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Folge 39 · 3 Buchtipps

Gold im Depot: Warum Philipp Vorndran 10% physisch hält

Philipp Vorndran von Flossbach von Storch erklärt, warum 10 % physisches Gold ins Depot gehören und warum Diversifikation für langfristige Anleger kaum zählt.

Philipp Vorndran ist Partner bei Flossbach von Storch und seit fast 45 Jahren am Kapitalmarkt. Sein Depot für die lange Frist besteht aus 80 % globalen Aktien, 10 % Anleihen und 10 % Gold. Das Gold hält er physisch, damit er im Ernstfall rankommt, auch wenn Banken und Börsen geschlossen sind.

Seine Vorsicht hat er in der Japan-Zeit als junger Mitarbeiter der Deutschen Bank gelernt, mit drei Optionsscheinen, von denen er nicht wusste, was er da kaufte. Im Gespräch erklärt er, warum Silber als Krisenreserve an der Achslast eines Autos scheitert und warum ein Depotauszug nicht länger als eine Seite sein sollte.

„Und dieses Gold, das misst man nicht in Euro und Cent oder in Dollar und Cent, sondern in Gramm und Kilo.“
– Philipp Vorndran

Die wichtigsten Erkenntnisse

Sein Regelwerk, 8 Punkte: Depot 2 · Absicherung 1 · Auswahl 2 · Risiko 1 · Routine 1 · Ziel 1

  • RegelDepot80 / 10 / 1080 % Aktien10 % GoldKlare Aussage

    Sein Depot für den langen Vermögenserhalt hat eine feste Aufteilung: 80 % globale Aktien, 10 % physisches Gold, der Rest Anleihen. Die Quoten stehen vorher fest, nicht nach Stimmung.

    Philipp Vorndran · bei 1:51

    Zitat & Begründung
    „aus 80 % globalen Aktien, 10 % physischem Gold und den Rest vielleicht inzwischen sogar wieder in andere“ ▶ 1:51
    1. Das Ziel ist langfristiger Vermögenserhalt, nicht der schnelle Gewinn.
    2. Nur Festgeld und Anleihen hält er für keine nachhaltige Strategie.
  • RegelAbsicherungVersicherung getrennt von SpekulationphysischKlare Aussage

    Er trennt zwei Töpfe: Die feste Gold-Quote ist Versicherung und liegt physisch im Zugriff. Was er taktisch darüber hinaus will, darf ein ETC sein.

    Philipp Vorndran · bei 3:11

    Zitat & Begründung
    „diese 10%, diese sichere Reserve, diese Versicherung, die ist meiner Meinung nach ganz klar in physischer Ware zu halten“ ▶ 3:11
    1. Die Versicherung misst er in Gramm und Kilo, nicht in Euro.
    2. Im Ernstfall muss er rankommen, auch wenn Banken und Börsen zu sind.
  • TabuAuswahlKeine eigene AktienauswahlKlare Aussage

    Einzelaktien selbst auszuwählen hält er für den ersten großen Fehler. Mehr als zwei, drei Unternehmen kann er nicht so gut analysieren wie der Rest des Marktes.

    Philipp Vorndran · bei 29:07

    Zitat & Begründung
    „das ist schonmal der erste große Fehler“ ▶ 29:07
    1. Gegen die Analysten im Weltmarkt kann ein Einzelner nur bei sehr wenigen Titeln mithalten.
  • RegelAuswahlEqual Weight als Landkarte

    Er startet mit einem leeren Blatt Papier. Equal Weight zeigt ihm nur, welche Unternehmen investierbar sind, Gewichte kauft er damit nicht.

    Philipp Vorndran · bei 40:44

    Zitat & Begründung
    „Equal-Weight zeigt mir einfach all die Unternehmen auf, die halbwegs investierbar sind“ ▶ 40:44
    1. Zehn bis fünfzehn Tech-Konzerne machen je nach Index 25 bis fast 40 % aus.
    2. Ob ein Gewicht 0,2 % höher oder tiefer liegt, ist für ihn egal.
  • RegelDepotFünf oder sechs Manager, eine Seite5 bis 6 ManagerKlare Aussage

    Umgesetzt wird über fünf oder sechs aktive Fondsmanager mit verschiedenen Philosophien. Sein Maßstab für Übersicht: Der Depotauszug passt auf eine Seite.

