Gold im Depot: Warum Philipp Vorndran 10% physisch hält
Philipp Vorndran von Flossbach von Storch erklärt, warum 10 % physisches Gold ins Depot gehören und warum Diversifikation für langfristige Anleger kaum zählt.
Philipp Vorndran ist Partner bei Flossbach von Storch und seit fast 45 Jahren am Kapitalmarkt. Sein Depot für die lange Frist besteht aus 80 % globalen Aktien, 10 % Anleihen und 10 % Gold. Das Gold hält er physisch, damit er im Ernstfall rankommt, auch wenn Banken und Börsen geschlossen sind.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Für die lange Frist hält er 80 % globale Aktien, 10 % physisches Gold und 10 % Anleihen. Vor drei Monaten wäre der Anleihen-Teil noch Festgeld gewesen.
- Gold ist für ihn eine Versicherung. Diese 10 % gehören physisch ins Depot, Spekulationsgold darf auch ein ETC sein. Silber taugt dafür kaum: 100.000 € in Silber bringen ein Auto an die Grenze seiner Achslast.
- Bitcoin hat er 2015 privat gekauft und hält drei Viertel davon bis heute. Kunden würde er ihn trotzdem nie empfehlen, weil ihm bis heute niemand den inneren Wert erklären konnte.
- Zehn bis fünfzehn große Tech-Unternehmen machen je nach Index 25 bis fast 40 % aus. Das hat für ihn mit Streuung nichts mehr zu tun. Equal Weight nutzt er deshalb als Landkarte und wählt daraus fünf oder sechs aktive Fondsmanager.
- Wer in Europa wohnt, eine Immobilie und die Altersvorsorge hier hat, braucht im liquiden Vermögen keine großen Europa-Positionen. Trotzdem ist der Euro bei den meisten die größte Position.
- Diversifikation ist für einen langfristigen Investor laut ihm nicht wirklich so relevant. Wichtig sei sie für Institutionelle und für ängstliche Privatkunden, laut ihm 70 % der Kunden.
- Der erste Schritt zu einem besseren Anleger ist eine Bilanz des eigenen Vermögens, einmal im Jahr. Danach kommen Anlagehorizont und Zielrendite.
Wie Philipp Vorndran in der Japan-Zeit seine Vorsicht gelernt hat
Mit Anfang zwanzig wurde ein Sparplan über 3.000 D-Mark fällig. Er kaufte damit drei Optionsscheine auf das japanische Kreditkartenunternehmen Nippon Shinpan, weil es die Kollegen auch taten. Den letzten verkaufte er etwa ein halbes Jahr später. Danach stieg der Schein weiter, bis er so viel wert war wie ein Porsche 911. 1998 sagte ihm sein Doktorvater Eckhard Wenger, was er da mache, sei zum Scheitern verurteilt. Ende 1998 stieg er aus und kaufte Puts. In der New Economy war er danach der klassische Underperformer, verlor aber nichts. Genau so vorsichtig ist er heute bei der KI.
So funktioniert Philipp Vorndrans Strategie für den Ernstfall
Die Anlage-Entscheidungen fallen selten. Eine Idee entsteht, wird mit Familie und Kollegen zerlegt, dann wird einmal entschieden und umgesetzt. So kam rund um die Finanzkrise das Gold ins Depot, und so kamen jetzt die lang laufenden Anleihen zurück. Bei den Aktien schaut er auf den MSCI World in gleicher Gewichtung und sucht sich daraus aktive Investoren, deren Stil er kennt. Sein Satz dazu: Ein Depotauszug, der länger als eine Seite ist, ist ein schlechter Depotauszug. Auch das Auswandern hat er mit der Familie durchgespielt, übrig blieben der Mittlere Westen der USA und Chile. Umgezogen ist er nicht, aber das Depot ist danach ausgerichtet.
Philipp Vorndran als Investor über Teilzeit, Geschichte und Gewissenhaftigkeit
Geldanlage nennt er so ziemlich das Langweiligste, was man sich vorstellen kann. Was ihn antreibt, ist der Versuch, die Europäer zu besseren Investoren zu machen. Daran sei er bisher maßlos gescheitert, sagt er selbst. Statt Nachrichten liest er Geschichte und lange Statistiken wie die Demografie.
Geprägt haben ihn Alfred Herrhausen und Hermann Josef Abs. Von Abs blieb vor allem eines hängen: immer bestmöglich vorbereitet sein. Sein Satz für den Bildschirm: „Kauft gute Aktien.“
Kostenloser Newsletter
Der [Bullenbrief]
Die besten Denkweisen, Buchtipps und Systeme aus dem Podcast, kompakt in dein Postfach.
- Alle Dossiers gratis als PDF
- Themen in jeder Mail anpassbar
Kostenlos, jederzeit abbestellbar, Themen in jeder Mail oder unter Einstellungen anpassbar. Infos in der Datenschutzerklärung.
Buchtipps von Philipp Vorndran
Buchtipps aller Gäste →Weitere Folgen
Alle Folgen ansehen →Philipp Vorndran begann Anfang der 80er Jahre bei der Deutschen Bank in Würzburg. Später leitete er bei Julius Bär den Bereich Derivate, war bei der Credit Suisse globaler Chefstratege im Asset Management und von 2004 bis 2006 CEO der Credit Suisse Asset Management Deutschland.
Kommentare
Mehr Erfahrungen →Begriffe aus dieser Folge
Profis antworten
Lies, was Philipp Vorndran dazu sagt, neben den Antworten der anderen Profis:
- Wie sieht dein Tagesablauf aus?Philipp Vorndran: Zwei Tage pro Woche, Ideen im Garten
- Welche Rolle spielen Nachrichten und Makro?Philipp Vorndran: Tägliches Geräusch blendet er aus














