bei Immobilien gilt ein Anlagehorizont von zehn Jahren plus – auch aus steuerlichen Gründen.
Seine „Odyssee-Strategie“ – benannt nach Odysseus, der sich selbst an den Mast fesseln ließ – bedeutet, sich mental selbst am vorschnellen Verkaufen zu hindern. Einzelaktien und Krypto meidet er komplett. Sein Fazit zu Marktmeinungen: nicht stur das Gegenteil der Masse zu tun, sondern die Preisentwicklung als Stimmungsindikator zu lesen und erst zu handeln, wenn eigene Analyse und Konsenslage deutlich auseinanderfallen.
Rainer Zitelmann als Non-Konformist: Freiheit, Kritikfähigkeit und 99 % Nichtstun
Sein zentraler Antrieb ist nicht Statuskonsum, sondern Freiheit: selbst entscheiden zu können, ob, was, wie und mit wem er arbeitet. Kritik sucht er aktiv, lässt sie aber nicht unhinterfragt gelten. Bei Rückschlägen vermeidet er bewusst die Opferrolle: Wem man die Schuld gibt, dem gibt man auch die Macht, sagt er sinngemäß im Gespräch.