    Philipp Vorndran · bei 40:44

    Zitat & Begründung
    „ich sage immer ein Depotauszug, der länger ist als eine Seite, ist ein schlechter Depotauszug“ ▶ 40:44
    1. Nicht Masse zählt, sondern verschiedene Denkmuster, die sich in schlechten Jahren ergänzen.
    2. Die Auswahl der Manager ist für ihn ein langer Prozess über mehrere Marktphasen.
  • TabuRisikoKein doppeltes Heimatrisiko

    Was schon über Wohnort, Immobilie und Altersvorsorge in Europa liegt, kauft er im liquiden Vermögen nicht noch einmal. Kein doppeltes Klumpenrisiko.

    Philipp Vorndran · bei 28:30

    Zitat & Begründung
    „Da muss ich doch in meinem liquiden Vermögen nicht auch noch irgendwie große Europapositionen“ ▶ 28:30
    1. Wohnimmobilie und große Teile der Altersvorsorge hängen schon an Europa.
    2. Trotzdem ist der Euro bei den meisten die größte Position.
  • RätRoutineJährliche Vermögensbilanz1× im Jahr

    Einmal im Jahr eine Bilanz des ganzen Vermögens ziehen, bis zum Restwert des Autos. Erst danach geht es an Anlagehorizont und Ziel.

    Philipp Vorndran · bei 1:29:31

    Zitat & Begründung
    „dann ist es schön, wenn man jedes Jahr seine Bilanz macht“ ▶ 1:29:31
    1. Man findet Positionen, an die man lange nicht gedacht hat.
    2. Fast immer zeigt sich: Das Vermögen ist sehr schief verteilt.
  • RätZielMindestzielrendite rechnen4 % nach SteuernKlare Aussage

    Die Mindestzielrendite rechnet er aus, bevor er anlegt: Inflation plus Steuern. Bei knapp 3 % Inflation und 30 % Steuern sind das 4 %, damit fallen zehnjährige Bundesanleihen raus.

    Philipp Vorndran · bei 1:30:42

    Zitat & Begründung
    „Inflation ist bei knapp drei, Steuern sind 30 Prozent, vier Prozent ist ihre Mindestzielrendite“ ▶ 1:30:42
    1. Von 300 Leuten im Saal kennen fünf ihre Zielrendite.
    2. Das hängt nicht an der Vermögensgröße, auch Unternehmer nach dem Firmenverkauf wissen es oft nicht.

Meinungen von Philipp Vorndran aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.

Wie Philipp Vorndran in der Japan-Zeit seine Vorsicht gelernt hat

Mit Anfang zwanzig, 1983 oder 1984, wurde ein Sparplan über 3.000 D-Mark fällig, den seine Eltern für ihn angelegt hatten. Er war damals bei der Deutschen Bank und verlängerte ihn nicht in einen Anleihenplan. Stattdessen kaufte er drei Optionsscheine auf das japanische Kreditkartenunternehmen Nippon Shinpan, weil es die Kollegen auch taten.

Den ersten verkaufte er eine Woche später für 3.000 D-Mark, den zweiten sechs Wochen später für 15.000, den letzten nach etwa einem halben Jahr bei rund 30.000. Danach stieg der Schein auf über 80.000 D-Mark, damals ungefähr der Preis eines Porsche 911. Zufrieden war er trotzdem nicht. Freude, Gier und Unzufriedenheit hat er in dieser kurzen Zeit alle durchgemacht. Wie absurd die Phase war, zeigt eine Kundin mit einem japanischen Depot über rund 1 Million D-Mark. Sie starb, die Erben stritten drei Vierteljahre, niemand konnte etwas verkaufen. Am Ende waren es 6 Millionen.

