Trading-Psychologie: Dr. Raimund Schriek über freien Willen
Trading-Psychologe Dr. Raimund Schriek erklärt, warum Geld aus einem Glückstreffer besonders gefährlich ist und was Familienmuster damit zu tun haben.
Ein Controller eines großen Automobilkonzerns macht durch einen einzigen Glückstreffer 80.000 Euro Gewinn und verliert das Geld am Ende trotzdem wieder. Dr. Raimund Schriek kennt solche Geschichten aus fast 20 Jahren als Trading-Psychologe.
Im Gespräch erklärt er, warum ausgerechnet leicht verdientes Geld an der Börse so gefährlich ist, wie Familienmuster unbewusst unser Trading-Verhalten prägen und warum auch beruflich erfolgreiche Menschen beim Trading scheitern können.
Dr. Raimund Schriek ist Experte für Trading-Psychologie, Buchautor und Coach und begleitet seit rund 20 Jahren Trader und Anleger dabei, ihr eigenes Verhalten zu verstehen. Besonders macht ihn, dass er beim Menschen hinter der Strategie ansetzt, inklusive Familiengeschichte, Nervensystem und Trading-Tagebuch.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Zugefallenes Geld, etwa aus einem einzelnen Glückstrade, wird von vielen Tradern besonders leichtfertig behandelt und häufig wieder verspielt, weil es sich nicht wie „verdientes“ Geld anfühlt.
- Familienmuster wirken oft unbewusst ins Trading hinein: Raimund Schriek lässt Klienten Genogramme, also Familienstammbäume, malen, um Wiederholungen zu erkennen, etwa wenn die Mutter ein Spielcasinoverbot hatte und der Sohn ähnliche Verlustmuster im Trading zeigt.
- Beruflich erfolgreiche Menschen tun sich beim Trading oft schwerer, weil sie es gewohnt sind, dass ihre Entscheidungen Wirkung zeigen. Der Markt lässt sich davon aber nicht beeindrucken.
- Der Satz „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“ funktioniert laut Raimund Schriek nur mit einer klaren Regel, bis wohin Gewinne laufen dürfen, etwa bis sich zwei gleitende Durchschnitte kreuzen oder eine Trendlinie bricht. Ohne diese Regel wird aus dem Gewinn am Ende oft doch ein Verlust.
- Sein wichtigstes eigenes Learning: das Risiko konsequent klein und abhängig von der Kontogröße zu halten, unabhängig davon, wie sicher man sich gerade fühlt.
- Die Kapitalkurve ist für ihn ein zentrales Diagnosewerkzeug: Schwankt sie stark, obwohl die Strategie eigentlich funktioniert, liegt das Problem meist nicht im System, sondern in der Umsetzung durch den Trader.
- Auf die Frage nach dem freien Willen beim Trading antwortet er: Je bewusster wir mit unseren Themen umgehen, desto mehr freien Willen haben wir. Je unbewusster, desto weniger.
Kapitel
- 00:00:00Einleitung: Warum ein Lucky Punch so gefährlich ist
- 00:00:26Prognosen & Krypto-Hype: Warum wir daran hängen
- 00:06:50Raimund Schrieks Weg: Sein erster eigener Klient
- 00:11:43Der dramatischste Fall: Wenn geerbtes Geld verspielt wird
- 00:16:11Warum beruflich erfolgreiche Menschen beim Trading scheitern
- 00:25:51Demokonto oder Echtgeld: Was die Neurowissenschaft sagt
- 00:32:02Sein wichtigstes Learning: Risiko klein halten
- 00:34:32Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen: Der Denkfehler
- 00:41:07Drei verlorene Depots: Der Silber-Trade und der Margin Call
- 00:45:58Warum ihn Entscheidungen so fasziniert
- 00:58:54Freier Wille: Gibt es ihn beim Trading?
- 01:02:08Der Schering-Trade: Bewusst oder Zufall?
- 01:19:06„Du bist Trader!“: Verhalten unter der Lupe
- 01:36:24„Trading Mind“: Von Verhalten zu Neurowissenschaft
- 01:57:09Was Spitzenperformer wirklich unterscheidet
- 02:18:09Sein Satz fürs Investieren
Aufnahmedatum: 30.06.2026 & 08.07.2026
Wie Raimund Schriek zum eigenen ersten Klienten wurde
Seinen ersten größeren Kapitalstock verdankte Raimund Schriek einem Zufallstreffer: Er kaufte Aktien des irischen Pharmaunternehmens Elan kurz nachdem die Nachricht über zwei Tote bei einer klinischen Studie den Kurs eingebrochen hatte. Die Aktie erholte sich, und aus seinem Einsatz wurde sein erstes Trading-Kapital. Genau dieses leicht verdiente Geld, sagt er rückblickend, habe sich nie „schwer“ angefühlt und ihn dadurch zu mehr Risiko verleitet.