1998 sagte ihm sein Doktorvater Eckhard Wenger, was er da mache, sei zum Scheitern verurteilt. Ende 1998 stieg er aus und kaufte Puts. Dann fiel der Markt und fiel weiter, und er sah, wie viele Kollegen alles verloren, was sie aufgebaut hatten. Er selbst nennt das pures Glück.

In der New Economy war er danach der klassische Underperformer. Nach oben verdiente er wenig, verlor aber nichts und legte auf dem Weg nach unten sogar zu. Für ihn war klar, dass es enden musste wie in Japan, mit denselben jungen Leuten voller Euphorie und denselben Sprüchen. Genau so vorsichtig ist er heute bei der KI. Die Technologie hält er für genial, aber ihm stehen dort zu viele Ausrufezeichen, wo Fragezeichen hingehören.

So funktioniert Philipp Vorndrans Strategie für den Ernstfall

Die Anlage-Entscheidungen fallen selten. Eine Idee entsteht beim Rosenschneiden oder auf einer langen Autofahrt, wird mit Familie und Kollegen zerlegt, dann wird einmal entschieden und umgesetzt. Solche Wenden kommen alle fünf, zehn oder mehr Jahre vor, tagesfüllend ist das für ihn nicht. So kam rund um die Finanzkrise das Gold ins Depot. Wenn es wirklich kracht, sind auch gute Aktien nicht liquide, und Gold nimmt dir auch die Marktfrau in der Steiermark ab.

Genauso kamen jetzt die lang laufenden Anleihen zurück. Seit der Finanzkrise hat er sie gemieden, weil er die Nullzinsphase kommen sah und dafür heftig angegriffen wurde. Vor drei Monaten wären seine 10 % noch Festgeld gewesen. Inzwischen preist der Rentenmarkt Risikoprämien und Inflation wieder etwas ein. An 2 % Inflation glaubt er für die nächsten Jahre keine Sekunde, eher an 3 plus. Deutlich über 10 % würde er den Anleihen-Teil erst heben, wenn es wieder 2 % Risikoprämie über der Inflation gibt.

Bei den Aktien schaut er auf den MSCI World in gleicher Gewichtung. Equal Weight kauft er nicht, die Liste zeigt ihm nur, welche Unternehmen überhaupt investierbar sind. Einzelne Aktien sucht er selbst nicht aus, 2.000 Unternehmen könne niemand analysieren. Er wählt fünf oder sechs aktive Fondsmanager mit verschiedenen Ansätzen und lässt sie auch ein, zwei Jahre danebenliegen. Sein Beispiel ist Warren Buffett, der in der New Economy als alter Mann galt und zwei, drei Jahre später wieder als Heiliger Gral. Sein Satz dazu: Ein Depotauszug, der länger als eine Seite ist, ist ein schlechter Depotauszug.

Für seinen Sohn, Investmentbanker mit 45 Jahren Zeit, hält er den monatlichen Sparplan auf einen MSCI World dagegen für sinnvoll, seit einem Jahr in gleicher Gewichtung. Auch das Auswandern hat er vor 17, 18 Jahren mit der Familie durchgespielt, mit Reisen nach Neuseeland und Australien. Übrig blieben der Mittlere Westen der USA und Chile. Umgezogen ist er nicht, aber das Depot ist danach ausgerichtet.

Philipp Vorndran als Investor über Teilzeit, Geschichte und Gewissenhaftigkeit

„Die besten Anlageideen sind mir bei der Gartenarbeit gekommen. Oder bei langen Autofahrten.“
– Philipp Vorndran

Seit fast 26 Jahren arbeitet er in Teilzeit, auch als CEO, heute offiziell zwei Tage die Woche. Davon braucht er nur einen Bruchteil für die Märkte, der Rest geht an Kunden, Veranstaltungen und YouTube-Videos. Geldanlage nennt er so ziemlich das Langweiligste, was man sich vorstellen kann. Was ihn antreibt, ist der Versuch, die Europäer zu besseren Investoren zu machen. Daran sei er bisher maßlos gescheitert, sagt er selbst.

Statt Nachrichten liest er Geschichte, von den alten Griechen bis zu den Inkas, und lange Statistiken wie die Demografie. Seinen Kindern hat er vor 25 Jahren am Strand in Italien mit Kreuzchen erklärt, wie sich das Verhältnis von Arbeitnehmern zu Rentnern verschieben wird. Seine Thesen bespricht er auch mit ChatGPT. Auf einer Research-Reise in Taiwan saß die KI per Sprachfunktion als vierter Gesprächspartner mit am Tisch.

Geprägt haben ihn Alfred Herrhausen und Hermann Josef Abs. Von Abs blieb vor allem eines hängen: immer bestmöglich vorbereitet sein. Genau diese Gewissenhaftigkeit hat er vor drei Wochen in Taiwan wiedergefunden. Privatanlegern rät er zuerst, sich bewusst zu machen, wie wenig man weiß. Sein Satz für den Bildschirm: „Kauft gute Aktien.“

Was das für dich heißt

Philipp Vorndran ist seit fast 45 Jahren im Geschäft und arbeitet seit 26 Jahren in Teilzeit. Bemerkenswert ist, wie selten er an seinem Portfolio etwas ändert:

  • Er arbeitet offiziell zwei Tage pro Woche und nutzt davon nur einen Bruchteil, um die Märkte zu analysieren. Wie viel deiner Zeit am Markt bringt dir wirklich neue Erkenntnisse?
  • Er setzt auf fünf oder sechs Fondsmanager und tauscht keinen aus, nur weil dessen Stil ein, zwei Jahre nicht läuft. Was machst du mit einer Anlage, die seit zwei Jahren hinter dem Markt liegt?
  • Eine neue These durchdenkt er erst allein, dann holt er sich bewusst Widerspruch von Kollegen und inzwischen auch von der KI. Wann hast du zuletzt jemanden gebeten, deine Idee zu zerlegen?
  • Als er in der Schweiz lebte, zog er jedes Jahr eine Bilanz seines gesamten Vermögens, vom Restwert des Autos bis zur Lebensversicherung. Weißt du, wie dein Vermögen heute über Länder und Anlageklassen verteilt ist?

Seine Positionen

Welche Anlagen Philipp Vorndran im Gespräch nennt: was er hält, kritisch sieht oder meidet (Stand: Aufnahme im September 2026).

  • HältGlobale Aktien80 % des Depots1:51
    Zitat
    „aus 80 % globalen Aktien, 10 % physischem Gold und den Rest vielleicht inzwischen sogar wieder in andere“
  • HältGold10 %, physisch3:11
    Zitat
    „diese 10%, diese sichere Reserve, diese Versicherung, die ist meiner Meinung nach ganz klar in physischer Ware zu halten“
  • HältAnleihenRest des Depots, statt Festgeld44:45
    Zitat
    „Wenn wir uns hier vor drei Monaten unterhalten hätten, wären die 10 % nur Festgeld gewesen“
  • SkeptischSilberals Krisenreserve zu schwer8:42
    Zitat
    „wenn man einmal versucht, 100.000 Euro mittels Silber von A nach B zu transportieren“
  • SkeptischBitcoinprivat ja, für Kunden nie11:58
    Zitat
    „Und deswegen ist das ein Investment, ich für Kunden nie einsetzen würde“
  • SkeptischTech-Schwergewichtebis 40 % der Indizes34:41
    Zitat
    „Das hat meiner Meinung nach mit einer Diversifikation so nichts mehr zu tun“
  • MeidetEuropa-Aktienim liquiden Vermögen24:37
    Zitat
    „Also in einem Portfolio nicht primär europäische Investments zu tätigen“

Meinungen aus dem Gespräch, keine Anlageberatung. Zitate wörtlich, die Zeitmarke springt zur Stelle im Video.

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Wer ist Philipp Vorndran?

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Philipp Vorndran begann Anfang der 80er Jahre bei der Deutschen Bank in Würzburg. Später leitete er bei Julius Bär den Bereich Derivate, war bei der Credit Suisse globaler Chefstratege im Asset Management und von 2004 bis 2006 CEO der Credit Suisse Asset Management Deutschland.

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