Später verlor er nach eigener Aussage insgesamt drei Depots. Besonders schmerzhaft: ein Silber-Trade, bei dem er kurz vor der Trendwende durch einen Margin Call aus der Position geworfen wurde. Dabei hätte der Trade sehr lukrativ werden können. Ein weiteres Beispiel ist der Schering-Trade: Raimund Schriek ging mit 500 CFDs auf der Short-Seite in die Aktie, ohne sich vorher näher mit dem Unternehmen beschäftigt zu haben, einen Tag bevor Bayer die Übernahme von Schering verkündete. Der Trade kostete ihn rund 8.000 Euro. Aus solchen dramatischen Verlusten, sagt er, habe er mehr gelernt als aus den vielen kleinen Rückschlägen des Alltagstradings.
So funktioniert Raimund Schrieks Trading-Psychologie-Ansatz
In der Arbeit mit Klienten setzt Raimund Schriek beim Menschen hinter der Strategie an. Zu seinen zentralen Werkzeugen gehören:
Genogramme: Klienten malen ihren Familienstammbaum und untersuchen ihn auf Gefühle, Glaubenssätze sowie persönliche und finanzielle Verluste, um wiederkehrende Muster sichtbar zu machen.
Die Kapitalkurve als Diagnoseinstrument: Sie zeigt objektiv, ob ein Trader seine eigene Strategie tatsächlich diszipliniert umsetzt.
Schattenarbeit: Themen, die im Unbewussten liegen, zeigen sich laut Raimund Schriek häufig durch Projektion, etwa wenn man sich über das Verhalten anderer ärgert, das man an sich selbst nicht wahrhaben will.
Körperarbeit und Nervensystem: Der Nervus vagus, zuständig für Entspannung, spielt für ihn eine wichtige Rolle. Er selbst nutzt dafür unter anderem eine Shakti-Matte, eine Art Fakir-Matte mit vielen kleinen Spitzen.
Das Trading-Tagebuch: für Raimund Schriek das wichtigste Buch überhaupt, weil es die eigene Vor- und Nachbereitung ehrlich sichtbar macht.
Routinen: Wiederholtes Einüben derselben Abläufe sorgt dafür, dass man auch unter Druck das Richtige tut, statt impulsiv zu reagieren.
Raimund Schriek als neugieriger, körperbewusster Trading-Psychologe und Bonusvater
Privat erzählt Raimund Schriek von seinem Bonuskind Lotta, die als Kontrabassistin ihren ersten Preis gewonnen hat. Für ihn ist das ein Beispiel dafür, wie früh und klar Entscheidungen fallen können, wenn ein Mensch mit einem Thema in Resonanz geht. Auch bei sich selbst achtet er auf Körper und Nervensystem, etwa durch Entspannung auf der Shakti-Matte. Nach fast 20 Jahren als Trading-Psychologe fasst er es in einem Satz zusammen:
„Trading-Erfolg ist der Spiegel der Persönlichkeitsentwicklung.“
Was das für dich heißt
Dr. Raimund Schriek hat selbst drei Depots verloren und begleitet seit fast 20 Jahren Trader. Seine Regeln für sich selbst sind einfach:
- Er hält das Risiko klein und passend zur Kontogröße, egal wie sicher er sich fühlt. Wird deine Position größer, wenn du dir besonders sicher bist?
- Er führt ein Trading-Tagebuch und nimmt die Nachbereitung so ernst wie die Vorbereitung. Schreibst du nach einem Trade auf, was du getan hast, oder nur, was der Markt getan hat?
- Er nimmt sich jeden Tag Zeit, um runterzukommen, zum Beispiel auf der Shakti-Matte. In welchem Zustand sitzt du vor dem Chart, wenn du eine Entscheidung triffst?
Weiter in der Reihe Mindset & Psyche: Folge 18 →
Frag [Bulle & Mensch]
Was hat Dr. Raimund Schriek zu diesem Thema gesagt? Die KI durchsucht diese Folge und alle anderen nach seinen Original-Aussagen, mit Timestamp und Fundstelle.
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Aus den Kommentaren
Danke Mario, ein großes Vergnügen bei dir zu Gast zu sein. Interessante Titelwahl - gefällt mir sehr.
Das war jenseits der Strategien und Indikatoren eine besondere Folge. Besonders hat mir die ganzheitliche Betrachtung gefallen und das sonst nicht so übliche Methoden erwähnt wurden. … Auch die Fragen waren schön auf den Punkt. …
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